Schicksal der Familie Pape bald im Kino zu erleben Kaffee kaufen für den guten Zweck: Hospiz-Initiative mit besonderer Spendenaktion

Von Noah Brümmelhorst

Vor der Röstmaschine: Nicole (v.l.), Frank und Lola Pape haben nun eine Kaffeerösterei gegründet. Mit den Einnahmen wollen sie ihre Hospizarbeit finanzieren und ausbauen. Foto: Noah BrümmelhorstVor der Röstmaschine: Nicole (v.l.), Frank und Lola Pape haben nun eine Kaffeerösterei gegründet. Mit den Einnahmen wollen sie ihre Hospizarbeit finanzieren und ausbauen. Foto: Noah Brümmelhorst

Osnabrück/Preußisch Oldendorf. Ihre Geschichte wird im kommenden Jahr als Kinofilm mit Till Schweiger zu sehen sein, die Dreharbeiten laufen gerade. Doch bei der ehrenamtlich geführten Hospizinitiative aus Preußisch-Oldendorf - die sich aus den Erfahrungen rund um den Tod der 16 Jahre alten Tochter gründete - wird es langsam eng, räumlich gesehen. Im Osnabrücker Hotel Remarque stellte die Initiative deswegen jetzt eine Sponsorenidee vor, bei der Kaffee eine große Rolle spielt.

Die krebskranke Steffi lacht nach Wochen das erste Mal wieder, als sie auf einem Pferd sitzt. Die fast blinde Viola lässt sich nicht unterkriegen. Für Jacqueline waren die letzten sieben Monate ihres Lebens trotz unheilbarer Krankheit noch lebenswert. Drei Frauen, drei Geschichten, eine Gemeinsamkeit. Sie alle wohnten im Haus von Familie Pape in Preußisch Oldendorf-Getmold – dem Haus des Rückzugs, der Begleitung und des Abschieds von Schwer- und Todkranken; zunehmend aber auch dem Haus, das für die deutschen Medien von großem Interesse ist. 

Kaffee-Verkostung: Natürlich durfte die auch nicht fehlen. Familie Pape schenkt den Kaffee für ihre Gäste aus. Foto: Noah Brümmelhorst

Da das Medienecho auf die ehrenamtliche Arbeit des Vereins „Ein Lächeln für Dich“ in der vergangenen Zeit so groß war, wurden viele Erkrankte, Angehörige und Freunde von Erkrankten auf das Hospiz in familiärer Atmosphäre aufmerksam. Auch die Tatsache, dass das vom Initiator Frank Pape geschriebene Buch "Gott, Du kannst ein Arsch sein" derzeit prominent verfilmt wird - u. a. mit Till Schweiger, wie berichtet -, spielt dabei eine große Rolle. Doch das stellt die Familie vor ein großes Problem: 

Mehr Anfragen, aber nicht mehr Spenden

"Unser Platz im Haus ist endlich", erklärt Frank Pape (49). Darum soll so schnell wie möglich angebaut werden: ein "Hospitorium", eine Mischung aus Hospiz und Rückzugsort. Aber auch die finanziellen Mittel sind endlich. „Wir haben immer mehr Anfragen, aber nicht mehr Spenden“, so Pape weiter. Genau darum hat sich die Unternehmerfamilie überlegt, eine eigene Kaffeerösterei zu gründen, aus deren Einnahmen die Arbeit in ihrem Haus und der Bau des "Hospitoriums" finanziert werden sollen. 

Ab 5000 Kaffeetrinkern kann angebaut werden

Um das Konzept und den Kaffee vorzustellen, lud Familie Pape am Samstag Freunde und Interessierte in das Remarque-Hotel nach Osnabrück ein. Die Idee sei aus einer Laune heraus vor vier Monaten entstanden, erklärte Frank Papes Tochter Lola (20) den Gästen. Nicole Pape hätte mal einen Witz gemacht, eine Kaffeerösterei aufzumachen. Aus dem Witz wurde schnell ernst: Drei Monate lang besuchte die Familie Schulungen und eignete sich das Röst- und Barista-Handwerk an. "Für uns hat Kaffee eine ganz starke Kultur. Er wird in fast jeder Lebenslage getrunken", erklärt Nicole Pape (41).

Bitte lächeln: 5.000 Kaffeetrinker sollen überzeugt werden, den Kaffee von der Familienrösterei Pape zu beziehen. Dafür wird nun ordentlich Werbung gemacht. Foto: Noah Brümmelhorst

Seit wenigen Tagen läuft nun der Kaffeeröster und die Website ist online. 5000 Kaffeetrinker sollen vom Familienkaffee überzeugt werden und ihren Kaffee wechseln: vom Günstig-Kaffee aus dem Supermarkt zum biologischen und fair gehandelten Kaffee der Familie Pape. Die Kaffeebohnen stammen aus einer Kooperative von Bauern aus Peru und Guatemala, die angemessen entlohnt werden. Familie Pape ist überzeugt, dass Unternehmer auch eine gesellschaftliche Verpflichtung haben.

Verkauf über eigene Internetseite 

Wenn die Grenze von 5000 Kaffeetrinkern erreicht ist, soll der Bau des "Hospitoriums" beginnen. Von einer Packung Kaffee gehen Zwei-Drittel des Gewinns in die Hospizarbeit. Über die Internetseite www.familienroesterei.de kann man sich regelmäßig den Kaffee nach Hause liefern lassen. "Die Idee ist, mit gutem Kaffee langfristig Partner der Hospizarbeit zu sein," sagte Pape. In der Röststube im Büro- und Wohnhaus in Getmold wird der Kaffee nicht nur geröstet, sondern auch mit Vanille, Zimt, Chili oder Kakao veredelt. „Dabei verzichten wir auf den künstlichen Sirup, der häufig bei Kaffee hinzugefügt wird“, sagte Frank Pape.

Es könnten noch mehr Anfragen kommen

Wichtig sei es trotz "Hospitorium", den familiären Charakter des Hauses nicht zu verlieren. Bisher wird zusammen fern gesehen, es werden Ausflüge unternommen und jeden Tag wird miteinander gegessen. Die Räume, in denen die Kranken wohnen, haben keine Ähnlichkeit mit üblichen Hospizfluren. Für Familie Pape sind die Erkrankten keine Patienten, sondern Gäste. "Die Verweildauer in unserem Haus liegt bei bis zu sieben Monaten, die in einem normalen Hospiz meist bei wenigen Wochen", sagte Nicole Pape.

Sebastian Rottmar übergibt Frank Pape (r.) 500 Euro für ihre Hospizarbeit. Er ist der Manager von Rapper M.I.K.I aus Dortmund, das Geld kam durch eine Aktion herein. Foto: Noah Brümmelhorst

Das Interesse am Kaffee der Familienrösterei war am Samstag im Remarque-Hotel groß, sodass die Familie Pape mit Hoffnung in die Zukunft blickt. Aber sie wissen auch, dass die Anfragen auf ein Bett in ihrem Hospiz noch weiter zunehmen könnten, denn im Herbst 2020 soll der Kinofilm zu Frank Papes Buch „Gott, du kannst ein Arsch sein“ in die deutschen Kinos. Dabei verrät der Cast schon, welche Dimension der Film haben wird: Mit Til Schweiger, Heike Makatsch, Jürgen Vogel und vielen weiteren Schauspielern spielt die Top-Riege des deutschen Films mit.


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