Geschäftsaufgabe zum 31. Juli 2018 Letzte Fahrt für Herringhauser Taxiunternehmen

Von Kerstin Balks


Herringhausen. Nach fast vierzig Jahren geben Ursula und Herbert Oelmeyer ihr Taxiunternehmen in Herringhausen auf und gehen in den Ruhestand. Viel hat sich seit der Geschäftsgründung im Jahre 1979 verändert und viel haben die beiden auf ihren Fahrten erlebt – Anrührendes und Aufregendes, Witziges und leider auch Gefährliches.

Samstag, 19. Mai 1979 – Ursula Oelmeyer erinnert sich noch genau an das Datum der Geschäftsgründung. Damals waren ausschließlich Krankenfahrten im Angebot des jungen Unternehmens, erstes Firmenfahrzeug war ein Opel, Ursula Oelmeyer war die Fahrerin, denn ihr Mann Herbert befand sich seinerzeit noch in einem anderen Beschäftigungsverhältnis.

Doch rasch nahm das Fuhrunternehmen Fahrt auf, nach einem Vierteljahr schon wurde ein zweites Fahrzeug angeschafft, eine Fahrerin eingestellt und wenig später gab Herbert Oelmeyer seine Anstellung auf, um Vollzeit ins Taxigeschäft einsteigen zu können. Denn zu den Krankenfahrten waren die Schülerfahrten hinzugekommen, anfangs in einem umgebauten Hanomag, den Herbert Oelmeyer aus dem Fuhrparks des Osnabrücker Stadttheaters übernommen hatte. Über 35 Jahre brachte Taxi Oelmeyer Kinder zu verschiedenen Fördereinrichtungen – zum Montessori-Kindergarten in Haltern, zur Burg Wittlage, zur Hermann-Nohl-Schule in Osnabrück und zu den Werkstätten der Heilpädagogischen Hilfe in Schledehausen und Sutthausen –, und natürlich haben die Fahrer etliche ihrer jungen Fahrgäste dabei in deren beruflicher wie persönlicher Entwicklung begleitet.

Und auch bei den Krankenfahrten waren es mit Sicherheit die Zuverlässigkeit und die freundliche, einfühlsame Art, die so manchen Kunden veranlasst haben dürfte, sich beim Vereinbaren des Arzttermins nach dem Terminkalender von Ursula Oelmeyer zu richten. „Es ist doch klar, dass man an dem Schicksal seiner Fahrgäste Anteil nimmt“, sagt die Unternehmerin und verrät, dass sie Schwerkranke, die sie zur Chemotherapie gefahren hat, gerne auch einmal mit einem Blümchen überrascht hat.

Boxenstopps

Anfang der 1980er Jahre wurde das Geschäft um den Bereich Taxifahrten erweitert, es wurde der erste Mercedes von Weitkamp erworben, zu dem im Laufe der Jahre insgesamt 32 weitere hinzukamen. „Bei Weitkamp konnten wir wie Schumi vorfahren“, lobt Herbert Oelmeyer den schnellen Service des Leverner Autohauses, „der manchmal einem kurzen Boxenstopp glich.“ Aber, was ein erfahrener Taxler ist, der weiß sich auch oft selbst zu helfen. So etwa beim legendären Schneechaos Ende 2005, als mit stramm aufgezogenen Schneeketten bei Oelmeyer alle Schülerfahrten eingehalten werden konnten und auch der Wehrendorfer Berg kein Hindernis darstellte.

Seit Jahren fahren Oelmeyers nicht in der herkömmlichen Taxifarbe Elfenbein, sondern in Silber. Acht Fahrzeuge waren es zuletzt. Den Anfang dabei machte ein Wagen, das seinerzeit nur in limitierter Auflage von Mercedes für die Fußball-WM 2006 produziert wurde, und den Herbert Oelmeyer beizeiten reserviert hatte – elfenbeinfarben, wie damals noch üblich. Werksseitig muss es aber zu einer Verwechslung gekommen sein und so erhielt er ein silberfarbenes Fahrzeug, allerdings mit einigen Extras mehr, was den Berufskraftfahrer und Unternehmer natürlich freute. „Wir versilbern eben alles“, sagt er lachend.

Übergriffe und Überfälle

Dem vielen positiv Erlebten stehen auch eine Reihe unerfreulicher Begebenheiten gegenüber. Gelöste Radmuttern, beim Schützenfest aufgeschlitzte Reifen, Überfälle. Drei Überfälle mit Gewalteinwirkung innerhalb von sechs Wochen rund um den Jahreswechsel 2017/2018 erzeugten nicht nur Ängste, sondern machten für Oelmeyers auch das Maß voll. Nach und nach zogen sie die Konsequenzen: Im Januar stellten sie die Gelegenheitsfahrten ein, mit Ende des vergangenen Schuljahres haben sie die Schülerfahrten aufgegeben und am 31. Juli werden sie die letzte Krankenfahrt durchführen. Damit verabschieden sie sich auch vom letzten Geschäftsbereich ihres Taxiunternehmens. Die rund 20 Mitarbeiter seien aber alle gut untergekommen, manch einer der älteren unter den Fahrern hätte ebenfalls seinen Ruhestand angetreten, berichtet Ursula Oelmeyer.

Tolle Fahrer

Doch immer wieder klingelt das Telefon im Büro, noch immer erreichen die Oelmeyers viele Anfragen. Man kann sich gut vorstellen, was im Haus an der Feldkampstraße in Herringhausen mitunter so los war. „Wir hatten tolle Fahrer und die ganze Familie war mehr oder weniger eingebunden. Dennoch: Familie und Geschäft unter einen Hut zu bringen, erforderte so manchen Kompromiss,“ resümiert Ursula Oelmeyer nachdenklich. „Wir haben uns aber immer gut vertragen, weil wir uns selten gesehen haben“, scherzt Ehemann Herbert und sieht seine Ursula dabei liebevoll-schelmisch an. – „Wenn du schon glaubst, du kriegst kein Taxi mehr, kommt von irgendwo der Herbert her“, schrieb ein Schüler Familie Oelmeyer ins Album. Dieses Album wird zum Ende dieses Monats leider geschlossen.


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