Was tun bei Schimmelpilzbefall? Mieterin in Bohmte gerät in Streit mit Vermieter

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Bohmte. Eine ältere Dame in Bohmte leidet am Schimmelpilzbefall in ihrer Wohnung und gerät darüber mit ihrem Vermieter in Streit. Doch was tun bei Schimmel in der Wohnung? Gibt es vorbeugende Maßnahmen und was für gesundheitliche Auswirkungen hat es, in einer Wohnung mit Schimmel zu leben?

Die Bohmterin Frau T.* traut ihren Augen nicht, als sie nach einem schweren Sturz im Juni aus dem Krankenhaus entlassen wird und in ihre Wohnung zurückkehrt: Der Putz fällt von den Wänden, in den Ecken bilden sich schwarze Flecken. Die Wände in ihrer Küche und ihrem Wohnzimmer sind feucht. Frau T. ist eine ältere Dame und zudem schwere Asthmatikerin. Sie leidet an COPD, einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, bei der sich die Atemwege entzünden und dauerhaft verengen. Symptome sind Hustenattacken und Atemnot. Der durch die maroden Wände entstandene Staub und die Schimmelsporen in ihrer Wohnung verschlimmern diese.

Frau T. meldet sich bei ihrem Vermieter Herrn H.*, mit der Bitte, einen Handwerker zu beauftragen, der sich um die Wände kümmert und den Schimmelpilzbefall beseitigt. Herr H. willigt ein und rät ihr in der Zwischenzeit, mehrmals täglich stoßzulüften. Der Maler, den Herr H. für die Wohnung bestellte, sei laut Frau T. niemals bei ihr eingetroffen. Sie bittet ihn erneut um Hilfe.

„Eine reine Notunterkunft“

Das geht zwei Monate so, von Juni bis August. Herr H. sagt im Gespräch mit unserer Redaktion, der Maler sei schon fünf Mal bei Frau T. gewesen, habe sie an der Wohnung aber nie antreffen können. Zudem lüfte die Mieterin nicht genug, stelle lediglich die Fenster auf Kipp. „Als ich einmal bei ihr war, haben wir die Fenster weit geöffnet und da sind die Spinnweben nur durch die Gegend geflogen. Sie hat nie gelüftet“, sagt der Vermieter. Frau T. entgegnet, sie habe wegen ihres Asthmas tagsüber die Haustür weit geöffnet, um frische Luft zu bekommen. Inzwischen hatte die Mieterin den medizinischen Dienst da und der urteilte: „Das ist ja nur noch eine reine Notunterkunft hier.“ Es kommt zum Streit zwischen Mieterin und Vermieter, Frau T. sagt, sie wolle nicht länger in so einer „Ruine“ leben. Ihr Vermieter entgegnet ihr – so Frau T. –, sie könne sich ja eine andere Ruine suchen. Seitdem bewirbt sich Frau T. um betreutes Wohnen in Bad Essen. Das Verhältnis ist angespannt. Herr H. will sich noch mal beim Maler erkundigen und ihn ein weiteres Mal zur Wohnung bestellen.

Es steht Aussage gegen Aussage. Fakt ist, dass die gesundheitlich ohnehin angeschlagene Mieterin mit einer schweren Atemwegserkrankung seit zwei Monaten in einer Wohnung lebt, in der es feucht ist und in der Staub und Schimmelsporen in der Luft sind, die sie täglich atmet. Doch was kann man tun, wenn Schimmel in der Wohnung ist? Gibt es präventive Maßnahmen jenseits des Stoßlüftens – und was hat es für gesundheitliche Auswirkungen, über einen längeren Zeitraum in einer Wohnung mit Schimmel zu leben?

Was tun bei Schimmel?

Peter Tenhaken, Gesundheitsingenieur und Abteilungsleiter für Infektionsschutz und Umwelthygiene beim Landkreis Osnabrück rät, sich bei Schimmelpilzbefall darauf zu konzentrieren, die Feuchtigkeitsursachen im Haus zu beseitigen. „Dies kann in der Praxis bedeuten, dass auf Wandtapeten verzichtet wird, und stattdessen die Wand mit einem mineralischen Putz und anorganischen wischfesten Kalk- oder Silikatfarben versehen wird. Bei größeren Schäden sollte ein Fachmann hinzugezogen werden, der die Feuchtigkeitsursachen feststellen kann und zu Sanierungsmaßnahmen berät.“ Kleinere, noch frische Befallsstellen können mit 70-prozentigem Alkohol, etwa Haushaltsspiritus, abgetupft werden, um den Pilz abzutöten. Chlorhaltiger Schimmelentferner sollte vermieden werden. „Bei älterem großflächigen Befall sollten Tapeten, offene Holzwerkstoffe wie zum Beispiel Hartfaserplatten von Möbelrückwänden, textile Einrichtungsgegenstände und so weiter entsorgt werden, da auch abgestorbener Pilzbefall noch allergene Stoffwechselprodukte an die Umgebung abgeben kann“, erklärt der Gesundheitsingenieur weiter.

Eine Schimmelpilzentwicklung in Gebäuden setze laut Tenhaken eine erhöhte Feuchtigkeitsbelastung voraus. Diese könne entstehen, wenn „zum Beispiel durch Undichtigkeiten am Dach, Mauerrisse, aufsteigende Feuchtigkeit oder Rohrleitungsschäden Wände durchfeuchtet werden.“ Außerdem könne die Raumluftfeuchtigkeit auf kühleren Oberflächen kondensieren und so könne Schimmel entstehen. Vorbeugend sollte der Raum ausreichend gelüftet werden, „wobei in der kälteren Jahreszeit schon fünf Minuten ausreichen.“

„Auf eine Kippfensterlüftung sollte im Winter verzichtet werden, da dies zu hohen Energieverlusten führt und eine Schimmelpilzbildung an der Fensterlaibung eher begünstigt“, führt Tenhaken weiter aus. „Zwischen beheizten Räumen und zum Beispiel kühleren Schlafzimmern sollten die Zimmertüren geschlossen bleiben, um nicht die feuchtwarme Luft in den kühleren Raum zu transportieren.“ Nach dem Duschen oder Wäschetrocknen sollte schnellstmöglich gelüftet werden. Besonders in schlecht isolierten Gebäuden sollte „auf einen ausreichenden Abstand zwischen Außenwänden und Einrichtungsgegenständen geachtet werden, damit die erwärmte Raumluft dahinter zirkulieren kann.“ Außerdem merkt Tenhaken an, dass bei hohen Außentemperaturen kühlere Kellerräume möglichst nur morgens gelüftet und die Fenster tagsüber geschlossen werden sollten, damit keine Feuchtigkeit in die kühlen Räume gelangen könne.

Zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Schimmelpilz in Wohnräumen sagt Peter Tenhaken: „Grundsätzlich kommen die meisten Menschen mit einer üblichen Schimmelpilzbelastung recht gut zurecht, zumal wir ja ständig auch in der Außenluft Pilzsporen einatmen oder beim Verzehr von zum Beispiel Camembert zu uns nehmen. Jedoch kann es bei sensibilisierten Personen unter anderem zu allergischen Reaktion der Atemwege bis hin zu Asthma kommen, ähnlich wie zum Beispiel beim Pollenallergiker. Viele der anderen mit Schimmelpilzen in Verbindung gebrachten Befindlichkeitsstörungen sind wissenschaftlich kaum belegbar. Ausnahmen sind Erkrankungen bei extrem hohen beruflichen Aussetzungen und Personen mit massiv beeinträchtigtem Immunsystem etwa nach einer Organtransplantation oder Chemotherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung.“

* Namen sind der Redaktion bekannt


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