Bunte Show beim LSV Wittlage Burning Airfield: Bohmter Pyrotechniker erzählt, was beim Feuerwerk schief gehen kann

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Den Stahlmörser, den Nikolas Grube hier trägt, benötigt der Bohmter Pyrotechniker für den Special Effect bei der Abschlussshow des Burning Airfield. Foto: Nadine GrunewaldDen Stahlmörser, den Nikolas Grube hier trägt, benötigt der Bohmter Pyrotechniker für den Special Effect bei der Abschlussshow des Burning Airfield. Foto: Nadine Grunewald

Bohmte. Es wird knallen, es wird qualmen und es wird bunt: Beim Burning Airfield auf dem Flugplatz in Bohmte können Besucher am Samstag, 15. September 2018, ein professionelles Feuerwerk erleben. Im Interview hat uns der Bohmter Pyrotechniker Nikolas Grube erzählt, wie die Choreografie für seine Show entstanden ist, was schief gehen kann und wie teuer sie ist.

Es ist die zweite Auflage des Burning Airfield. Wie ist die Idee überhaupt entstanden?

Ich wollte mit meiner Firma Explosive Arts ein Großfeuerwerk in der Region etablieren. Der Name „Burning Airfield" – also brennender Flugplatz – ist mir schnell in den Sinn gekommen. Für ein Feuerwerk braucht man Abstand und viel Fläche. Hier auf dem Flugplatz gibt es also beste Möglichkeiten. Die Idee habe ich Dirk Nedderhoff, dem stellvertretenden Vorsitzenden des LSV Wittlage vorgestellt. Er war direkt angetan und auch die übrigen Mitglieder des LSV fanden sie gut.

Was begeistert die Menschen an einem Feuerwerk?

Das ist genau das, warum auch in Feuerwerk mache. In unterschiedlichen Menschen sind unterschiedliche Emotionen begraben. Bei einem Feuerwerk ist es mir wichtig, die schönen Emotionen hervorzurufen. Das bunte und farbenfrohe verbreitet Freude.

Zur Sache

Was passiert beim Burning Airfield 2018?
Das Burning Airfield in Bohmte findet nach 2017 in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Veranstaltet wird es vom Luftsportverein (LSV) Wittlage in Zusammenarbeit mit den Pyrotechnikern von der Bohmter Firma Explosive Arts. Gegen 20 Uhr – nach Sonnenuntergang – beginnt das Vorschießen. Dabei präsentieren bis 22 Uhr deutsche und internationale Hersteller Feuerwerk, das es Silvester zu kaufen gibt. Einige Hersteller zeigen zudem professionelles Feuerwerk, das ausschließlich Pyrotechniker kaufen können. Zum Abschluss gibt es noch eine kleine Show. Zehn Feuerwerksbegeisterte können währenddessen im Rahmen eines Workshops beim Aufbau der Feuerwerke helfen und selbst die Effekte zünden. Die Karten dafür sind im Vorfeld verlost worden.  
Nach einer kurzen Pause beginnt dann die Show, die Explosive Arts zusammen mit einem Berliner Art Director kompositioniert hat. Dieses Abschlussfeuerwerk ist musiksynchron – etwas, das laut Nikolas Grube nur wenige Pyrotechniker beherrschen. Zum Schluss gibt es noch einen Spezialeffekt.
Auch der Luftsport soll beim Burning Airfield nicht zu kurz kommen. Deshalb präsentiert sich am Samstag, 15. September, die Modellfluggruppe des LSV. Außerdem gibt es Informationen zur Pilotenausbildung. Später spielt noch die Bohmter Band Travelling Stones, bevor es mit der Hangarparty weitergeht.
Im vergangenen Jahr sind rund 1000 Zuschauer zur Veranstaltung gekommen. Bislang sind im Vorverkauf 500 Karten verkauft worden. Für zehn Euro sind noch Tickets an der Abendkasse erhältlich. 


Ein normales Feuerwerk zu Silvester unterscheidet sich aber noch mal gehörig von dem, was Sie als Pyrotechniker machen...

Ich verbinde das bunte und farbenfrohe mit Kunst. Es geht darum, schöne Akzente zu setzen und nicht alles auf einmal abzuschießen. Im Kunstunterricht war ich immer schlecht, aber im Feuerwerk habe ich die Möglichkeit gefunden, meine Kreativität auszuleben. Es ist vergängliche Kunst, das finde ich so interessant. 

Warum geben so viele Menschen zu Silvester viel Geld für Feuerwerk aus?

Weil sie anderen eine Freude bereiten wollen. Bevor ich professionell geworden bin, habe ich auch Feuerwerk gekauft, um meiner Familie und später Freunden damit eine Freude zu bereiten. Einmal habe ich in Berlin ein Feuerwerk gezündet, zu dem fast hundert Leute kamen. Am Ende sagte eine ältere Dame zu mir, dass sie froh sei, so etwas noch erlebt zu haben.

Was macht ein richtig gutes Feuerwerk aus?

Dass man die Vielfalt der Artikel, die der Markt bietet, punktgenau einsetzt und das Maximum herausholt. Es geht darum, die Artikel richtig zu kombinieren und in verschiedene Richtungen zu schießen. Wenn die Leute staunen, Emotionen zeigen und ich einen Wow-Effekt erzeugen konnte, dann war es für mich ein gutes Feuerwerk.

Wie entsteht eine Choreografie für ein Feuerwerk wie das, was Sie hier zeigen?

Als erstes muss ich die passende Musik suchen. Das ist fast das schwierigste. Es gibt so viele Lieder und man muss sich fragen, was das Publikum hören will. Wenn ich die Lieder habe, fängt das Feuerwerk in meinem Kopf an zu entstehen. Ich höre die Lieder bis zu hundert Mal und erstelle mit einem Computerprogramm die Choreografie. Anschließend fülle ich die Lücken und mache noch den Feinschliff. Dabei ist das Budget allerdings die Limitierung des Feuerwerks.

Was haben Sie sich für das Finale des Burning Airfield ausgedacht?

Am Ende wird es einen besonderen Effekt geben, der dem Namen „Burning Airfield" gerecht wird. Es wird etwas sein, das 98 Prozent der Leute noch nie gesehen haben. Der Turm, den wir hier auf dem Flugplatz aufgebaut haben, wird dabei eine Rolle spielen. Special Effects wie diese kennt man höchstens aus Film und Fernsehen. Dass sie so nah am Publikum gemacht werden, ist ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland.

Dieser Turm wird im Finale von Nikolas Grubes Pyroshow beim Burning Airfield in Bohmte eine Rolle spielen. Grube selbst ist vorab noch mal nach ganz oben geklettert. Foto: Nadine Grunewald

Was ist das schwierigste bei einem Feuerwerk?

Man muss das Budget im Blick behalten. Auch Logistik und Lagerung sind schwierig. Und man braucht verantwortungsvolle Helfer, schließlich ist Feuerwerk immer noch Sprengstoff und gefährlich. Man muss mit vollem Bewusstsein bei der Arbeit sein.

Hat das Burning Airfield überhaupt noch was mit einem normalen Feuerwerk zu tun?

Überhaupt nicht. Wir von Explosive Arts nutzen es, um uns zu präsentieren. Wir wollen gerne Feuerwerk bei Festivals machen, weil wir uns da austoben können. Hier können wir zeigen, was wir bewerkstelligen können.

Was kann denn alles schiefgehen?

Das Modul könnte sich entladen haben, sodass wir keinen Strom mehr haben. Bei diesem Feuerwerk haben wir über 1100 einzelne Zündungen, die synchron stattfinden. Für jede wird ein Kabel benötigt. Hier liegen also überall Kabel rum, während die Leute über das Feld gehen. Wir werden die Kabel zwar bündeln und markieren, aber es könnte theoretisch passieren, dass ein Kabel abgeht. Oder dass die Ware nicht pünktlich da ist. Wir beziehen die Artikel für das Burning Airfield von 16 verschiedenen Herstellern aus China, Japan, Spanien, den Niederlanden, Süditalien und Deutschland. Wir haben aber alles zusammen.

Spielt das Wetter eine Rolle?

Im letzten Jahr war es so schlecht, dass es jetzt eigentlich nur noch besser werden kann. Gewitter haben wir zum Glück auf keinen Fall zu erwarten. Das ist das Horrorszenario eines Pyrotechnikers. Da geht einem die Pumpe. Es könnte jederzeit der Blitz einschlagen. So schnell kann man gar nicht abbauen. 

Wie teuer ist die Show?

Wenn jemand die Show so für ein Event kaufen würde, müsste er 20.000 Euro bezahlen.

Sind die Ansprüche der Menschen gestiegen? Könnte man sie heute noch mit einem ganz normalen Feuerwerk begeistern?

Grundsätzlich ist eigentlich jeder normale Feuerwerker von so etwas fasziniert. Aber es gibt schon regionale Unterschiede. Im Süden Deutschlands ist die Dichte an professionellen Feuerwerkern höher als hier. Und wir wollen auch die begeistern, die selber professionell Feuerwerke machen. 

Beim Abfeuern von Raketen wird viel Feinstaub freigesetzt. Vom Umwelt- und Gesundheitsaspekt ist Pyrotechnik also nicht so gut...

Wir wären die ersten, die ökologisch angebaute Raketen verwenden würden, wenn es sie denn gäbe. (lacht) Leider ist das so. Aber man kann keines der professionellen Feuerwerke damit vergleichen, wie viel Feinstaub an Silvester freigesetzt wird.


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