Festveranstaltung am 20. Juli Ein Einbaum zum Museumsgeburtstag in Lembruch

Von Christa Bechtel


Lembruch. Große Ereignisse werfen am und im Lembrucher Dümmer-Museum ihre Schatten voraus, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. Deshalb finden im gesamten Monat Juli diverse Veranstaltungen statt. Derzeit der Nachbau eines neolithischen Einbaums auf dem Werkplatz am Museum. Dessen Stapellauf ist während der Jubiläumsveranstaltung am 20. Juli gegen 13.30 Uhr geplant.

Bereits 2016 haben die Archäologen Thorsten Helmerking, Hamburg, und Dr. Hans Joachim Behnke, Leiter des ATZ Welzow, einen Einbaum für das Dümmer-Museum nachgebaut. Das Original musste im August 2015 an das Landesmuseum Hannover zurückgegeben werden. Denn als Leihgabe stand bis dahin das nachweislich älteste in Norddeutschland erhaltene steinzeitliche Boot aus der Zeit um 3500 vor Christus im Dümmer-Museum.

Auf dem Dümmer schippern

Warum fertigen beide jetzt einen Einbaum, mit dem man anschließend auf dem Dümmer schippern kann?

„Archäologie spielt im Dümmer-Museum eine große Rolle. Daher ist der Wunsch entstanden, nicht nur einen Einbaum in der Ausstellung zu zeigen, sondern auch einen für die Gruppenarbeit oder für die Arbeit mit Schulklassen zu haben, um auf dem Dümmer zu fahren“, erklärt Museumsleiterin Sabine Hacke. Damit sollen zukünftig die Zielgruppen erfahren, „wie man schon vor zig tausend Jahren geschippert hat. Es wurde gestakt oder gerudert“, erläutert die Leiterin.

Für die Forschungsstation

Zudem könne man das Boot einsetzen, um beispielsweise Wasserproben für die Forschungsstation zu holen, die anschließend im Museum untersucht werden. Wer übernimmt für den Einbaum die Kosten? „Großen Anteil hat die Förderung durch die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz. Aber auch der Landschaftsverband Weser-Hunte unterstützt die Aktivitäten zum Jubiläum, wie auch neben dem Eigenbetrieb der Förderverein des Dümmer-Museums“, zählt Hacke auf.

Ganz viel Leidenschaft

Währenddessen arbeiten Thorsten Helmerking und Hans-Joachim Behnke „selbstausbeuterisch“ und mit ganz viel Leidenschaft draußen am Einbaum. Gestellt würden von den Interessierten, die den Archäologen immer wieder über die Schulter schauen, die fünf üblichen Fragen: Was ist das für ein Baum? Schwitzt ihr? Was für Werkzeuge sind das? Warum nehmt ihr keine modernen Werkzeuge? „Und der arme Baum“, schildert Behnke.

Aber: „Dass man damit schippern kann und wozu man solch einen Einbaum braucht, das fragt hier kein Mensch. Oder – wenn wir jetzt mit solch einem Einbaum auf dem Dümmer sind: was machten die denn vor tausenden Jahren damit?“, bedauert der ATZ-Leiter. Den Archäologen würde es sehr wohl „jucken“, mal zu erklären: „Da ist der Dümmer. Hier sitzen die Neolithiker, die solch ein ‚Ding‘ brauchen, um zu fischen, zur Freundin zu fahren oder auszuprobieren, ob man mit einem Einbaum surfen kann.“ Gerade an diesem Morgen waren drei Damen vorbeigekommen, die fragten, ob sie helfen können? „Ja, mit Kuchen“, antworteten die Archäotechniker spontan, die statt Kuchen Brötchen bekamen.

Aus dem Wittlager Rott

Nachdem die Eiche, die bis Ende Januar noch im Wittlager Rott bei Bad Essen stand und vom Transportunternehmen Berghegger aus Bohmte aus dem Wald geholt wurde, passend geschnitten war, wurde das Stück von Helmerking und Behnke ausgehöhlt, der Kern herausgenommen, damit die Spannung entweicht. Zweiter Schritt wäre gewesen, den Boden einschneiden, wegkeilen und glatt machen, aber: „Das hat freundlicherweise das mobile Sägewerk Wilfried Wübbeler aus Bad Essen-Linne gemacht“, freuen sich beide immer noch.

Ein nicht ungefährlicher Arbeitsschritt bei der Witterung wird sein, eine Brandoberfläche herzustellen, um die Arbeitsspuren auszulöschen. „Dazu hatten wir gerade ein Gespräch mit Lembruchs Ortsbrandmeister Carsten Nickel“, gehen beide auf ihre Vorsichtsmaßnahmen ein.

Die Jahresringe nachzählen

Zwei Wochen arbeiten Thorsten Helmerking und Hans Joachim Behnke fast rund um die Uhr am Einbaum. Gelegenheit, um ihn vor der Festveranstaltung am 20. Juli zu testen, haben sie nicht. „Aber es wird alles gut“, sind sich die Archäologen aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung sicher. Und: „Wir haben uns von der Eiche eine Baumscheibe sägen lassen, die künftig vor dem Museum liegen wird. Wer will, kann die Jahresringe nachzählen“, erklärt Sabine Hacke abschließend.


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