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Klasse statt Masse Bei Vario Mobil in Bohmte entstehen Luxusreisemobile für den europäischen Markt

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Bohmte. Frühsommer. Ein Wetter, das Reiseträume wachsen lässt. Ab ins Vergnügen, dafür stehen die Luxuswohnmobile der Firma Vario mobil Fahrzeugbau in Bohmte.

Schnäppchenpreise wie beim Last-Minute-Urlaub gibt es hier nicht. Rund 1,2 Millionen Euro etwa blätterte jüngst ein Kunde für eine der teuersten Edelkarossen hin, die bislang in diesem Jahr gebaut wurden. Womit klar ist: Klasse nicht Masse bestimmt das Geschäft. Der Kunde ist hier tatsächlich König. Seine Wünsche nach Ausstattung und Größe bestimmen den Preis. Preiswert ist dabei relativ. Selbst bei den kleineren Varianten rollen immer noch Wohnmobile im Gegenwert eines Reihenhauses durch die Lande. Der Durchschnittspreis eines „normalen“ Reisemobils lag im vergangenen Jahr übrigens bei 59642 Euro.

In Bohmte verlassen 15 bis 25 Unikate jährlich die Produktionshallen an der B 51.

Bis zu 6500 Arbeitsstunden stecken im größten Modell. Das bietet dann über ein ausfahrbares Drei-Erker-System 30 Quadratmeter Platz. Allein das Schlafzimmer über der Garage für einen Kleinwagen umfasst 10 Quadratmeter. Die rund 22 Tonnen sind nur mit einem Lkw-Führerschein zu bewegen.

Wer aber um Himmels willen kauft sich solche exklusiven Teile? Geschäftsführer Frank Mix (49) klärt auf. Der typische Kunde stehe häufig am Ende eines erfolgreichen Berufslebens, sei verheiratet und „möchte noch etwas von der weiten Welt sehen“.

Luxuswohnmobile dieser Preisklasse bilden einen Indikator für die allgemeine wirtschaftliche Lage. „Brummt die Konjunktur, kommt auch die Klientel 50 plus.“ Für Mix handelt es sich hier schon um die „jüngere Zielgruppe“, die er besonders ansprechen möchte. „Das wird mein letztes Wohnmobil – so etwas höre ich natürlich nicht so gerne. Mit unseren Fahrzeugen durch das Leben – das klingt doch viel besser.“ Frank Mix stieg vor 27 Jahren als Geschäftsführer in das Unternehmen seines Onkels Bernhard Rothgänger ein. Bereut hat er es nie. Seinen Stolz auf das Erreichte merkt man ihm schon an bei Statements wie „Wir sind nie von einem anderen übernommen worden“.

12 Meter Länge, 2,50 Meter Breite und vier Meter Höhe, innerhalb dieser gesetzlichen Normen entstehen im Osnabrücker Land Luxuswohnmobile vorwiegend für den europäischen Markt. Exzellente Qualität setzt hervorragendes handwerkliches Können voraus. „Das Kapital unserer Firma sind die 57 Mitarbeiter“, so Mix. Über 30 Prozent seiner Leute besitzen einen Meistertitel, ein Indiz für den Stellenwert von handwerklichem Können im Unternehmen. Händeringend sucht man in Bohmte schon jetzt Facharbeiter, etwa Elektriker oder Fahrzeuglackierer. Um aus dieser Wachstumsfalle herauszukommen, setzt der Geschäftsführer auf Ausbildung im eigenen Haus.

Die wirtschaftlichen Perspektiven sind nicht schlecht: „Das Segment Luxusreisemobile ist relativ unabhängig von wirtschaftlichen Schwankungen und damit recht stabil, was den Verkauf angeht“, beschreibt Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD), dieses Marktsegment. Wie viele Luxusreisemobile in Deutschland zugelassen sind, weiß nicht einmal das Kraftfahrt-Bundesamt mangels entsprechender Kriterien. Greift die Annahme, dass ein echtes Luxusreisemobil ein zulässiges Gesamtgewicht von über sechs Tonnen aufweisen muss, sind 2011 etwa 500 Fahrzeuge dieser Art zugelassen worden.


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