Gerd-Udo Rausch ist Hobby-Imker Gewusel mit einer gezielten Ordnung in Bohmte

Von Christa Bechtel

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Gerd-Udo Rausch ist seit 1972 Hobby-Imker und seit 1997 Erster Vorsitzender des Imkervereins Wittlage, der sich an diesem Wochenende mit einem Infostand auf dem Hunteburger Ponymarkt präsentiert. Foto: Christa BechtelGerd-Udo Rausch ist seit 1972 Hobby-Imker und seit 1997 Erster Vorsitzender des Imkervereins Wittlage, der sich an diesem Wochenende mit einem Infostand auf dem Hunteburger Ponymarkt präsentiert. Foto: Christa Bechtel

Bohmte. Die Natur lag Gerd-Udo Rausch von Kindesbeinen an immer am Herzen. Daher wollte er ursprünglich Förster werden. Aber letztendlich kam es anders – und er wurde Diplom Ingenieur, Fachrichtung Maschinenbau an der Fachhochschule Osnabrück. Seit 1972 ist er passionierter Hobby-Imker und seit 1997 Erster Vorsitzender des Imkervereins Wittlage, der an diesem Wochenende mit einem Infostand auf dem Hunteburger Ponymarkt vertreten ist

„Mein Schwager hatte damals schon Bienen, sodass meine Frau und ich zwischendurch beim Honigschleudern halfen. Das Naschen hat besonders viel Spaß gemacht, aber die Stiche waren nicht so angenehm“, blickt der in den letzten Kriegstagen in Grünfier in Pommern zur Welt gekommene Rausch auf seine Imker-Anfänge. Damals war er sich gleich sicher: „Das Hobby ist ein wunderbarer Ausgleich zu meiner beruflichen Laufbahn.“

Fachliteratur und Gespräche

Eine fachliche Voraussetzung, um Imker zu werden, sei sicherlich schön, meint der 74-Jährige, der sich das Imkern autodidaktisch über Fachliteratur und viele Gespräche mit seinem Schwager angeeignet hat. „Wir, also meine Frau Sieglinde und ich, hatten zwar keine Ahnung, hatten aber gleich im ersten Jahr einen unwahrscheinlichen Erfolg mit Honig. Wir haben von einem Bienenvolk 65 Pfund geerntet. Das war für uns unwahrscheinlich, sodass wir sagten: Da liegt die Zukunft drin“, erklärt er lachend.

Ein guter Ausgleich

So kaufte das Ehepaar Rausch schon kurze Zeit später ein Waldgrundstück. „Die Bezeichnung dieses Stücks war ‚Imm Haken‘, sodass wir eine super Verbindung zu unseren kleinen Honigtieren hergestellt hatten“, erläutert der Imker, der mit einem Bienenvolk startete, aus dem schnell fünf wurden. „Zwischenzeitlich hatten wir bis zu 30 Völker – und das neben unserem Beruf. Aber wir hatten einen guten Ausgleich und konnten abschalten. Wenn ich auch am Anfang mal wie ein Preisboxer aussah“, plaudert der Bohmter aus dem Imker-Nähkästchen, dass Stiche der Bienen nicht ausbleiben.

„Das Erstaunliche an den Bienen ist eigentlich das Gewusel. Wenn man den Deckel aufmacht und es wuselt alles kreuz und quer durcheinander – und trotzdem ist eine ganz gezielte Ordnung da. Das ist Faszination pur, weil jede Biene in jedem Alter eine besondere Arbeit hat“, schwärmt Gerd-Udo Rausch. Bis zum 20. Lebenstag habe die Biene nämlich Stockdienst. Erst ab diesem Tag fange sie an, die Umgebung zu erkunden, Blüten zu besuchen, Nektar einzutragen. Aber nach 42 Tagen ist ihr Leben im Sommer zu Ende.

Eine große Faszination

Ist sie jedoch im Herbst geboren, überlebt sie den ganzen Winter. „Das ist eine große Faszination, dass die Bienen in dieser kurzen Zeit soviel Nektar mit dem kleinen Magen, der stecknadelgroß ist, eintragen“, blickt der Züchter begeistert auf seine anfänglichen 65 Pfund. Hinzu würden besondere Heilwerte aus einem Bienenvolk kommen, denn: „Die Biene ist nicht nur Honiglieferant, sondern liefert auch Gelée royale, der Futtersaft, mit dem Honigbienen ihre Königinnen aufziehen. Ein wichtiges Produkt zum Aufbau des Bienenstocks und Bienenvolkes. Dazu kommen andere Produkte wie das Bienengift, das in jeder Rheumasalbe ist, Wachs, die Grundlage für viele Salben und ein total natürliches Mittel, sowie Propolis, ein natürliches Antibiotikum, was die Bienen sammeln, um ihren Stock damit auszukleiden. Deshalb ist es in einem Bienenstock keimfreier als in einem Krankenhaus“, zählt Rausch auf, der weiß, dass das Bienensterben ein Problem ist.

Landwirtschaftliches Nutztier

„Aber ein noch größeres ist das Insektensterben. Bei den Bienen wird es wohl nicht zu einem Kollaps kommen, es wird jedoch immer hohe Verluste geben; im Winter zum Frühjahr hin vielleicht 30 Prozent. Da die Biene mittlerweile von Imkern so gepflegt wird, werden immer wieder neue Bienen nachgezüchtet“, stellt der Ruheständler dar und erwähnt gleichzeitig, dass die Biene das drittwichtigste landwirtschaftliche Nutztier ist. Was kann man tun, damit das Insektensterben aufhört? „Unsere Landschaft muss wieder bunter werden, es müssen Blühfelder und Blühstreifen da sein“, betont der Bienenzüchter.

Der Imkerverein Wittlage

Als Erster Vorsitzender des Imkervereins Wittlage, der 1917 gegründet wurde, hat Gerd-Udo Rausch die Aufgabe, die Organisation zu betreiben, gleichzeitig aber auch für die Weiterbildung der Imker zu sorgen. „In den letzten zwei bis drei Jahren haben wir viele Jungimker bekommen, zu denen ganz viele Frauen gehören“, freut sich der Vorsitzende, der sie bei ihren ersten Schritten begleitet, aber auch den Verein nach außen hin repräsentiert. Wie zum Beispiel hin und wieder in Schulen. „In Ostercappeln ist es uns jetzt gelungen, die erste Bienen-AG ins Leben zu rufen.“ Für die Jungimker wünscht sich Rausch: „Dass sie möglichst ein Leben lang bei diesem Hobby bleiben. Denn wer einmal aus diesem Zauberbrunnen schöpft, den lässt es nie wieder los.“

Über die Schulter schauen

Gleichzeitig bietet er ihnen an: „Dass wir vom Verein einen Paten zur Verfügung stellen, dem man über die Schulter schauen kann, sodass man weiß: Das ist das Hobby, was ich machen möchte.“ Für Gartenfreunde hat er als Tipp: „Um einen vernünftigen Ausgleich zu haben: Wo Blumen blühen ist das Lächeln Zuhause. Da müssen sie für sorgen, denn dann haben unsere Insekten, Schmetterlinge, Bienen eine sichere Zukunft.“


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