Wohin steuert die Landwirtschaft? Ministerin Otte-Kinast über ihre Ziele für den ländlichen Raum

Von Cornelia Müller

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Leckermühle. Bei den Landwirten aus dem Wittlager Land hatte sich Besuch aus Hannover angesagt: Der Landwirtschaftliche Förderungsring hatte die niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Barbara Otte-Kinast eingeladen, die Grundzüge ihrer Politik vorzustellen und darüber mit den Anwesenden zu diskutieren. Erfrischend direkt („Donnerlittchen, hier sind ja ganz schön viele gekommen“) fiel der Auftritt der Ministerin im Hotel Niemann aus.

Und er sollte auch nicht ohne praktische Konsequenzen bleiben: Noch am Abend wurde ein Treffen mit den Landwirten der Dümmerregion eingestielt, bei dem es um die geplanten Sanierungsmaßnahmen gehen soll.

An der Seite der Landwirte

In ihrem Vortrag ging Otte-Kinast auf viele Probleme ein, die ihr Ministerium zurzeit auf Trab halten. „Ich bin jetzt ein Jahr im Amt, aber gefühlt sind es zwei Jahre, bei allem, was passiert ist,“ sagte sie. Ganz wichtig war ihr, den Bauern deutlich zu machen: „Die Landesregierung, die jetzt im Amt ist, die steht an Ihrer Seite.“ Das erklärte Grundanliegen der Ministerin: „Ökologie und Ökonomie müssen in Einklang gebracht werden. Es ist wichtig, dass die anstehenden Verordnungen auch leistbar sind“. Eine nachhaltige Landwirtschaft sei nur mit den Landwirten, nicht gegen sie möglich. „Das tollste Programm nützt nichts, wenn Sie nicht mitmachen.“ Die Bereitschaft zur Veränderung sei grundsätzlich da, attestierte sie den Landwirten, aber dafür brauchten sie Planungssicherheit.

Dümmersanierung

Ein großes Thema war der Bereich Nährstoffreduzierung und Dümmersanierung: Die Verbesserung der Gewässerqualität sei „alternativlos“, daran ließ Otte-Kinast keinen Zweifel. Noch einmal warb sie bei den Bauern darum, Tauschflächen für die Flächen, die für die Schaffung eines Großschilfpolders am Dümmer benötigt werden, anzunehmen. Das allerdings sei kaum zumutbar, wenn die Tauschflächen vor allem im Raum Diepholz/Wagenfeld lägen, widersprachen betroffene Landwirte. Ihr Vorwurf an die Ministerin: Es werde über die Köpfe der Grundstücksbesitzer und Landwirte hinweg entschieden. „Da ist Vertrauen verloren gegangen.“ Otte-Kinast nahm das zum Anlass, die Betroffenen zu einem Gespräch vor Ort mit dem NLWKN und dem Landwirtschaftsministerium einzuladen. „Dann kommen wir vielleicht ein Stück weiter.“

Regeln einhalten

Ein weiteres Thema: Der Tierschutz. Zustände, wie sie in jüngster Zeit an einigen Schlachthöfen aufgedeckt worden seien, seien „nicht tolerabel“. Barbara Otte-Kinast forderte eine stärkere Kontrolle, „vom Hänger bis zum Haken“, um die Einhaltung bestehender Regeln zu sichern. „Das sind wir uns als Tierhaltungsland Nummer eins schuldig, das sind wir unseren Nutztieren schuldig, das sind wir auch denen schuldig, die gute Arbeit machen. Und eben die, die das nicht machen, die müssen wir am Kragen packen.“

Übergangszeit nutzen

Besonders viel Kritik habe sie zu ihrer Haltung in Sachen Ferkelkastration einstecken müssen. Aber: „Der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration wird von mir ja gar nicht infrage gestellt. Aber ohne tragfähige Alternative stehen unsere Ferkelbetriebe vor dem Aus.“ Mehr als 8 Prozent Eberfleisch wolle der Handel nicht vermarkten, „und wenn er das nicht will, dann macht er das nicht. Dann kommt das Fleisch woanders her“. Und das sei dann wiederum kein Vorteil für den Tierschutz, denn dann würden weite Transporte noch mehr zunehmen. Deshalb müsse die Übergangszeit dringend genutzt werden, Alternativen zu entwickeln, und deshalb setze sie sich für den „Vierten Weg“ der Kastration unter Lokalanästhesie ein.

Dürrehilfe und Wolf

Auch die Problemfelder Dürrehilfe und Wolf sprach Otte-Kinast an. Die anschließende Diskussion bewegte sich dann weitgehend zwischen zwei Polen: Einerseits Anerkennung für die Bemühungen der Landwirtschaftsministerin, die Situation der Landwirte ernst zu nehmen, andererseits Frust über Rahmenbedingungen, die für einzelne Betriebe mitunter existenzbedrohend seien, von Problemen mit dem Baurecht bis hin zu fehlenden Hilfen.

Unwidersprochenes Fazit der Ministerin zur Zukunft der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes: „Es liegt richtig, richtig viel Arbeit vor uns, im Ministerium und bei Ihnen auf den Betrieben.“


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