Dorking-Züchter aus Bohmte Maik Rauch hält eine der ältesten Haushuhnrassen Europas

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Herringhausen. Als es Maik Rauch vor zwei Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Herringhausen zog, hatte er mit Hühnern nur entfernt etwas am Hut. Heute ist er einer der erfolgreichsten deutschen Züchter der vermutlich ältesten Haushuhnrasse Europas: den Dorkings.

Mach doch einfach mal mit, hatten sie ihm ans Herz gelegt. Und Maik Rauch machte einfach. Dass dabei am Ende ein erster Platz und ein Pokal rausspringen sollte, wer konnte das schon erahnen? Es ist Mai. Und gerade findet in Venne das Hähnewettkrähen des Geflügelzuchtvereins Bohmte statt. Und mit dabei ist erstmals auch Maik Rauch.

Geplant hatte er, der zwar Mitglied im Verein ist, aber noch nie aktiv an einem Wettkampf teilgenommen hat, das eigentlich nicht. Doch der Vorsitzende Wolfgang Johann-Krone ließ nicht locker und hatte ihn dann doch irgendwie weichgekocht. Denn Maik Rauch ist Züchter sogenannter Dorkings. Sie gelten als die älteste Haushuhnrasse Europas. Und solche, war Johann-Krone der Meinung, dürfen bei der Veranstaltung des Geflügelzuchtvereins auf keinen Fall den Besuchern vorenthalten werden. Gelohnt hat sich die Zusage für den ehemaligen Ruhrpottler dann auch: Rauchs Hahn krähte innerhalb einer Stunde ganze 64-mal. Und damit siegte er mit großem Abstand zum Zweitplatzierten, dessen Hahn 34-mal krähte.

„Am Anfang lief es nicht so gut, aber am Ende wollte meiner gar nicht mehr aufhören“, berichtet Rauch. Als er das erzählt, sind seine Augen weit geöffnet, er hat ein Lächeln auf den Lippen. Die Leidenschaft für seine Zucht, sie ist unübersehbar. Und der Erfolg, er treibt ihn an. Aufhören, das kommt für nach den jüngsten Erfolgen nicht in Frage, das hat er mit seinem Hahn gemeinsam. Vielmehr: Die Dorkingzucht läuft gerade erst so richtig an.

Großvater hatte bereits Hühner

Als Maik Rauch im März 2016 aus der Nähe von Dortmund nach Bohmte kam, ließ er sich auf einem Grundstück mit großem Garten nieder. Mit Hühnern hatte der 40-Jährige in seiner Kindheit zu tun gehabt. „Mein Großvater hatte einige Legehennen“, erinnert er sich. Weil sein Garten ausreichend Auslauf für Hühner bot, hat der Bohmter sich entschlossen, es seinem Großvater gleich zu tun. Und wieder war es Johann-Krone, der beratend zur Seite stand und Rauch die Dorkings empfohlen hatte. „Das sind gesunde, robuste Tiere mit einer langen Historie“, sagt Rauch. Die Kombination habe ihn fasziniert. Und die Faszination, sie hält bis heute.

Mittlerweile nennt Rauch 87 Hühner sein Eigen. Darunter sind eine Vielzahl von Küken, viele Hennen und ein Hahn. Die männlichen Dorkings, die zwischenzeitlich geschlüpft sind, musste er an andere Züchter abgeben – des Krähens wegen. „Sonst wird es doch sehr laut für mich und meine Nachbarn“, lacht Rauch. 27 organisierte Züchter der Rasse gibt es in Deutschland. Aber die Federkleidfarbe von Rauchs Hühnern ist etwas besonderes: Er setzt auf die Zucht von dunklen Dorkings. Diese sind im Laufe der Geschichte heute kaum mehr existent. „Mein Ziel ist, gesunde Tiere zu züchten und die Rasse am Leben zu erhalten“, sagt Rauch.

Die Vorgehensweise ist eine Mischung aus Stochastik, Erfahrung und Glück: Man kreuze etwa eine Hühnerrasse mit dunklem Federkleid mit einem Dorking. Das Küken, eine Mischung zweier Rassen, werde wiederum mit einem Dorking gekreuzt. „Nach der achten Generation kann man dann wieder von Reinrassigkeit sprechen“, erklärt der Züchter. Soweit ist es bei Rauch zwar noch nicht, aber er befindet sich auf einem guten Weg. Wenn er abends auf dem Sofa den Fernseher anschaltet, ist er nicht allein. Lebensgefährtin und Tochter, ebenfalls Neu-Mitglieder im Geflügelzuchtverein Bohmte, sind mit dabei. Und zahlreiche Dorking-Eier. Denn im Wohnzimmer steht auch ein Brutkasten. Und da kann schon einmal vorkommen, dass die Fernsehsendung zwischenzeitlich vom Schlüpfen der Küken unterbrochen wird.

Kontakte geknüpft

Als gelernter Kfz-Mechaniker war Rauch fünf Jahre für die Bundeswehr in Auslandseinsätzen unterwegs. Unter anderem lebte er eine Zeit lang in den Niederlanden. Dort knüpfte er Kontakte zu Dorking-Züchtern, mit denen er heute noch eng zusammenarbeitet und Hühner austauscht, um Inzucht zu vermeiden.

„Wer Hühner züchtet, wird sich irgendwann auch mit ihrer Geschichte auseinander setzten“, sagt Maik Rauch. Er selbst ist längst zu einem Hobbyhistoriker geworden. Auf seinem Tisch stapeln sich aktenweise Unterlagen über die Dorkings, die ihm von Wilhelm Wellner überreicht wurden. „Die erste Erwähnung der Tiere war 55 vor Christus“, so Rauch. Bis 1555 aber lassen sich kaum weitere Aufzeichnungen finden. „Ich habe deshalb die päpstliche Bibliothek angeschrieben, um über den päpstlichen Speiseplan etwas über die Dorkings herauszufinden“, so Rauch. Die Antwort steht noch aus. Klar, ein bisschen verrückt sei das schon, sagt er selbst. Aber: „Umso länger die Zucht dauert, umso tiefer gräbt man in der Geschichte.

Der Name der Dorkings etwa ist auch eine Sache, die Rauch beschäftigt. Geht die Bezeichnung nun auf eine englische Kleinstadt 40 Kilometer südlich von London zurück. Oder doch auf die Zusammensetzung englische Zusammensetzung „Dor“ (Tür) und „King“ (König), also den König des Scheunentors, zurück. Die Antwort, sie steht noch auf. Doch Maik Rauch wird sie weiter erforschen.


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