Konzert mit dem Duo „Poco piu“ Faszinierender Klangkosmos im Lemförder Rittersaal

Von Christa Bechtel


Lemförde. Zum Abschluss seines Halbjahresprogramms präsentierte der Verein KulturBunt Lemförde im Rittersaal des Amtshofes in Lemförde einen Abend voller berauschender Klangerlebnisse mit einer selten zu hörenden Besetzung.

Nämlich Konzertharfe, Percussion und Gesang. Dazu war das Duo „Poco Piu“ - Cordula Poos, Konzertharfe, Gesang, und Markus Reich, Percussion, Drums, Handpans aus Gießen nach Lemförde gereist, um dort eine einzigartige Musikmischung zu präsentieren.

Afrokubanischer Klänge

„Poco piu“ ist italienisch und bedeutet „ein bisschen mehr“, was sich in der Musik von Cordula Poos und Markus Reich auch widerspiegelt. Virtuos werfen sie sich die musikalischen Bälle zu – selten ruhig, sondern überwiegend feurig und rhythmisch. Mitgebracht nach Lemförde hatten sie fast nur Eigenkompositionen. Zum Auftakt entführten sie mit „Day and Night and Day“ das Publikum in die Welt afrokubanischer Klänge. Denn mit dem afrokubanischen Percussionisten Markus Reich gründete Cordula Poos 2006 die Band „Poco piu“, da die Konzertharfenistin ständig nach genreübergreifenden Projekten sucht, in denen sie ihr Instrument anders einsetzen und neu entdecken kann.

„Go to the River“

„Go to the River“ von Yael Naim war einer der Coversongs, den das Duo im Repertoire hatte. Hier konnten die Zuhörer erstmals die äußerst wandlungsfähige Stimme von Cordula Poos genießen. Genuss pur waren auch die zahlreichen Instrumente wie Cajon, Congas, Pandeiro, Djembe oder Handpans, die Markus Reich im Laufe des Programms abwechselnd einsetzte. Handpans sind übrigens zwei miteinander verklebte Halbkugelsegmente, einem zentralen Tonfeld und einem Ring aus mindestens sieben Tonfeldern auf der Oberseite sowie einer Öffnung auf der Unterseite, denen er zauberhafte Klangwelten entlockte.

„Schnee von gestern“

Ihr „Schnee von gestern“ ist aus starken Emotionen heraus entstanden; daher auch als Hip Hop – und Reich sorgte mit einem Blech für besondere Effekte. „Mein Bruder hatte mal eine Freundin, die Eisverkäuferin war und Jenny hieß“, erklärte Cordula Poos, die für eine launige Moderation sorgte. Im Gedenken an alle Jennys haben sie den gleichnamigen Song geschrieben. Einfach nur wunderschön im Son montuno-Rhythmus, einer kubanischen Musikrichtung, sodass der Applaus entsprechend frenetisch ausfiel. Portugiesisch, mit vielen bösen Schimpfwörtern ging´s einige Zeit später mit „A Tonga da Mironga“ in die Pause.

Die Magie dieser Musik

Cordula Poos eröffnete mit „Wo gehst du hin“ den zweiten Teil. „Norbertamino“ haben sie zwei Freunden von Markus gewidmet und als der Harfenistin einfiel, was für sie das Glück ist, entstand „Vogel Glück“. Zu „Flying“ zwitscherte es nur noch im Rittersaal, sodass sich sogar „schräge Vögel“ ein Stelldichein gaben. Die Zuhörerschaft ließ sich an diesem zauberhaften Sommerabend einfach von der besonderen Magie dieser Musik verführen, von den ganz unterschiedlichen Klangfarben, die insbesondere Reich den vielen Instrumenten entlockte, sodass es ein Konzert für Auge und Ohr wurde.

Das sollte eigentlich im pulsierenden Rhythmus mit „Nu Blues“ enden. Aber der begeisterte Applaus des Auditoriums zielte sogleich auf Zugabe hin. Diesem Wunsch kamen Poos und Reich mit „Aber gerne doch“ mit „Heyo“ und „Scarborough Fair“ nach.