Erleichterung für Ersthelfer Wie eine Notfalldose im Altkreis Wittlage Leben retten kann

Von Andre Partmann


Bohmte. Sie ist mit zehn Zentimetern in der Höhe und fünfeinhalb im Durchmesser eher winzig. Ihr Nutzen ist dafür umso größer: Ab sofort gibt es in ausgewählten Apotheken im Altkreis Wittlage die „Notfalldose“ zu kaufen. Sie dient Rettungskräften als Orientierung bei der Erstversorgung.

Kommt es erst einmal zu einem medizinischen Notfall, zählt für Betroffene jede noch so winzige Sekunde. Doch immer dann, wenn es tatsächlich darauf ankommt, scheint diese wichtige Zeit häufig auf der Strecke liegen zu blieben. Das liegt zum einen an dem Verkehr, der den Rettungskräfte die Anreise erschwert und zum anderen an einem weiteren Problem, das Notärzte beim Eintreffen immer häufiger begegnet: fehlende Unterlagen.

Sind diverse Vorerkrankungen oder Allergien bei dem Patienten bekannt? Welche Medikamente müssen von ihm regelmäßig eingenommen werden? Wo liegt die Patientenverfügung? Fragen, die nicht einmal die engsten Angehörigen beantworten können. Und wenn es um eine lebensrettende Erstversorgung geht, sind gerade diese für Rettungskräfte von zentraler Bedeutung. „Denn nur mit ihnen können effektive Maßnahmen in die Wege geleitet werden“, sagt Gerd Diekherbers, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Seniorenbüros der Stadt Osnabrück. Was für den einen Patienten gut sei, könne für den anderen wiederum lebensbedrohlich sein.

Effiziente Versorgung

Und damit jeder Patient effizient versorgt werden kann und die Rettungskräfte nicht wertvolle Zeit bei der Suche nach Unterlagen verschwenden müssen, gibt es seit Kurzem im Altkreis Wittlage die sogenannte „Notfalldose“ zu kaufen. Diese, so der Plan, soll Rettungskräfte unterstützen, damit diese noch besser und schneller auf Notfallsituationen reagieren können.

Die Idee der „Notfalldose“ hat seinen Ursprung in Hessen, seit Ende 2017 ist sie auf Initiative des Seniorenbeirates der Stadt Osnabrück auch in der Hasestadt zu kaufen. Schon damals, erklärt Diekherbers, ging mit der Einführung einher, die Notfalldose flächendeckend in der Region einzuführen. Durch die Initiative des SoVD-Ortsverband Bohmte-Herringhausen und der Zusammenarbeit mit ausgewählten Apotheken wurde die grün-weiße Dose nun auch im Altkreis Wittlage eingeführt. Neben einzelnen Apotheken ist sie demnächst auch im Büro des SoVD-Ortsverbandes an der Bremer Straße 37 zu kaufen.

Wie funktioniert das Prinzip Notfalldose?

„Das Prinzip der Notfalldose ist leicht zu verstehen“, sagt Herbert Ludzay, Vorsitzender des SoVD-Ortsverbandes Bohmte-Herringhausen. Die Dose richtet sich vor allem an Alleinstehende, die in einer Notfallsituation nicht die Hilfe einer weiteren Bezugsperson in Anspruch nehmen können. „Doch auch für Familien kann die Notfalldose interessant sein“, so Ludzay.

In der Dose ist neben zwei Aufklebern ein Notfall-Faltblatt zu finden. Dort trägt der Besitzer der Notfalldose alle Informationen ein, die im Falle eines Notfalls relevant sind. Unter anderem können Kontaktpersonen und Adressen von Ärzten angegeben werden, Krankheiten und Arzneitherapien, die Einfluss auf eine Notfallbehandlung haben können, bis dato durchgeführte operative Eingriffe oder die täglich einzunehmenden Mediakamente. Wer ein Haustier hält, kann auf dem Notfallzettel ebenfalls festhalten, wer im Notfall die Pflege übernehmen soll. „Das Notfall-Infoblatt sollte so weit wie möglich ausgefüllt und mit Datum und Unterschrift versehen werden, bevor es in die Notfalldose gesteckt wird“, sagt Diekherbers.

Die Aufkleber, die auf die Existenz einer Notfalldose im Haushalt hinweisen, sind auf der Innenseite der Eingangstür in Sichthöhe und auf der Außentür des Kühlschranks gut sichtbar anzubringen. Die Notfalldose selbst muss in der Tür des Kühlschrankes aufbewahrt werden. „Alle Rettungskräfte, von Polizei über Feuerwehr bis zu den Notärzten sind über das Projekt Notfalldose informiert worden“, sagt Diekherbers.

Die Notfalldose selbst dient als kompakte Ergänzung zur Notfallmappe. Es wird empfohlen, diese als zusätzliche Informationsquelle für Rettungskräfte anzuschaffen. Die Notfallmappe kann kostenlos im Internet unter www.pflegende-angehoerige-os.de heruntergeladen werden. Ebenfalls sollte darauf geachtet werden, dass der Medikamentenplan stets bei den Arzneimitteln steht.

„Wir sind froh darüber, dass dieses lebensrettende Projekt nun auch im Altkreis Wittlage Einzug gefunden hat“, sagt Karin Helm, die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Bohmte. „Der SoVD Bohmte-Herringhausen stand der Idee von Anfang an positiv gegenüber“, erklärte Gert Groskurt, SoVD-Vorsitzender im Landkreis Osnabrück, bei der offiziellen Vorstellung des Projektes im Altkreis Wittlage. Er sei sich sicher, dass sich demnächst weitere Ortsverbände finden, die der Idee folgen.


In Bohmte hat der SoVD mit der Delphin-Apotheke einen Unterstützer gefunden, der die Dose zum Selbstkostenpreis von 1,55 Euro anbietet. Ebenfalls zu kaufen ist die Notfalldose in der Linden-Apotheken in Bad Essen, der Freiherr vom Stein-Apotheke in Espelkamp sowie in der Geschäftsstelle des SoVD an der Bremer Straße 37 in Bohmte.