Ein Artikel der Redaktion

15-jährige Bogenschützin Celina Wlecke aus Hunteburg fliegt zur Weltmeisterschaft

04.07.2014, 09:38 Uhr

„Ich bin über meine Eltern zum Bogenschießen gekommen, die beide selbst diesen Sport ausüben. Da habe ich das ebenfalls ausprobiert, was mir sehr gut gefallen hat“, erklärt Celina Wlecke, wie sie ihre Karriere als Bogenschützin startete. Inzwischen ist die 15-jährige Hunteburgerin Vize-Europameisterin – und fliegt an diesem Wochenende nach Moskau, um an der Jugendweltmeisterschaft vom 7. bis 12. Juli im Nationalteam und als Einzelschützin teilzunehmen. Respekt !

Siebenjährig begann Celina das Bogenschießen im Hunteburger Schützenverein. Wohl auch, weil ihre Eltern Beate und Torsten Wlecke zu den Mitbegründern der Bogensportabteilung (2001) in Hunteburg gehören. Seit 2010 ist die Hunteburgerin im Landeskader des Nordwestdeutschen Schützenbundes (NWDSB), seit 2013 im Kader des Schützenbundes Niedersachsen.

Ende 2013 kam sie in den Bundeskader und gehört seit diesem Jahr der Nationalmannschaft an.

Was ihr besonders viel Spaß macht, sind die internationalen Meisterschaften. „Da lernt man immer wieder neue Leute und andere Sprachen kennen; das ist schon cool mitzuerleben, wie die das machen und wie die trainieren“, sagt die Schülerin des Gymnasiums Damme lächelnd, die 2012/13 zweimal am Polenaustausch für jeweils eine Woche in Krakau und Berlin teilnahm (Sichtungsschießen der Bundestrainer).

Trainieren muss die Jugendliche bis zu viermal pro Woche in Hunteburg und zusätzlich einmal im Monat in Bassum im Landeskader des NWDSB.

Bedauert Celina, dass sie dadurch sehr wenig Freizeit hat? „Mir macht es ja Spaß, und ich habe schon genügend Freizeit“, antwortet die Bogenschützin spontan, die ihr Training oft auch auf das freie Wochenende verlegt. Sportlich sei sie immer schon gewesen, erläutert Celina, die mit fünf Jahren Ballettunterricht bekam und neunjährig begeistert am Jazzdance teilnahm. Heute fehlt ihr dafür allerdings die Zeit.

2012 wurde Celina Wlecke Sportlerin des Jahres im Bezirksschützenverband Osnabrück-Emsland. Seit Jahren ist sie Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterin, hält gleich zwei Landesrekorde. Und sie erreichte bei den Deutschen Meisterschaften 2012 den zweiten Platz. Ende Mai 2014 fanden die Jugend-Europameisterschaften der Bogenschützen im slowenischen Ljubljana statt, wo sie als Mitglied der Nationalmannschaft am Wettkampf im Einzelqualifikationsschießen teilnahm und mit dem Recurvebogen an den Start ging. Von 52 Teilnehmerinnen belegte sie dort den 10. Platz und holte in der Mannschaftswertung mit ihren beiden Mitstreiterinnen den 2. Platz, somit die Silbermedaille.

Damit hatte sie die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Moskau sowohl als Einzelschützin als auch mit der Mannschaft erreicht.

Was ist ein Recurvebogen? „Meistens wird mit den Compound- und Recurvebögen geschossen“, definiert Torsten Wlecke. Der Compoundbogen ist der modernste Bogen, der sehr präzise Schüsse zulässt. „Da er Umlenkrollen hat, kann die Kraft vermindert werden, und man hält am Ende ein Drittel der Gesamtkraft des Bogens“, verdeutlicht Celinas Vater. Viele ältere Schützen würden mit diesem Bogen beginnen, „weil es leichter ist“. Das werde natürlich auf den Meisterschaften extra gewertet. Wlecke: „Wenn ein Recurver und ein Compounder zusammen schießen, wird der Compounder immer mehr Ringe schießen, weil er leichter schießen kann.“

Besonders schwierig sei, das hohe Zuggewicht ruhig zu halten, denn: „Wenn man die Sehne loslässt, muss das super stimmig sein, damit der Pfeil schön gerade aus dem Bogen herausgeht“, so Wlecke, der als Vereinsvertreter – sicher auch als Vater – stolz ist: „Dass wir Celina haben, die auf diesem Niveau schießt.“ Beate Wlecke ergänzt: „Das ist technisch ein sehr anspruchsvoller Sport, weil viele Dinge auf einmal beachtet werden müssen, die man in anderen Sportarten nicht hat.“ Auf die Kombination von Kopf, Körper und Geist kommt es an.

Celina zieht inzwischen mit ihrem Recurvebogen 34 Pfund, also etwa 17 Kilo, die sie quasi auf den Fingern hält. Hätte sie einen Compoundbogen, würde sie nur rund sechs Kilo halten.

Wie bekommt man die „Muckis“, um solche Gewichte zu meistern?

„Wir müssen zwischendurch am Kraft- und Ausdauertraining teilnehmen. Aber das meiste kommt vom Bogenschießen selbst“, meint Celina, die für das Training ein Fitnessstudio in Steinfeld besucht. Im Sommer joggt sie zusätzlich draußen, im Winter geht sie auf das hauseigene Laufband.

Und natürlich muss sie für die Schule immer wieder einiges nachholen. Aber: „Die Lehrer haben dafür Verständnis“, freut sich die Gymnasiastin besonders.

Was bedeutet es ihr, zur WM zu fahren?

„Sehr viel! Weil das etwas richtig Großes ist und das Beste, was mir bisher passieren konnte“, sagt sie spontan. In Russland erhofft sie sich, „dort gut abzuschneiden. Am liebsten würde ich meine persönliche Bestleistung schießen und gucken, wie weit ich dann komme.“ Celinas Bestleistung liegt zurzeit bei 640 Ringen von 720 möglichen.

In der kommenden Woche gilt: Daumen drücken für Celina Wlecke !