Erfrischendes und feinsinniges Spiel Trio Arpeggione ließ die Arenshorster Kirche beben

Von Christa Bechtel

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Virtuos: Das Trio Arpeggione aus Lübeck brachte mit seiner grandiosen Musik die Arenshorster Kirche zum Beben Foto: Christa BechtelVirtuos: Das Trio Arpeggione aus Lübeck brachte mit seiner grandiosen Musik die Arenshorster Kirche zum Beben Foto: Christa Bechtel

Arenshorst. Stampfen, Bravorufe und stehende Ovationen: Die Arenshorster St. Johanniskirche bebte nach dem grandiosen Auftritt des Trios Arpeggione. Auf Einladung des Kulturrings Bohmte hatten die Lübecker unter dem Motto „Viva Paganini!“ für mehr als zwei Stunden für Kurzweil mit höchst anspruchsvollen Raritäten, aber auch Ohrwürmern gesorgt.

„Es macht einfach Spaß, dafür zu arbeiten“, meinte Kulturring-Vertreter Hartwig Ventker, als er die mit weit über 100 Besuchern gefüllte Kirche sah. Weiter erklärte er: „Wir fahren immer zweigleisig: Entweder bieten wir ein ungewöhnliches Ensemble an oder wir widmen uns einem Komponisten. In diesem Fall Niccolò Paganini und seinen Zeitgenossen.“ „Ich freue mich, dass die Konzerte vom Kulturring Bohmte, dem ich auch angehöre, hier in unserer Kirche stattfinden“, sagte Hausherr Pastor Andreas Pöhlmann begeistert.

Etabliertes Ensemble

Das Trio Arpeggione – bestehend aus Carlos Johnson (Violine), Semjon Kalinowsky (Viola) und Andreas Schumann (Gitarre) – gründete sich 2002 und etablierte sich als eines der wenigen Ensembles dieser Besetzung. Mit ihrem erfrischenden und feinsinnigen Spiel beeindrucken sie seitdem Publikum und Presse gleichermaßen. Niccolò Paganini, der nicht nur der große „Teufelsgeiger“ sondern auch ein hervorragender Bratschist und Gitarrist war, vereinigte so gewissermaßen die Instrumentenbesetzung des Trios Arpeggione in sich. 1824, auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, schrieb er sein „Cantabile op. 17“, mit dem die Instrumentalisten das Konzert eröffneten. Ein Stück zum Dahinschmelzen, das das Trio virtuos und kongruent zu Gehör brachte. Überhaupt konnte das Publikum im Verlauf des Abends die atemberaubend experimentelle Klangfarbenregie, die rhythmische Prägnanz, aber auch die filigrane Balance zwischen den Instrumenten genießen.

Nach dem ersten Stück verdeutlichte Carlos Johnson: „Wir spielen einige Komponisten, deren Werke nicht häufig auf Konzertbühnen gespielt werden.“ Weiter ergänzte er: „Was wir heute Abend für Sie spielen, ist das Ergebnis von sehr vielen Jahren der Forschung nach den Auswirkungen dieser großen Persönlichkeit der Musikgeschichte – Niccolò Paganini.“ Durch ihn könne man die Literatur der Streicher zweiteilen: die Zeit vor Paganini und die Zeit danach.

Der deutsche Paganini

Erster Zeitgenosse Paganinis im Programm war Ludwig Spohr, der auch schon mal als „deutscher Paganini“ bezeichnet wird. Heiter, sprudelnd, lebendig und gespickt mit technischen Finessen interpretierten sie von Spohr das „Trio F-Dur“. Sodann folgte mit Paganinis „Variazioni de bravura“ das erste bekannte Stück, das Carlos Johnson und Andreas Schumann so voller Leichtigkeit zu Gehör brachten, dass im Publikum ein spontanes „Wow“, verbunden mit tosendem Applaus und der Aussage eines Besuchers „Das habe ich so noch nie gehört“ folgten. Mit dem „Gran Trio Concertante Nr. 2 op. 45“ des italienischen Komponisten und Gitarristen Francesco Molino entließ das Trio das Auditorium in die Pause.

Den zweiten Teil eröffneten sie mit Franz Lachners „Trio Es-Dur“ in vier Sätzen. Meisterhaft brachten Semjon Kalinowsky und Andreas Schumann dann Paganins schwer zu spielendes „Thema mit Variazonen“ zu Gehör. „Nach seinem Tod wurde der Nachlass gesichtet und was da zutage kam, überraschte die Musiköffentlichkeit sehr. Paganini, den man eigentlich nur als Geigenvirtuose kennt, hatte tatsächlich wesentlich mehr Stücke für die Gitarre geschrieben, als für die Violine“, schilderte Andreas Schumann, der exemplarisch die „Sonate op. 4“ gewählt hatte. Doch um sie in die Klänge der Gitarrenmusik einzustimmen, schenkte er zuvor den Besuchern noch ein eigenes Tremolo-Stück.

Begeisterungsstürme

Frei nach Georg Friedrich Händel sorgten im Anschluss Johnson und Kalinowsky mit der „Passacaglia“ von Johan Halvorsen für wahre Begeisterungsstürme. Aber: das Beste zum Schluss! Mit der bekannten „La Campanella“ von Paganini bot das Trio noch einmal Musikgenuss pur, sodass die Kirche bebte. Um diese überschäumenden Emotionen etwas zu dämpfen, wählten die Musiker als Zugabe eine der schönsten und herzergreifenden Balladen von Astor Piazzolla: „Oblivion“.


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