Thema Landschaftspflege Ökologie und Ökonomie am Dümmer zusammenbringen

Von Christa Bechtel

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Stemshorn. Zu einem Informations- und Diskussionsabend zum Thema „Landschaftspflege – Motor für die Regionalentwicklung“ hatte der SPD-Ortsverein Lemförde und der SPD Arbeitskreis Dümmerland in das Kommunikationsforum „Alter Schafstall“ auf den Schäferhof nach Stemshorn eingeladen. Referent war Prof. Dr. Cord Petermann von der Hochschule Osnabrück.

„Wir wollen uns heute der Frage widmen, ob die Landschaftspflege in der Dümmerniederung Motor für die Regionalentwicklung ist“, erklärte zur Begrüßung Matthias Galle vom Vorstand des SPD Lemförde, der souverän die Moderation übernahm. So habe die Landschaftspflege ihren positiven Nutzen für den Naturschutz bereits vielfach unter Beweis gestellt. Galle: „Die Kulturlandschaft, die wir direkt vor der Haustür finden, wäre mit Sicherheit nicht so und nicht so schützens- und erhaltenswert für die Natur, wenn wir die Schafe nicht hätten.“

Schäfermeister Michael Seel

Daher stellte anschließend Hausherr Schäfermeister Michael Seel kurz seine Arbeit, seine Tätigkeiten und was seinen Betrieb in der Region einzigartig macht vor. „Wir sind hier am Dümmer drei Kollegen (in Rehden und Freistatt) in einer Arbeitsgemeinschaft, um die Rasse zu erhalten“, erläuterte Seel, der intensiv Landschaftspflege, aber auch das „Grüne Klassenzimmer“ sowie ein Café auf dem Schäferhof betreibt. Großes Problem sei derzeit: „Wir haben keinen Schlachthof in der Region; deshalb weichen wir nach Venne aus.“

Eigentlich ein alter Hut

„Das Thema ist nach wie vor aktuell, obwohl es eigentlich ein alter Hut ist“, sagte zum Auftakt seines Referates Prof. Dr. Cord Petermann mit Lehrstuhl „Sozioökonomie der räumlichen Entwicklung“. Landschaftspflege sei eigentlich etwas, das sehr stark mit Ökologie und Ökonomie zusammen kommen könne. Landschaftspflege und Regionalentwicklung habe aber auch etwas mit der Diskussion um nachhaltige Entwicklung zu tun, meinte der Professor der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur. Eine Diskussion, die seit den 1990er Jahren sehr intensiv geführt werde, so Petermann. Früher sei Landwirtschaft etwas gewesen, „was wir als heimische Kulturlandschaft erleben konnten“,

Nutzung von Landschaften

„Landschaftspflege hat auch immer etwas mit Nutzung von Landschaften zu tun“, hob Petermann hervor. Heute versuche man, mit solch einem Betrieb wie dem von Michael Seel „etwas pflegerisch wieder herzustellen, was früher eine ganz normale Nutzung war. Nur sind diese Nutzungen heute nicht mehr wirtschaftlich und deswegen müssen wir sie bezuschussen oder anders fördern“, verdeutlichte der Referent, der einst in der Region die Schnuckenwochen initiierte. Davon profitiere der Naturschutz ebenfalls. Letztendlich finde man das Thema Landschaftspflege, Naturschutz plus Regionalentwicklung mittlerweile auch im Bundesnaturschutzgesetz als gesetzlichen Auftrag für Naturparke. In einem würde man sich befinden, sodass das Thema ganz oben auf der Agenda stehe.

Wirtschaftliche Effekte

„Landschaft ist das, woraus wir unsere Kultur schöpfen“, akzentuierte Cord Petermann, der sich wünschte, dass man sich auf einen permanenten Veränderungsprozess einlasse, sich mit anderen Regionen vernetze, denn: „Regionalentwicklung muss positive wirtschaftliche Effekte schaffen.“ Und: „Wir brauchen kritische Masse an Bevölkerung, die so etwas unterstützt.“ Sein Appell: „Denken Sie zurück in die 1990er Jahre: Damals gab es eine Leader-Region ‚Diepholzer Moorniederung‘“. Das sei tatsächlich der gesamte Naturraum gewesen, wo man sich über Gemeinde-, Landes- und Bezirksgrenzen hinweg organisierte. Abschließende Konsequenzen waren für Petermann: In der Gebietskulisse des Naturparks denken, einen Landschaftspflegeverband etablieren, die Gebietsstrategie räumlich anpassen, das Ökonomieverständnis erweitern und die Landschaft neu sehen.


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