Temporäre Mahnmale für den Frieden Eichenstämme aus Erstem Weltkrieg in Bohmte

Am Bahnhof Bohmte wurden jetzt Eichenstämme angeliefert, die Künstler Volker Johannes Trieb zu einer Installation verarbeiten will. Foto: Hermann PentermannAm Bahnhof Bohmte wurden jetzt Eichenstämme angeliefert, die Künstler Volker Johannes Trieb zu einer Installation verarbeiten will. Foto: Hermann Pentermann

Bohmte. Zeitzeugen des Ersten Weltkriegs gibt es nicht mehr. Oder doch? In Osnabrück werden vom nächsten Jahr an einige ziemlich große und schwere zu sehen sein. Es handelt sich um Eichenstämme, die vor 100 Jahren bei Hirtzbach, einem Ort im Elsass wuchsen – direkt an der Frontlinie. Volker Johannes Trieb wird sie in seiner Installation „Damals nicht, jetzt nicht, niemals!“ verarbeiten.

„Die Stämme sollen über ihre historische Dimension hinaus in Gegenwart und Zukunft weisen“, so der Künstler. Jetzt trafen die Stämme im Osnabrücker Land ein. Ein ganzer Eisenbahnwaggon wurde am Bahnhof Bohmte auf mehrere Lkw des Sägewerks Hagensieker verladen. Martin Hagensieker erklärt: „Jeder Stamm wiegt etwa zwei Tonnen, insgesamt ist der Waggon mit 60 bis 65 Tonnen Holz beladen.“ Die Stämme sehen nicht schön aus, man sieht schwarze Flecken, einige Stämme scheinen innen komplett schwarz. „Das kommt von den Geschossen, die in ihnen stecken“, so Martin Hagensieker. „Das Eisen und die Gerbsäure verursachen eine schwarz-blaue Färbung, die durch das Holz dringt. Die Bäume können dann nicht mehr wachsen, weil ihre Nährstoffzufuhr unterbrochen wird.“

100 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs waren die Bäume tot, ihre Kronen trocken. Martin Hagensieker wird die äußeren Schichten der Stämme zunächst zu Bohlen verarbeiten, denn die Reste der Geschosse stecken tiefer im Holz. Verarbeiten kann man es nicht. Träfe eine Säge auf Metall, wäre sie sofort beschädigt.

Ein Mitarbeiter von Volker Johannes Trieb wird Kriegswunden und Geschossreste mit einem Werkzeug freilegen, dass man nicht unbedingt mit Kunst in Verbindung bringt: mit der Kettensäge. Zehn bis zwölf Zentimeter lange Metallsplitter dürften im Holz stecken, meint Martin Hagensieker.

32 Blöcke will Volker Johannes Trieb gestalten: „Einen Block für jeden Unterzeichnerstaat des Vertrags von Versailles. Zu jedem Block gehört eine Äußerung zum Thema Krieg und Frieden von einer Geistesgröße der 32 Staaten.“ Sie wird in großen Eisenbuchstaben auf die Blöcke geschraubt. Von 2014 bis 2018 sollen sie an 20 Stellen in Osnabrück als „temporäre Mahnmale“ stehen. Die Orte der Installation sind noch nicht genau festgelegt, doch Überlegungen gibt es schon. Volker Johannes Trieb meint: „Osnabrück war im Ersten Weltkrieg eine große Garnisonsstadt. In der Johannisstraße hatte jedes zweite Haus einen Toten zu beklagen. Vom Hauptbahnhof fuhren die Soldaten an die Front.“

2018 werden die Blöcke entfernt und weiter verwertet. „Vielleicht werden sie an Firmen verkauft, vielleicht an Schulen gestiftet.“


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