Vor 40 Jahren ins Amt gewählt Der Brockhauser Kommandeur legt Wert auf Ordnung

Von Karin Kemper


Bohmte/Brockhausen. Das letzte Schützenfest der Saison 2018 im Wittlager Land findet an diesem Wochenende in Hördinghausen statt. Mit dabei ist auf jeden die Schützengesellschaft Brockhausen mit einer Delegation, zu der Kommandeur Jürgen Ventker gehört.

Werden Mitglieder des Brockhauser Schützenvereins gefragt, seit wann ihr Kommandeur im Amt ist, dürfte es vielfach die Antwort: „Immer schon“, geben. So ganz stimmt das zwar nicht, aber beinahe. Eine 40-jährige Dienstzeit, wie sie Jürgen Ventker vorzuweisen hat, dürfte nicht allzu häufig vorkommen.

Das wissen (und schätzen) auch die Schützenbrüder und Schützenschwestern. Entsprechend zeichneten sie ihren Kommandeur beim Brockhauser Kommers besonders aus. Armstreifen auf der Uniform verraten jetzt nicht nur, dass Ventker 2004 als Schützenkönig (zusammen mit Frau Anne) regierte, sondern auch, dass er seit 40 Jahren Kommandeur ist.

Vor 40 Jahren ja gesagt

Wie aber ist es dazu gekommen, dass ein Mann in jungen Jahren ein solches Amt übernimmt – und behält? Die Erklärung des Brockhauser Schützenkommandeurs, der seit Langem in Bohmte wohnt, fällt kurz und knapp aus: „Ich wurde gefragt, und ich habe ja gesagt.“ Er ergänzt: „Dass es so lange dauern würde, damit war nicht zu rechnen.“ Ventker trat die Nachfolge von Erwin Sokolowski und Arthur Blatz an, die beide hoch zu Ross agiert hatten. Er habe das Zepter ohne Pferd übernommen, sagt er und erinnert sich an die Premiere.Der Umzug sei am Gasthaus Schnieder-Schön vorbeigekommen und Willi Schön habe auf platt gerufen: „Haben sie dir das Pferd unter dem Hintern weggeschlossen?“ Natürlich nicht. Und Reinhold Meyer, der damalige (berittene) Kommandeur der Bohmterheider Schützen, habe ihm sogar angeboten, ihn als Reiter zu schulen. Ventker: „Darauf habe ich verzichtet...“

Übrigens: Dass die Verantwortlichen der Schützengesellschaft bei der Suche nach einem neuen Kommandeur auf Jürgen Ventker gestoßen waren, hat einen nachvollziehbaren Grund. Ventker war nämlich zwölf Jahre Bundeswehrsoldat, stand aber 1978 kurz vor dem Ende seiner Dienstzeit.

Das Bild muss stimmen

Von Anfang an war für den neuen Kommandeur in Brockhausen klar: „Das Bild der Schützen in einem Umzug muss stimmen. Ich lege Wert auf die Anzugsordnung.“ Schmunzeln meint er, dass es ein paar Jahre gedauert habe, bis alles passte. Ventker ergänzt: „Wir marschieren alle ohne Hut.“ Dafür sei die Kraft des Faktischen verantwortlich. Bei Ausmärschen bleibe so mancher Hut zurück. Als wichtig bezeichnet er, dass es eine gewisse Einheitlichkeit gibt. Es gehe nicht an, dass einige die Uniformjacke über dem Arm tragen, während andere sie anhaben. Und die Brockhauser sind bekannt. Vor einigen Jahren war der Verein zu Gast in Ostercappeln und wurde von vielen Leuten gesehen. Die Frage: „Na, wie war unser Auftritt?“, beantwortete ein Ostercappelner: „Jürgen, das hat Qualität.“ Ventker: „Das Ganze ist nicht militärisch ausgeprägt, aber Ordnung muss sein...“

Vier Jahre drangehängt

Eigentlich hatte der engagierte Kommandeur vor zwei Jahren Schluss machen wollen. Da es keinen ambitionierten Nachfolger gegeben habe, überlegte er es sich noch einmal und hängt vier weitere Jahre dran. Den entscheidenden Grund hat Ventker sofort parat: „Es macht mir auch heute noch Spaß. Wir haben eine gute Truppe von rund 30 Leuten, die mitzieht.“ Er ergänzt: „Ich würde es wieder machen.“

Lob für Kolpingskapelle

Der Brockhauser Kommandeur führt nicht nur die Ausmärsche an, sondern plant und organisiert auch das Schützenfest. Ventker: „Ich mache mehr als ein Kommandeur zwingend muss.“ Ein dickes Lob hat er in diesem Zusammenhang für die Kolpingskapelle Hunteburg, die das Brockhauser Fest seit mehr als 40 Jahren begleitet, parat: „Ich wüsste gar nicht wie wir ohne sie ein Schützenfest durchführen sollten. Das ist eine tolle Truppe, der kein Weg zu weit ist.“

Weite Wege

Apropos Weg: Die Strecken, die beim Einholen der Majestäten zu bewältigen sind, können ausgesprochen stattlich sei. Das liegt darin begründet, dass immer wieder Vereinsmitglieder von Brockhausen weggezogen sind, weil es dort keinen Bauplatz gab – wohl aber in Lockhausen, Rabber, Lintorf oder Eielstädt. Wer lange Mitglied sei, bleibe dem Verein durchaus treu, aber der Kontakt zur nächsten Generation bleibe auf der Strecke. Ehefrau Anne Ventker betont: „Gäbe es die Auswärtigen nicht, könnte der Verein nicht leben. Ihr Mann fügt hinzu: „Die Brockhauser sind in ihrem Verein in der Minderheit.“

Keine Langeweile

Der Kommandeur, der seit inzwischen 40 Jahren im Amt ist, ist übrigens seit 2012 Ruheständler. Langeweile kennt er allerdings nicht. Da sind der Schützenverein, das Wohnmobil und als zusätzliches Hobby der Bohmter Skatclub „Herz Dame“. Ventker geht regelmäßig zu den 14-täglichen Treffen im Gasthaus Bunselmeyer. Er macht deutlich: „Der Club braucht Nachwuchs, neue Mitspieler sind jederzeit willkommen.“

Von der Schreibmaschine zum Laptop

Auf die Bundeswehrzeit folgte für den heutigen Bohmte der Besuch der Bundeswehrfachschule Münster. Danach bewarb er sich beim Bundesamt für Güterverkehr und wurde genommen trotz der 256 Bewerbungen insgesamt. Zu den Aufgaben gehörte die Kontrolle von Lkw (Ladung, Sicherheit, Lenkzeit, Tempo). Verstöße wurde mit der Olympia-Schreibmaschine im Dienstwagen getippt. Später kam der Laptop zum Einsatz. Grenzdienst zu den Niederlanden gehörte genauso zum Beruf wie 1991 ein Dreivierteljahr in Halle/Saale, wo der Bohmter für die Ausbildung von Mitarbeitern des Güterverkehrsamtes zuständig war. Seit geraumer Zeit ist der MKD (Mobiler Kontrolldienst) nicht nur für Lkw, sondern auch für Busse zuständig. Und Jürgen Ventker sagt: „Ich könnte ein Buch über die Erlebnisse auf Deutschlands Straßen schreiben.“ Vielleicht tut er es irgendwann tatsächlich.


Skatclub

Der Aktiven des Skatclubs „Herz Dame“ aus Bohmte, zu denen Jürgen Ventker zählt, treffen sich alle 14 Tage montags im Gasthaus Bunselmeyer zu einem zünftigen Skat. Los geht es um 18 Uhr. Neue Freunde des traditionsreichen Kartenspiels sind jederzeit willkommen. Nächster Termin ist am 6. August.

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