Wirtschaftsforum Wittlager Land Wie Wittlager Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnen können

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Bohmte. Am Dienstagabend hat bei der Kesseböhmer Warenpräsentation in Bohmte das sechste kommunale Wirtschaftsforum Wittlager Land stattgefunden. Dort diskutierten Unternehmen und Experten über den derzeit vorherrschenden Fachkräftemangel und wie sie diesem begegnen können.

Es herrscht ein „Kampf um die Köpfe“, wie Jan Staehler, Geschäftsführer der Kesseböhmer Warenpräsentation den Fachkräftemangel bezeichnet. Unternehmen fällt es zunehmend schwerer, Arbeitskräfte zu gewinnen. Viele Stellen bleiben unbesetzt. „Auch im Wittlager Land gehört die Fachkräftegewinnung und -bindung zu den wichtigsten Herausforderungen. Deshalb gilt es, gemeinsam Lösungen zu finden und neue Konzepte zu erproben“, sagt Bohmtes Bürgermeister Klaus Goedejohann. Entsprechend widmete sich das sechste kommunale Wirtschaftsforum Wittlager Land dem Thema „Mitarbeiter gewinnen und binden, Zukunft fördern und gestalten“.

Fünf Strategien

Dem Thema näherte sich das Wirtschaftsforum zunächst mit einem Impulsvortrag von Carsten Steinert, einem Experten für Personalmanagement an der Hochschule Osnabrück. Darin stellte der Professor fünf Strategien zur Gewinnung von Mitarbeitern in klein- und mittelständischen Unternehmen vor. Diese formulierte er als prägnante Imperative, etwa: „Machen Sie es den Kandidaten leicht, Informationen zu erhalten und mit Ihnen in Kontakt zu treten.“ Dazu unterschied er bei Bewerbungskandidaten drei Kategorien: Die Aktivsuchenden, die Passivsuchenden und die Nichtsuchenden. Erstere schauen proaktiv nach neuen Stellen, andere sind bereits in Beschäftigung und spielen womöglich mit dem Gedanken, sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen und die Nichtsuchenden schauen sich, wie es der Name sagt, nicht danach um. „Gehen Sie neue Wege, um die Passivsuchenden anzusprechen“, formulierte Steinert weiter. Da die Passivsuchenden in der Regel über keinen aktualisierten Lebenslauf und neues Bewerbungsschreiben verfügen, verwerfen sie, so Steinert, den Gedanken häufig, sich auch auf ansprechende Ausschreibungen zu bewerben. Deshalb regt Steiner dazu an, bei Bewerbungen sogenannte Recruiting Apps anzubieten. Diese Programme schicken schon mit wenigen Klicks etwa das XING-Profil des Arbeitnehmers an das Unternehmen und leiten damit ohne größeren Aufwand erste Bewerbungsschritte ein. Generell rät er dazu, Social-Media-Kanäle wie XING, LinkedIn oder auch Youtube als Unternehmen aktiv zu nutzen. „Man sollte die Instrumente aber auch auf die Zielgruppe anpassen“, fügt Steinert hinzu. So kämen zum Beispiel Leute unter 30 mit Apps besser klar.

„Ihre Azubis sind die besten Markenbotschafter Ihres Unternehmens“, weiß Steinert darüber hinaus und so lautete seine dritte Strategie: „Nutzen Sie die Netzwerke Ihrer Mitarbeiter und Auszubildenden.“ Zufriedene Mitarbeiter werben entsprechend bei Freunden und Bekannten für die Firma, in der sie tätig sind. Dementsprechend ein weiterer Rat Steinerts: „Geben Sie sich ein Profil, verkaufen Sie sich als guter Arbeitgeber und betonen Sie Ihre Stärken.“ Das Unternehmen soll für den Arbeitnehmer attraktiv sein. Ein attraktives Arbeitsumfeld, gutes Arbeitsklima samt Wertschätzung und Anerkennung des Angestellten, ein adäquates Gehalt sowie interessante Arbeitsinhalte werden heutzutage von Bewerbern erwartet. Mit flachen Hierarchien oder der Möglichkeit des Homeoffice können Arbeitgeber bei den Bewerbern punkten. Dementsprechend lautete die letzte Strategie: „Achten Sie auf eine positive Führungskultur.“

Podiumsdiskussion

Im Anschluss an Steinerts Vortrag wurde über den Fachkräftemangel bei einer Podiumsdiskussion gesprochen. Neben Steinert sprachen Bernadette Grabowski vom Industriellen Arbeitgeberverband und Michael Kelka von der kommunalen Arbeitsvermittlung Maßarbeit. Dabei ergänzten Grabowski und Kelka Steinerts Thesen. Grabowski sagte, Unternehmen sollten sich frühzeitig für jüngere Kräfte öffnen und sich zum Beispiel auf Messen für Schüler attraktiv machen oder durch Planspiele mit Schulen kooperieren. Gleichzeitig wurden in der Diskussion die Bewerber dazu ermutigt, Networking auf Messen zu betreiben und es in Bewerbungsschreiben auch zu erwähnen, wenn sie sich mit der entsprechenden Firma bei so einer Gelegenheit schon mal getroffen haben. (Weiterlesen: „Schüler der Oberschule Bad Essen informieren sich über Ausbildungsbetriebe“) Darüber hinaus solle laut Grabowski der Firmenstandort attraktiv gestaltet werden. Kelka fügte hinzu, dass Erreichbarkeiten mit Bus und Bahn gewährleistet werden und Familie und Beruf im Betrieb miteinander vereinbar sein sollten.

Moderatorin Katharina Mehring stellte die Frage, ob der Fachkräftemangel eine Herausforderung sei, an der die Unternehmen gemeinsam arbeiten müssen. Kelka sah dies definitiv als gemeinsame Aufgabe und regte an, dass Unternehmen etwa Bewerbungsunterlagen fähiger Bewerber, die sie selbst nicht aufnehmen konnten, mit deren Einverständnis an andere Unternehmen weiterleiten sollten. Auch Steinert sprach sich für die Kooperation zwischen den Firmen aus.

In einer offenen Diskussion mit dem Plenum diskutierten die drei Experten weiter über den Fachkräftemangel und erörterten etwa das Problem, dass sich zu wenig Schüler für Ausbildungsberufe entscheiden, sondern an die Uni und Hochschule gehen. Gerade im Handwerk mache sich dieser Wandel bemerkbar.

Zukunftsmacher

Im Anschluss an die Vorträge und Diskussionen wurde beim Wirtschaftsforum erstmals der Preis „Zukunftsmacher im Wittlager Land“ verliehen. Dieser richtet sich an Unternehmen, die sich um den Ausbildungsstandort Wittlager Land verdient machen. Ausgezeichnet wurden die Glas- und Gebäudereinigung Streifenfrei in Bohmte und die Firma Kesseböhmer.


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