Hohe Anforderungen erfüllt Junge DRK-Aktive bestehen Sanitätslehrgang in Bohmte

Von Eckhard Grönemeyer

Der Verletzte liegt nach Messung der Vitalfunktionen unter einer Wärmedecke und erhält jetzt vom hauptamtlichen Notfallsanitäter die von den Helfern vorbereitete Infusion. Foto: Eckhard GrönemeyerDer Verletzte liegt nach Messung der Vitalfunktionen unter einer Wärmedecke und erhält jetzt vom hauptamtlichen Notfallsanitäter die von den Helfern vorbereitete Infusion. Foto: Eckhard Grönemeyer

Bohmte. Die weiträumige Unterkunft des DRK-Ortsvereins Bohmte bot ideale Voraussetzungen für die Abschlussprüfung eines Sanitätslehrganges. Insgesamt zwölf noch sehr junge DRK-Aktive vorwiegend aus dem Altkreis Wittlage und den angrenzenden Gemeinden bestanden die Prüfung, die jeweils in Zweier-Teams an insgesamt sechs Stationen im Hallenkomplex abzuleisten waren.

Die Anforderungen an Sanitätskräfte, die in der Region bei verschiedenen Großveranstaltungen eingesetzt werden, sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen und umfangreiches Fachwissen in Theorie und Praxis ist zwingende Voraussetzung. Stellvertretende DRK-Bereitschaftsleiterin Melanie Sälter, die auch hauptberuflich als Rettungsassistentin tätig ist, leitete mit anderen DRK-Fachkräften den 48 Unterrichtsstunden umfassenden Ausbildungsgang.

Die zwölf DRK-Nachwuchskräfte im Alter von gut 16 bis 19 Jahren waren hochmotiviert in den Lehrgang gegangen, der an einigen Wochenenden in der DRK-Unterkunft in Bohmte stattfand. Zuvor hatten sie einen Erste-Hilfe-Lehrgang absolviert und etliche Monate bereits in der Praxis erfahrenen DRK-Sanitätshelfern bei den anstehenden Sanitätsdiensten „über die Schultern geschaut“. Beschränkte sich früher der Sanitätsdienst auf das Anlegen von Wund- und Druckverbänden oder den Einsatz des Dreieckstuches zur Fixierung von Brüchen, so geht es heute um umfangreiches Wissen bei der Reanimierung und Fallbeispielsprüfungen aus den Bereichen internistische und chirurgische Anwendungen.

Durch Losentscheid

Bei den verschiedenen Fallstationen, bei denen jeweils geschminkte Darsteller für ein annähernd realistisches Handlungsbild sorgten, mussten die jeweils durch Losentscheid gefundenen Zweier-Teams nach dem Auffinden des Verletzten schnell die Vitalfunktionen feststellen und dann erste Maßnahmen zur Stabilisierung treffen. Ein Teammitglied sollte jeweils die Teamleiter-Funktion erkennbar wahrnehmen, das zweite Teammitglied sollte ergänzend zuarbeiten und den Einsatzbericht dokumentierend festhalten, der später dem Rettungsdienst für die weitere Behandlung übergeben wird. Die jungen Helfer mussten den Blutdruck messen, eine Pulskontrolle durchführen, für die nach dem jeweiligen Lagebild sachgerechte Lagerung sorgen und verhindern, dass bei dem Verletzten ein Wärmeverlust eintritt.

In der Bohmter Kleiderkammer unter bewusst engen räumlichen Verhältnissen wurde die Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Tubus und Sauerstoffgabe sowie dem Automatisierten externen Defibrillator geprüft, eine Aufgabe mit großem körperlichen Einsatz. Foto: Eckhard Grönemeyer

Die DRK-Sanitätshelfer heutiger Prägung führen einen großen Rucksack mit vielfältigen Hilfs- und Verbandsmitteln bei Einsätzen vor Ort mit sich. So auch ein Infusionsbesteck, Beatmungsbeutel und einen Tubus mit der im Falle der Bewusstlosigkeit eingesetzt wird. Die Sanitätshelfer müssen in der Lage sein, die Infusion komplett vorzubereiten, nur die Punktion ist dem hauptamtlichen Rettungspersonal vorbehalten.

Bei einer Fallstation ging es um einen Herzinfarkt-Patienten, der durch Fachkräfte des DRK-Bohmte in der Gesichtsfarbe realistisch geschickt worden war. Wie erkennt nun ein Sanitätshelfer ohne EKG und andere Geräte, dass bei dem Betroffenen ein Verdacht auf einen Herzinfarkt vorliegen könnte? Der Blutdruck wurde gemessen, nur hier wurde die echt gemessenen Daten durch Ansage von Dr. Josef Hoffschröer und DRK-Ausbilder Heiko Klawuhn aus Preußisch Oldendorf abgeändert in deutlich höhere Werte. 

25 Punkte erreichen

Nach einem vorliegenden Prüfungsschema wurden die beiden Prüflinge beobachtet, ob ihre Handlungen und Maßnahmen bei dem angenommenen Befund richtig waren. Von 37 möglichen Punkten mussten mindestens 25 Punkte erreicht werden, um das Prüfungsergebnis zu erreichen. Nach kurzer Beratung wurde die mündliche Beurteilung abgegeben, denn wichtig war es den DRK-Verantwortlichen, die Prüflinge zwar zu kritisieren, jedoch aufbauend mit Ratschlägen, wie es besser und vor allem wie die Rettungsmaßnahmen richtig durchgeführt werden könnten. Die Sanitätshelfer-Anwärter durften trotz eigener Anspannung keine Hektik oder Unsicherheit ausstrahlen; dies verunsichert die Verletzten und kann deren Stress verstärken.

Die zwölf Prüfungsteilnehmer rechts im Bild mit roter Jacke und links das Team der Ausbilder, Prüfer und der Verletztendarsteller. Foto: Eckhard Grönemeyer

Der Sanitätslehrgang stellte relativ hohe Anforderungen an die Prüflinge, die sich jedoch hoch motiv vorbereitet hatten durch den Lehrgang und ein umfangreiches Lehrbuch. So gab es auch einen theoretischen Prüfungsteil mit zwei Fragebögen zu unterschiedlichen Themenkomplexen. Einige der Prüflinge gehen noch zur Schule, andere in die Lehre oder bereiten sich auf ein zukünftiges Medizinstudium vor. Der praktische Einsatz an der Basis bei Sanitätsdiensten vor Ort oder auch die Ausbildung als Notfallsanitäter im hauptamtlichen Rettungsdienst wird beim Medizin-Studium, das unter den Numerus Clausus fallt, also einer Zulassungsbeschränkung, wird positiv angerechnet. Es ist folglich nicht nur die Abi-Abschluss-Note, die zählt. 

Langer Prüfungstag

Nach einem langen und anstrengenden Prüfungstag konnten die zwölf Prüflinge ihre Lehrgangsbescheinigung in Empfang nehmen. Vorbeschrieben sind nun weitere Ergänzungsausbildungen und eine jährliche Fortbildung, um die Berechtigung als Sanitätshelfer zu behalten. Zum Abschluss sorgte das DRK-Küchenteam mit Hermann Pannenborg und Margot Appelt für ein umfangreiches Grillbüffet und die Absolventen überreichten ihrem Ausbildungsteam um Melanie Sälter jeweils Erinnerungspräsente .


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