Wassily und Nicolai Gerassimez begeisterten Arenshorst: Energisch die Zugabe eingefordert

Von Christa Bechtel

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Arenshorst. Ein Konzert der Spitzenklasse erlebten die Besucher am Sonntagabend in der St-Johannis-Kirche zu Arenshorst, das mit minutenlangen stehenden Ovationen und einer Zugabe endete. Eingeladen hatte der Kulturring Bohmte im Rahmen eines Bundesauswahlkonzerts des Deutschen Musikrats Wassily Gerassimez, Violoncello, und Nicolai Gerassimez, Klavier.

Zum ersten Konzert im neuen Jahr konnte „Hausherr“ Pastor Till Engelmann ein bunt gemischtes Publikum von der Altersstruktur her begrüßen. Denn etliche junge Leute wollten sich diesen Hörgenuss wohl nicht entgehen lassen. „Die Kirche ist wieder richtig toll gefüllt und die Zuhörerzahlen steigen stetig“, freute sich Hartwig Ventker, der für den Kulturring die Arenshorster Konzertreihe organisiert. „Das beflügelt, weiterzumachen“, meinte er lächelnd. „Den beiden eilt ein hervorragender Ruf voraus“, galt sein Gruß den hochkarätigen Künstlern, die bereits zahlreiche internationale Wettbewerbe gewannen und in ganz Europa konzertieren.

Die Rossini-Variationen von Bohuslav Martin, mit denen die Brüder ihr spektakuläres Programm eröffneten, sind eine Auseinandersetzung mit Musik der Vergangenheit und ein Zeugnis der politischen Wirren des 20. Jahrhunderts. Als tschechischer Jude auf der Flucht vor den Nazis gelangte Martin im März 1941 nach New York. Der Tscheche widmete dieses Werk dem großen Cellisten Gregor Piatigorsky und verwendete ein Thema, das bereits Niccolò Paganini als Material für Violin-Variationen benutzt hatte: die Preghiera (Gebet) aus Rossinis Oper Mosè in Egitto (Neapel 1818).

Perfektes Miteinander

Im Dialog der beiden Instrumente und im perfekten Zusammenspiel konnten die Zuhörer eine Triolenvariation (Var. I), eine Lauf- und Tremolovariation (Var. II), ein Andante mit feierlichen, tiefen Klavierakkorden (Var. III) und eine schnelle Finalvariation mit den verschiedensten Klangeffekten hören. Mit einer reichen Ausdrucks- und Farbenvielfalt meisterten die gebürtigen Essener dann souverän die Sonate op.40 von Dmitri Schostakowitsch, die er 1934 schrieb. „Damals durfte man politisch nicht alles sagen, was man dachte“, erklärte Nicolai Gerassimez, dass sich in dem Stück viel Kritik verstecke. Im ersten Satz zum Schluss hin höre man beispielsweise, als wenn nachts jemand die Treppe hochkomme. „Damals sind auch Menschen einfach verschwunden“, bemerkte der Pianist. Das Auditorium genoss nun einen ersten, sehr lyrischen Satz. Im zweiten schnellen Satz klingt in beiden Instrumenten Chatschaturjans berühmter „Säbeltanz“ an, im dritten dominiert ein Cello-Monolog und der vierte ist Sarkasmus pur.

Den zweiten Teil eröffnete Wassily Gerassimez mit seiner Eigenkomposition „Zwischen den Steinen“, die er zur Eröffnung der „Gedenkstätte Berliner Mauer“ am 13. August 2011 uraufführte. Virtuos, voller Spielfreude stellte er mit diesem Werk seine Vielseitigkeit nebst Einfallsreichtum vor; er benutzte nämlich Büroklammern, um den Ton des Cellos zu verändern. Mit außergewöhnlichen Spieltechniken begeisterte er später mit seinem „Cello Blues“ - und sorgte mit seinen gelungenen Improvisationen für eine lockere jazzige Atmosphäre.

Spritzige Dialoge

Welch brillanter Pianist Nicolai Gerassimez ist, bewies er mit Alberto Ginasteras „Danzas Argentinas op.2“. Ein Stück, das zeitweise ein hohes Tempo erfordert, dann wieder fast romantische Tonfolgen birgt. Leicht, perlend, schwungvoll und musikalisch bis in die Fingerspitzen interpretierte der Pianist diese drei Tänze. Fulminant und im Wechselspiel zwischen expressiver Dramatik und spritzigen Dialogen wollte das Duo das Arenshorster Konzert mit Astor Piazzollas „Le Grand Tango beenden.

Doch ohne Zugabe ließ das begeisterte Auditorium die beiden sympathischen Musiker nicht gehen: „Transition“, was „Übergang“ bedeutet. So wechselten sie auch spielerisch die Instrumente, groovten im New-Orleans-Stil – und das Publikum war schier aus dem Häuschen. Wer noch mehr hören wollte, nahm gleich die Debüt-CD „Free Fall“ des Duos Wassily und Nicolai Gerassimez mit nach Hause, die erst am 10. Januar veröffentlicht wurde.


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