Gute Resonanz bei Aktion 2019 Mit dem Rad zu den Kirchen nach Hunteburg

Von Eckhard Grönemeyer

Den Kreuzgang an der Dreifaltigkeitskirche Hunteburg nahm die Gruppe ebenfalls in Augenschein. Foto: Eckhard GrönemeyerDen Kreuzgang an der Dreifaltigkeitskirche Hunteburg nahm die Gruppe ebenfalls in Augenschein. Foto: Eckhard Grönemeyer

Hunteburg. Ziel der siebten Tour der Aktion: „Mit dem Rad zu den Kirchen“ war diesmal die Ortschaft Hunteburg, wo die Gruppe die evangelisch-lutherische St.-Matthäus-Kirche und die katholische Kirche „Heilige Dreifaltigkeit“ im Rahmen von Kirchenführungen besuchte.

Auf der Rückfahrt wurde noch ein kurzer Zwischenstopp an der Kriegsgräberstätte in Meyerhöfen eingelegt. Die anfängliche Einschätzung, dass die Ortschaft Hunteburg grob in zwei Lager der Hauptreligionen gespalten sein könnte, weil es dort zwei konfessionell getrennte Kindergärten- oder tagesstätten, zwei Friedhöfe und einst getrennte Grundschulen gab, musste schnell revidiert werden. 

Geist der Ökumene

In Hunteburg ist der Leitgedanke der christlichen Ökumene in der täglichen Praxis weiterentwickelt als der Außenstehende vermuten kann. Jüngstes Beispiel: Ein Ehepaar, er als evangelischer Christ Küster in der St. Matthäus, sie als katholische Christin Küstern in der katholischen Kirche „Heilige Dreifaltigkeit“. Dies könnte bundesweit einzigartig sein; es wäre noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen. In Hunteburg ist christliche Nächstenliebe auch innerhalb der Kirchenvorstände nicht nur eine Floskel, sondern wird in vielfältiger Weise praktiziert. Es hat Vorbildcharakter in einer Zeit, in der sich viele Menschen von den großen Religionsgesellschaften abwenden.

Die Gruppe startete von Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln meist über ruhige Nebenstrecken in Richtung Hunteburg. Einige Teilnehmer hatten sich kurzfristig abgemeldet wegen der aufziehenden dunklen Regenwolken. Aber erst auf der Rückfahrt auf den letzten Kilometern setzte leichter Regen ein.

Schon bei den voran gegangenen Touren bekannten die meisten Teilnehmer, dass ihnen die umliegenden Kirchen ihrer Heimatregion nicht bekannt seien. Friedhelm Otte-Witte aus Bohmte, der mit Jürgen Frieler aus Bad Essen und Roswitha Lücke-Fender die Organisation übernommen hatte, war sehr zufrieden mit der Teilnehmerresonanz.

Drei Ortsteile

Peter Kollorz erklärte den Gästen die beschauliche, nicht allzu große evangelische Kirche mit ihrer 300 Jahre alten Orgel. Die Ortschaft Hunteburg mit ihren drei Ortsteilen zählt 3.920 Einwohner, davon 1956 männlich und 1964 weiblich. Mit 170 Personen ist der Ausländeranteil vergleichsweise gering. Obwohl keine statischen Angaben zur Aufteilung der Einwohner auf die beiden Hauptreligionsgesellschaften sowie der Einwohner ohne religiöse Mitgliedschaft vorlagen, sehen sich die Hunteburger selbst nicht als Diaspora-Gemeinde, wo eine Religionsgesellschaft die absolute Majorität hat. "Die beiden Hauptkirchen begegneten sich auf Augenhöhe", so betonte Peter Kollorz, unterstützten sich gegenseitig wo sie nur könnten. 

Auf diese Form der Zusammenarbeit könne mit Stolz verwiesen werden, es halte auch die Gesellschaft im dörflichen Leben zusammen. Die örtlichen Kirchenvorstände beklagten oft, dass die Landeskirche eine gute Finanzausstattung habe, aber vor Ort mangele es an allen Ecken und Kanten. Durch vielfältige Eigenleistungen und großen Idealismus versuche der aus sechs Mitgliedern bestehende Kirchenvorstand, ergänzt um drei ständige jugendliche Berater die Kirche und die kirchlichen Einrichtungen zu unterhalten und das Gemeindeleben zu intensivieren.

Die Gruppe vor der St.-Matthäus-Kirche. Foto: Eckhard Grönemeyer


Bei dem Wechsel von Pastor Hans Jürgen Milchner in den Ruhestand und Pastor Stephan Wallis mit einer Teilzeitstelle sei das Gemeindeleben in der Übergangszeit fast zum Erliegen gekommen. Mit vereinten Kraftanstrengungen sei es wieder in Gang gekommen, es gebe derzeit 14 Konfirmanden. Die Zahl der Kirchenmitglieder sei kein Indiz für die regelmäßigen Kirchengäste; dass es hier bei beiden Religionsgesellschaften aufgrund des Zeitgeistes einen großen Rückgang gäbe, dürfe nicht geleugnet werden. Wichtiges Anliegen sei es den beiden Kirchen in Hunteburg, die Jugendlichen zu ermutigen sich wieder kirchlich zu engagieren. Anklang fände hierbei eine ökumenische Jugendgruppe, die sich mit einem Stand auf dem Ponymarkt und anderen gemeinschaftsbildenden Aktionen erfreulich einbringe. Dies sei ein ermutigendes Zeichen für beide Kirchen.

Kreuzweg mit 14 Stationen

Nach einem Gang über den katholischen Friedhof, dessen Pflegezustand die Teilnehmer sehr beeindruckte und der Besichtigung des Kreuzweges mit seinen 14 Stationen, die um 1896 angelegt wurden, erklärte Kirchenvorstandsmitglied Steffen Bach die katholische Kirche in Hunteburg, die eine stattliche Größe hat und in der etliche sakrale Darstellungen zu sehen sind. Die katholische Kirche bildete eine Pfarrgemeinschaft mit Bohmte und Lemförde; die drei Kirchen würden von Pastor Marc Weber betreut.

Ein Schmuckstück der katholischen Kirche ist die historische Orgel von 1867, die von einer schottischen Orgelbaufirma geschaffen wurde. Schon in der Hunteburger Kirchengeschichte soll es um 1670 erste ökumenische Ansätze gegeben haben im Bereich der Liturgie, doch bei einer Visitation habe der damalige Bischof den örtlichen Geistlichen angewiesen, zu den strengen Regeln der Separation zurückzukehren. Auch Steffan Bach sprach sich positiv über die gute Zusammenarbeit der beiden Hunteburger Kirchen auf örtlicher Ebene aus, wo das verbindende und nicht das trennende im Vordergrund stehe. Diese Entwicklung könnte sich noch weiter fortsetzen, weil die Menschen im Dorf mehrheitlich den Zusammenhalt wünschen. 

Blick auf die Infotafel an der Kriegsgräberstätte in Meyerhöfen. Foto: Eckhard Grönemeyer


Auf dem Rückweg wurde die eingefriedete Kriegsgräberstätte in Meyerhöfen besichtigt, wo keine Soldaten, sondern nur Männer, Frauen und Kinder vorwiegend aus Russland und Polen beigesetzt wurden, die als Zwangsarbeiter während der Nazi-Herrschaft nach Deutschland deportiert wurden. Sie wurden wohl überwiegend im Torfabbau eingesetzt, eine körperlich sehr harte Arbeit, die bei Mangelernährung und Krankheiten sicher die Haupttodesursache der Beigesetzten war. 

Historische Namenstafeln 

Die Namen der Toten sind auf einer großen Tafel mit Angabe der Herkunft nachzulesen. Entsetzt waren die Teilnehmer der Radtour, dass sechs historische Namenstafeln aus wertvollen Materialen von Metalldieben abgeflext und gestohlen wurden. Eine beschämende Tat gegenüber den beigesetzten Opfern von Krieg und Gewalt.

Die nächste Kirchentour mit Rädern soll die Ortschaften Schwagstorf und Venne und deren Kirchen zum Ziel haben.


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