Hunteburger schwimmt Marathon Mathias Wübkers Lieblingstier ist der Flamingo

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Hunteburg. Er kann vom Schwimmen nicht genug bekommen: Nach mehrmaliger Teilnahme am Nordseeschwimmen und diverser anderer nasser Langstrecken hat sich Mathias Wübker in diesem Jahr an einen Schwimm-Marathon gewagt.

Und das im wahrsten Wortsinne, denn die Strecke des Weserschwimmens von Rinteln nach Minden beträgt genau 42,195 Kilometer, entspricht also der klassischen Marathon-Strecke, wie wir sie vom Laufen und aus der Antike kennen. Eine Distanz, die einem schon trockenen Fußes Respekt einflößt, kaum vorstellbar, diese Entfernung zu schwimmen – selbst für einen erfahrenen Langstrecken-Schwimmer wie Mathias Wübker. Doch – wie so oft im Leben – bedurfte es nur der sanften weiblichen Ermutigung.

„Anfang 2018 wollte meine Frau mich überzeugen, an dem Weser-Schwimm-Marathon teilzunehmen, doch für eine direkte Zusage war ich nicht mutig genug. Es war mir absolut unvorstellbar, 42,195 Kilometer an einem Stück zu schwimmen, und somit war das Thema vorerst erledigt“, berichtet der Optiker aus Hunteburg. Auch ein ständiges Daran-Erinnern, dass es sich um ein einmaliges Erlebnis und wahrscheinlich auch das letzte Sportevent dieser Art des Organisators handele, habe ihn nicht umstimmen können. Zunächst.

Spät Startplatz ergattert

Denn das Probeschwimmen von elf Kilometern wollte Wübker dann doch gerne durchziehen. Und bei dieser Veranstaltung vor etwa zwei Monaten, bei dem es in einer kleinen Gruppe von Großenwieden nach Rinteln ging, muss sein Ehrgeiz geweckt worden sein – und seine Zuversicht, dass der Marathon gelingen könne. „Direkt beeindruckt von der familiären und harmonischen Atmosphäre stieg ich nach dem Probeschwimmen aus dem Wasser und mir war klar: Ich möchte Marathon schwimmen! Glücklicherweise gelang es mir noch, dem Organisator einen Startplatz abzuluchsen.“

Das Ziel war definiert, jetzt musste trainiert werden – und der Zeitrahmen dafür war denkbar eng gesteckt. Intensives Schwimm- und Oberarmtraining, drei- bis viermal in der Woche Schwimmen im Kronensee und im Nettebad sah sein Plan vor. Und auch der Urlaub wurde zur Vorbereitung genutzt: „Ein Versuch, in unserem Urlaub nach Baltrum zu schwimmen, scheiterte leider an einer fehlenden Bootsbegleitung, somit schwamm ich im Urlaub die Nordseite von Baltrum entlang“, berichtet Wübker trocken.

Allein: Nicht nur die Marathonstrecke sorgte bei ihm für Beunruhigung, auch die ständigen Nachrichten von dem immer niedriger werdenden Wasserstand der Weser bereiteten ihm große Sorgen, da bei Niedrigwasser die Flussabwärts-Strömung nicht mehr so gut mithelfen würde.

Rhythmus finden

Am Freitag, 31. August, fuhren Wübkers nach Rinteln. „Mit großem Respekt“, wie er selbst sagt. Nach einer kleinen Shoppingtour trafen sie sich mit den anderen Schwimmern. Nach dem offiziellen Teil gab es eine Pizzaparty an der Weser wo sich alle besser kennenlernen konnten. Am Wettkampftag, dem 1. September, waren die Rahmenbedingungen ideal: Das Wasser hatte 19 Grad und der anfängliche Nebel ging in herrlichen Sonnenschein über.

Im Startbereich überprüfte der Hunteburger nochmals seine Ausrüstung, dann der Start: „Wir zählten gemeinsam von zehn runter und los ging es. Die ersten Minuten waren hart, ich kam nicht richtig in den Rhythmus, mir war kalt, es wollte einfach nicht gut funktionieren“, erinnert er sich. Irgendwann jedoch sei er in seine Schwimmbewegung gekommen und es lief gut. Dennoch: „Die ersten 15 bis 20 Kilometer waren dann in Ordnung, aber mein Temperaturproblem wurde einfach nicht besser.“ An den ausgewiesenen Verpflegungspunkten warteten seine Frau Jasim und Sohn Lukas, um ihrem Schwimmer Zuspruch und Energie, sowie Verpflegung mit auf die nächste Etappe zu geben. Begleitet von einem Kanuten wusste die Familie ihn in Sicherheit.

Nach etwa 25 Kilometern entschloss sich Wübker seinen langen Neopren-Anzug anzuziehen, was sich zunächst jedoch als keine wirklich gute Idee erweisen sollte, denn als nasser Mensch in einen Neopren zu schlüpfen ist eine ziemliche Herausforderung. Doch mit einiger Anstrengung gelang es und im Wasser zeigte sich, dass sich die Mühe gelohnt hatte. „Die Kälte war weg und die Schwimmbewegungen gingen fließend. Meine Muskeln dankten es mir,“ sagt Mathias Wübker rückblickend.

Respekt der Kanuten

Allerdings stellte sich nun ein anderes Problem ein: „Ich begann, meine Armmuskulatur und Schultern stark zu spüren und so beschloss ich, mich auf die Körperteile zu konzentrieren, die nicht weh taten – meine Beine. Die schmerzten nicht, und fortan freute ich mich über meine Beine.“ Überhaupt wurde es im Verlauf des Schwimmens immer wichtiger, sich selbst zu motivieren, was dem erfahrenen Langstrecken-Schwimmer Wübker wirklich gut gelang. „Jeden Kilometer, den ich geschafft hatte, komme ich dem Ziel etwas näher“, sagte er sich und schaffte es sogar noch, sich am Panorama entlang der Weser zu erfreuen: „Natur, Fachwerkhäuser, Sonnenschein, Wilhelmsdenkmal – einzigartig!“ Und auch von außen kam Motivation, denn zeitgleich zum Schwimmen fand auf der Weser eine Kanuveranstaltung statt, deren Teilnehmer den Schwimmern immer wieder Respekt zollten.

Die letzten drei Kilometer bezeichnet Wübker in der Rückschau als die härtesten, da er niemals zuvor so lange Sport an einem Stück gemacht habe. „Als ich endlich auf der Zielgeraden war und den rosa Flamingo, die Zielmarke, im Wasser sah, wusste ich, dass Flamingos von jetzt an meine Lieblingstiere sein würden“, sagt er lachend.

Gefährlicher Fund

Ein Wechselbad der Gefühle folgte auf das Bad in der Weser: „Stolz, Freude, Erschöpfung und endlich meine Familie länger als ein paar Minuten an den Verpflegungspunkten bei mir zu haben. Ich kann die Freude, die ich empfand, als ich endlich aus dem Wasser steigen konnte, nicht in Worte fassen!“ 43,4 Kilometer und eine Zeit von sieben Stunden 50 Minuten zeigte seine Sportuhr an und damit belegte Mathias Wübker Platz 44 von 51 Teilnehmern, wobei fünf Starter schon früher aufgeben mussten. Der Siegerehrung, bei der jeder Teilnehmer eine Urkunde sowie eine Medaille erhielt, folgte ein gemeinsames Abendessen mit regem Erfahrungsaustausch. Auf dem Nachhauseweg sahen sie, dass ein Teil der Weser, auf dem sie noch tagsüber geschwommen waren, jetzt gesperrt war. Was die Glücklichen zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, aber anderntags erfahren sollten: An einer Uferböschung bei Rinteln war eine Handgranate gefunden worden, die entschärft werden musste.


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