Wohl einziger Kiosk im Altkreis Wittlage Drei Bonbons bitte: In Bohmtes Kiosk kann auch nachts eingekauft werden

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Auch wenn er mit dem Kiosk allein nicht viel verdient: der Bohmter Frank Sielemann kann nicht ohne. Foto: Nadine GrunewaldAuch wenn er mit dem Kiosk allein nicht viel verdient: der Bohmter Frank Sielemann kann nicht ohne. Foto: Nadine Grunewald

Bohmte. Die Milch ist leer, doch der Supermarkt hat schon zu - und jetzt? In Bohmte betreibt Frank Sielemann einen Kiosk, in dem rund um die Uhr eingekauft werden kann - und lässt mit dem wohl einzigen Kiosk im Altkreis Wittlage ein Stück Vergangenheit weiterleben.

Das knallgelbe Gebäude an der Bremer Straße in Bohmte sticht ins Auge. Es ist neun Uhr morgens, die Sonne scheint und Frank Sielemann sitzt in einer schwarzen Lederhose und mit gelbblondem Vokuhila zusammen mit einem Rentner auf einer Bierzeltgarnitur vor dem Kiosk. Sie trinken Kaffee und rauchen Zigaretten. Dann steht der Rentner auf. „Bis morgen“, ruft er Sielemann zu, und der weiß: Morgen kommt der Mann wieder. „Es gibt einige Rentner, die regelmäßig morgens kommen und hier Kaffee trinken“, sagt der 53-Jährige. „Am Monatsanfang sind es mehr, am Monatsende weniger.“ 

„Vom Kiosk allein kann man nicht mehr leben."Frank Sielemann

Vor rund elf Jahren kam der gebürtig aus Hagen stammende Sielemann nach Bohmte und eröffnete wie schon zuvor in Bremen und Delmenhorst einen Kiosk. In den angrenzenden Raum, in dem früher eine Kegelbahn war, stellte er zusätzlich noch Billiardtische und hängte Dartscheiben auf. Er habe sich etwas einfallen lassen müssen. „Vom Kiosk allein kann man nicht mehr leben. Die Zeiten sind vorbei.“ Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Aber mich erinnert das an früher.“

Lebensmittel, Zigaretten und Hygieneartikel

Der Kiosk als Reminiszenz an vergangene Tage – das erklärt auch den etwas sperrigen Namen „Kiosk Emma 24 pur“, den bereits Sielemanns frühere Kioske in Delmenhorst und Bremen trugen, angelehnt an die Tante-Emma-Läden, die es früher an jeder Ecke gab. Die 24 ist ein Hinweis auf die Öffnungszeiten: Am Wochenende ist der Kiosk durchgängig geöffnet, und auch sonst bekommt man dort nachts Zigaretten, Bier, Brot, Milch oder Toilettenpapier – „eben alles, was man nachts mal braucht“, sagt Sielemann, der direkt neben dem Kiosk wohnt und aufsteht, wenn des Nachts mal jemand klingelt. So wie neulich, als jemand um vier morgens unbedingt Kürbiskerne kaufen wollte. 

Frank Sielemann kennt fast alle im Dorf. Wenn er vor seinem Kiosk sitzt, grüßt er immer wieder Vorbeigehende. Foto: Nadine Grunewald

Während Sielemann das erzählt, hebt er immer wieder den Arm und winkt mit einem fröhlichen „Hallo" Vorbeigehenden zu. „Mich kennen mittlerweile alle hier", sagt der 53-Jährige. Und er kennt die Sorgen der Leute, weiß, wer eine neue Wohnung sucht oder seinen Job verloren hat. Zu ihm komme man, um sich etwas von der Seele zu reden – und Sielemann hört zu.

Mehr als 70 verschiedene Bonbonsorten

Neben dem kleinen Kioskfenster hängen ausgeblichene Blechschilder an der gelben Hauswand und wer hindurch sieht, kann ein paar Produkte erspähen. Doch das Herzstück steht um die Ecke: Auf einer Theke reihen sich feinsäuberlich aufgestellt zahlreiche Bonbongläser aneinander. Mehr als 70 verschiedene Sorten verkauft Sielemann: Saure Würmer, Gummibärchen, Kaubonbons, Mäusespeck – und die kleinen Nüsse mit rotem Zuckerguss, die es früher immer nur im Automaten gab. 

Mehr als 70 verschiedene Sorten an Bonbons und Weingummi gibt es bei Frank Sielemann. Daraus kann man sich seine eigene bunte Tüte zusammenstellen. Foto: Nadine Grunewald

Während man im Supermarkt gleich eine ganze Tüte kaufen muss, kann man sich in dem Kiosk seine eigene bunte Mischung zusammenstellen. „Da kommen Kinder mit 20 Cent und fragen, ob sie drei Bonbons kaufen können", sagt er. „Natürlich können sie das."

Dartmannschaften tragen Turniere aus

An der Wand hinter den Bonbongläsern hängt ein Blechschild neben dem nächsten, die gegenüberliegende Wand ist mit zahlreichen Fotos tapeziert. „Die sind alle hier entstanden", sagt Sielemann und zeigt auf ein Bild, auf dem eine Männergruppe zu sehen ist. „Das ist eine der Dartmannschaften, die hier spielt." Fünf Teams trainierten inzwischen hier, samstags fänden Turniere statt. Dazu reisten auch Spieler aus Bad Iburg oder Bersenbrück an. Wenn sie da sind, gebe es auch etwas zu essen und natürlich werde das ein oder andere Bier getrunken. Die Auswahl ist groß: 23 verschiedene Sorten gibt es. 

Für Sielemann sind die Dartmannschaften ein Zubrot. Ohne könnte er den Kiosk nicht betreiben. Auch wenn es manchmal hart sei und er teilweise wenig Schlaf bekomme, aufhören wolle er nicht. Dem 53-Jährigen ist im gesamten Altkreis Wittlage kein anderer Kiosk seiner Art bekannt. „Die Tankstelle macht um 22 Uhr zu. Wo sollen die Leute denn dann etwas einkaufen, wenn ihnen mal was fehlt?"

Frank Sielemann lässt mit seinem Kiosk alte Zeiten weiterleben. Foto: Nadine Grunewald



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