Vortrag von Volker Bajus bei den Grünen Mehr fürs Klima tun im Altkreis Wittlage

ÖPNV als klimapolitisches Handlungsfeld: Wo der Bahnhof nicht mehr betrieben wird und der Bus sonntags nur alle zwei Stunden kommt, soll der Anruf-Bus Abhilfe bringen. Foto: Kerstin BalksÖPNV als klimapolitisches Handlungsfeld: Wo der Bahnhof nicht mehr betrieben wird und der Bus sonntags nur alle zwei Stunden kommt, soll der Anruf-Bus Abhilfe bringen. Foto: Kerstin Balks

Bohmte . "Was können wir im Altkreis Wittlage gegen die Klimakrise leisten?" Diese Frage wollten die Grünen aus Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln öffentlich diskutieren und hatten dazu den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Rat der Stadt Osnabrück, Volker Bajus, eingeladen. Der zeigte in seinem Vortrag klimapolitische Handlungsfelder auf und gab die klare Empfehlung: „Gehen sie in die Politik!“

Sämtliche Statistiken, die Bajus den rund 50 Teilnehmern im Hotel Leckermühle präsentierte, belegen den Anstieg von Treibhausgasen und die damit einhergehende Erderwärmung seit Beginn der Industrialisierung und dann noch einmal exponentiell mit zunehmender Globalisierung der Wirtschaft. Für diese Entwicklung wählte der Grünen-Politiker bewusst nicht den Begriff Klimawandel, weil dieser verharmlose. Klimakatastrophe hingegen erscheine ihm zu schicksalhaft und nehme den Menschen damit aus der Verantwortung. Angemessener sei die Bezeichnung Klimakrise, denn tatsächlich würde sich die Veränderung schon jetzt in Krisen ausdrücken – auch in unseren Regionen: durch Dürre, Wasserknappheit, Baumsterben, Gefährdung der friesischen Inseln, Versalzung des Grundwassers in der Wesermarsch, Verschiebung von Vegetationszonen. Selbst die vorsichtigen Berechnungen, die der Weltklimarat regelmäßig anstelle, würden ebenso regelmäßig von realen Zahlen überholt. „Wir haben uns schon ein wenig daran gewöhnt, doch die Jugend sieht die Widersprüchlichkeit zwischen Wissen und Handeln“, sagte Bajus anerkennend.

Engagiert in Sachen Klimapolitik: Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat der Stadt Osnabrück war zu Gast bei den Grünen im Altkreis Wittlage. Foto: Kerstin Balks

Das von der Bundesregierung verabschiedete Klimapaket sei unzureichend, wolle man die Klimaziele einhalten. Vielmehr brauche es ein für alle Ressorts verbindliches Klimaschutzgesetz, eine höhere CO₂-Bepreisung in Verbindung mit einem Energiegeld, mit dem mittelbar ein sozialer Ausgleich geschaffen werden solle, da, so die Erfahrung, Menschen mit niedrigem Einkommen in der Regel weniger CO₂ produzierten. Umweltschädliche Subventionen, wie etwa beim Kerosin, müssten abgebaut werden. Statt dessen brauche es „Rieseninvestitionen in die Bahn“ und einen Ausbau erneuerbarer Energien inklusive entsprechender Speichertechnik. Zwar sei Klimaschutz eine globale Herausforderung, doch könne, so Bajus, auf kommunaler Ebene viel bewirkt und dabei nachhaltige Wertschöpfung erreicht werden – nicht zuletzt im Hinblick auf Lebensqualität und Stärkung regionaler Produkte, Betriebe und Arbeitsplätze.

Schlechte Busverbindungen

In der kurzen anschließenden Diskussion ging es vor allem um die Verkehrssituation im ländlichen Raum. Konkret bemängelt wurden sowohl fehlende Park&Ride-Plätze am Bahnhof Bohmte wie auch die grobmaschige Taktung der Busse, vor allem in den Abendstunden und an Sonntagen. Bajus riet, einen langen Atem zu bewahren und verwies auf Erfolge wie den Haller Wilhelm, den Regionalzug von Osnabrück nach Bielefeld über Halle, für dessen Realisierung sein grüner Parteifreund Johannes Bartelt 13 Jahre gekämpft habe.

Klar wurde: Es gibt keine einfachen Antworten. Jeder einzelne könne große und kleine Entscheidungen seines Alltags hinsichtlich ihrer Emissionen und ihres Ressourcenverbrauchs prüfen, darüber hinaus sei aber die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen zu schaffen. In diesem Sinne lautete Bajus‘ Aufforderung, wie auch die von Joachim Solf, für die Grünen im Bohmter Rat, der die Veranstaltung moderierte: „Meckern Sie, bringen Sie sich ein, mischen Sie mit in der Kommunalpolitik.“ Um klima- und kommunalpolitische Themen intensiver mit den Bürgern diskutieren zu können, wollen die Wittlager Grünen einen „Klimastammtisch“ ins Leben rufen. Zuvor aber werden sie für das Klima auf die Straße gehen: bei der für Freitag, 1. November, 13.30 Uhr, von der Bad Essener „Fridays For Future“-Ortsgruppe anberaumten Klimademonstration auf dem Kirchplatz.


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