„Schallplatten bedeuten Erinnerung“ Das weiße Album: Ehemaliger DJ aus Bohmte präsentiert seine Vinyl-Schätze

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LP-Sammler aus Leidenschaft: Wolfhard Ristau mit dem weißen Album der Beatles und der dazugehörigen Box. Foto: Bastian RabeneckLP-Sammler aus Leidenschaft: Wolfhard Ristau mit dem weißen Album der Beatles und der dazugehörigen Box. Foto: Bastian Rabeneck

Bohmte. Der Bohmter Wolfhard Ristau zählt zu den ersten DJs der deutschen Musik-Szene. Als er Anfang der 1960er Jahre die Diskotheken unsicher machte, war an Musikportale wie Spotify noch nicht einmal zu denken. Mit Schallplatten wurde das Partyvolk zum Tanzen gebracht. Aus dieser Zeit hat Ristau noch so manchen Schatz in seiner Sammlung.

Eins seiner wertvollsten Exemplare ist eine blaue Box aus dem Jahr 1978, auf der mit goldenen Lettern geschrieben steht: „The Beatles Collection“. Darin verbergen sich zwölf Vinyl-Alben des legendären britischen Quartetts. Zwischen „Yellow Submarine“ und „A hard day‘s night“ findet sich dort auch das puristische weiße Album, das nach 50 Jahren nicht nur als Meilenstein der Rockgeschichte, sondern auch als Kunstobjekt gehandelt wird. Im Jahr 2005 wechselte die wohlgemerkt leere Hülle des Albums mit der Auflagennummer acht im Londoner Auktionshaus Christie‘s den Besitzer für umgerechnet 13235 Euro.

Die ersten 1000 sind nummeriert

Und welche Nummer besitzt Wolfhard Ristau? „Das ist die Nummer 710“, sagt er stolz und tippt auf eine kleine Zahl in der Mitte der makellosen Vinyl-Platte. „Nur die ersten 1000 Pressungen wurden nummeriert.“ 800 Deutsche Mark habe er für die Kollektion damals gezahlt. „Inzwischen dürfte aber das weiße Album allein schon mehr wert sein“, schätzt der ehemalige DJ. Ein Bekannter habe ihm 1000 Euro dafür geboten aber der Vorschlag erschien ihm doch vergleichsweise niedrig. „Wenn der Preis stimmt, würde ich die Platte verkaufen“, sagt Ristau. „Unter 1500 Euro geht da aber nichts.“ Davon abgesehen: Bevor er seinen Schatz aus der Hand gibt, müsse ein Fachmann den genauen Wert der Platte schätzen. Einen passenden Experten habe er bisher jedoch noch nicht ausfindig machen können.

Kratzer oder Kerben sucht man auf den schwarzen Scheiben aus der blauen Box vergeblich. „Ich habe alle Alben doppelt“, sagt der Sammler. Die Langspieler (LPs) aus der Beatles-Box seien nie auf einem Plattenspieler gelandet. Dafür mussten die Doppelgänger herhalten. Seine Schallplatten-Sammlung umfassen inzwischen rund 1500 LPs und 2500 Singles, darunter Klassiker der Sechziger- und Siebzigerjahre von Künstlern wie „The Chris Barber Band“, „Charly Antolini“ oder „Alexis Korner.“ „Ich wurde damals von den Plattenfirmen mit Exemplaren überhäuft“, erinnert sich der 75-Jährige, der deutschlandweit unter dem Künstlernamen „Onkel Kull“ unterwegs war. Die Firmen hofften natürlich, dass Onkel Kull die Platten in den Diskotheken auflegt und die Musik damit direkt bei der passenden Zielgruppe landet.

Ungespielte Originale

Inzwischen bekommt er keine Post mehr von der Musikindustrie. Stattdessen streift Ristau ab und an über Flohmärkte, um seine Sammlung zu erweitern. Da sein Anspruch recht hoch ist, wird er jedoch nur selten fündig: „Ich möchte ungespielte Originale und die sind wirklich rar.“

Zwölf verschiedene Alben der Beatles, die zwischen 1963 und 1970 erschienen sind, umfasst die Kollektion. Foto: Bastian Rabeneck

Die Vinyl-Scheiben bedeuten für ihn Erinnerung. Mit jeder Platte verbindet er bestimmte Menschen, die er getroffen oder Orte, an denen er aufgelegt hat. Deswegen höre er sich die Musik auch heute noch gerne an. Trotzdem: Auf der Kommode im Wohnzimmer, in der er seine Schallplatten aufgereiht hat, steht Amazons Alexa. Das Gerät spielt praktisch auf Zuruf fast jeden beliebigen Musiktitel aus dem Internet ab. „Es ist schade, dass das Traditionelle in den Hintergrund gerät“, sagt Ristau. Aber er sieht auch den Vorteil: „Junge Menschen bekommen über das Internet einen einfachen Zugang zu älterer Musik. Die CDs oder LPs würden sie sich dagegen wahrscheinlich nicht kaufen“, vermutet der Plattensammler.


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