Plötzlicher Tod in den Flitterwochen Wie eine Bohmterin die Trauer über den Tod ihres Ehemanns besiegt

Die Bohmterin Anja Dieckmann mit ihrem Buch "Besiege deine Trauer". Foto: Jana HenschenDie Bohmterin Anja Dieckmann mit ihrem Buch "Besiege deine Trauer". Foto: Jana Henschen

Bohmte. Es sollten traumhafte Flitterwochen werden. Doch schon am zweiten Tag verstarb ihr geliebter Jörg plötzlich. Für Anja Dieckmann bricht eine Welt zusammen. Wie sie die Trauer erlebt und mit der Trauer lebt, beschreibt die Bohmterin in ihrem Buch "Besiege deine Trauer".

"Die Trauer ist immer da und schwer", sagt die 49-Jährige aus Bohmte, die vor drei Jahren ihren Mann verlor. Mit ihrem Buch möchte sie Menschen, Mut machen: "Man kann damit leben, man kann es lernen." Das Buch gibt Einblicke in das Leben einer Trauernden. Sie erzählt ihre Geschichte, wie sie sich fühlte, wie sie sich am Anfang gehen ließ, wie schwer die Zeit nach der Beerdigung war und wie sie es geschafft hat, mit der Trauer zu leben. "Ich weiß, dass es kein Bestseller wird, aber es ist echt und von einer normalen Frau geschrieben."

Die Liebe ihres Lebens

Anja Dieckmann lernte mit 31 Jahren ihren Jörg im Stadion des VfL Osnabrück kennen. "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt sie und lächelt. Damals war sie noch mit ihrem ersten Mann verheiratet, aber die Ehe sei zu dem Zeitpunkt schon gescheitert gewesen. 

Wenn sie bei Jörg war, war das wie ein Wochenendurlaub für sie. "In Jörg habe ich die Liebe meines Lebens gefunden", sagt Dieckmann. Die Tränen steigen in ihre Augen. Sie lässt sie laufen. Auch das schreibt sie in ihrem Buch: Den Mut zu haben, die Trauer raus zu lassen.

"Es gibt keinen Zeitfahrplan"

"Tausende Trauernde machen das durch. Es gibt keinen Zeitfahrplan. Es wäre schön, aber den gibt es nicht. Die Trauer ist immer da." Am Ende der meisten Buchkapitel macht sie ein persönliches Fazit, wie auf Seite 28: "Jeder sollte seiner Trauer, all seinen Gefühlen den nötigen Raum geben. Keine einzige Träne sollte unterdrückt werden, kein lautes Schluchzen, kein Wutausbruch, kein Jammern. Denn es ist so wichtig, all das herauszulassen, herauszuschreien. Denn auch das ist Teil unserer Trauerarbeit."

14,5 Jahre war Dieckmann mit Jörg zusammen. Im Gespräch  erklärt sie: "Ich hatte viele Probleme mit meiner Psyche, war laut und habe herumgeschrien." Sie hatte eine schwere Kindheit, ihr Stiefvater wurde zuhause häufig gewalttätig. Sie ritzte sich. Mit ihrem Jörgi sei sie ruhiger geworden. "Er hat geschafft, dass ich mich ändere." Auch weil er einmal zu ihr sagte: 

"Süße, du musst was ändern."


Sie begann eine Psychotherapie. Wurde ruhiger. Ausgeglichener. Nach vier Jahren zogen sie in Melle zusammen. Für ihre drei Kinder wurde Jörg im Laufe der Jahre zu einem guten väterlichen Freund.

Über den Toten zu sprechen, sei häufig ein Tabuthema, aber "mir hilft es, darüber zu reden", sagt sie. Sie wollte heiraten, ihr Jörg war aber zögerlich. Nach 14 Jahren dann fragte er sie an einem gemütlichen Abend, ob sie ihn heiraten will. Sie hat sofort ja gesagt. Am 8. Mai 2015 trauten sie sich im Meller Standesamt. Fünf Monate später, am 28. Oktober, flogen sie in die Dominikanische Republik.

Die Flitterwochen

"Dieser Donnerstag war ein wunderschöner Tag, Jörg war sehr liebevoll und umarmte und küsste mich in der Öffentlichkeit, was er sonst er nicht machte." Spät Abends gingen sie ins Bett. Als Anja Dieckmann um 5 Uhr aufwachte, weil ihre Moskitostiche fürchterlich juckten, wollte sie sich an Jörg kuscheln. Er war kalt. Als sie das Licht einschaltete, sah er sehr friedlich aus, die Augen waren geschlossen. "Das war damals kein Trost für mich – heute ist es das." Der Arzt sagte ihr später, dass sie nichts hätte tun können. Jörg war an einem plötzlichen Herztod gestorben.

"Ich möchte den Lesern nahebringen, was in einem vorgeht – was mit einem geschieht. Aber vor allen Dingen möchte ich allen zeigen, dass es weitergeht, auch wenn zunächst alles sinnlos, kalt und leer erscheinen mag. Der Mensch ist so stark, man mag es kaum glauben. Ich möchte mit meinen Erlebnissen, meiner Art, mit der Trauer zu leben, dabei helfen, diesen schier unüberwindbaren und schweren Weg zu gehen", schreibt Dieckmann in ihrem Buch "Besiege deine Trauer".

Ein neuer Partner

Sie ging zu einem Therapeuten, der er riet, ein Trauertagebuch zu schreiben. Aus diesem ist dann ihr Buch entstanden, das im Dezember 2018 erschien. "Jörgi ist für immer in meinem Herzen und das weiß Andreas auch." Andreas ist ihr neuer Partner. Die Leute würden viel reden und das nicht verstehen, aber "Jörg kommt nicht mehr wieder. Ich war einsam und ich kann nicht allein sein. Andreas und ich geben uns gegenseitig Kraft."

Sie glaubt, ihr Jörg hat sie von oben aus dem Himmel beobachtet und ihr Andras geschickt. Heute sagt sie: 


"Jörg ist in mein Leben getreten und hat mich auf den richtigen Weg gebracht und er ist gegangen, als ich auf dem richtigen Weg war."



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