Clowns, Jongleure und Akrobaten Drei Tage Zirkus an der Grundschule Herringhausen

Von Andre Partmann


Herringhausen. Mathe und Deutsch kennen die Schüler der Grundschule Herringhausen aus ihrem Schullalltag. Dass Zirkus als Unterrichtsfach auf dem Stundenplan steht, war für sie bislang ein Novum. Das ist seit dem Besuch des Mitmachzirkus Blubber anders.

Die Nebelmaschinen verhüllen die Manege in dichtem Rauch. Aus den Boxen erklingt Musik, sie lässt die Dramaturgie mit jedem Takt in die Höhe schnellen. Währenddessen tippeln hinter dem Vorhang zehn Jongleure nervös auf der Stelle. Sie wissen genau, gleich kommt ihr großer Auftritt. Eltern, Geschwister, Onkel, Tanten und Großeltern – sie alle sind eingeweiht. Und sie alle sind somit auch an diesem Tag auch gekommen, um den Artisten bei ihrem Auftritt die Daumen zu drücken.

Projektwoche

Rings um die Manege sind nur noch wenige freie Plätze. Stattdessen rückt das Publikum auf den Sitzbänken und Stühlen eng zusammen. Und dann kommt endlich der Satz aus dem Mund der Zirkusdirektorin, auf den die Artisten hinter dem Vorhang schon eine gefühlte Ewigkeit warten: „Manege frei für unsere Jongleure.“ Es ist eine Szene, wie sie in einem Zirkusbilderbuch nicht besser gemalt werden könnte. Und doch ist in diesem Fall, wie in Herringhausen, etwas anders. Denn die Stars in der Manege sind heute mal keine gestandenen Artisten, sondern blutige Anfänger. Und zwar solche, die gerade einmal zwischen sechs und zehn Jahre alt sind.

Der Grund? Die Grundschule in Herringhausen hat Projektwoche, an deren Ende ein gemeinsames Schulfest gefeiert werden sollte. Und eben diese Projektwoche stand in diesem Jahr ausnahmsweise mal ganz im Zeichen des Zirkus. Lange hatte Schulleiterin Thekla Schäfer dafür werben müssen, dass ein Mitmachzirkus an ihre Schule kommt und mit den Grundschülern eine eigene Show auf die Beine stellt. Die Finanzierung, die Terminabsprache, die Unterstützung von Politik und Eltern – viele Gespräche mussten geführt werden. Doch der Aufwand, er hat sich ausgezahlt.

Beeindruckende Resonanz

Von der Gemeinde Bohmte wurde der Grundschule zugesichert, eine Rasenfläche Nahe der Schule nutzen zu dürfen. Als der Mitmachzirkus Blubber und seine Mitarbeiter aufschlugen, klärten sich zahlreiche Eltern bereit, um mit anzupacken. „Binnen vier Stunden war das komplette Zirkuszelt aufgebaut“, erklärt Schulleiterin Schäfer. „Die Resonanz und die vielen starken Hände, die mit angepackt haben, war beeindruckend“, so Schäfer.

Wer sich die Arbeit der Artisten in einem Zirkus intensiver beobachtet, merkt wie anspruchsvoll die Darbietungen mitunter sein können. „Gerade im Grundschulalter geht es darum, die koordinativen und kognitiven Fähigkeiten zu fördern“, meint Thekla Schäfer. Jonglagen, Akrobatik oder Seiltanz seien ideal, um die Gehirnhälften miteinander zu verknüpfen. Gleichwohl: „Es geht natürlich auch darum, den Schulalltag lockerer zu gestalten.“ Und außerdem: Zu zeigen, „dass es möglich ist, mit einer kleinen Schule eine gute Zirkusvorstellung abzuliefern.“

Und dass den 55 Grundschülern aus Herringhausen das zweifelsohne gelungen ist, zeigte am Mittwochabend nicht nur der tosende Applaus, der immer wieder im Zirkuszelt aufflammte. Dabei hatten die Schüler nur zwei Schultage, an denen sie mit den Mitarbeitern des Mitmachzirkus Blubber ihre Auftritte üben konnten. Am dritten Tag, dem Tag des Auftritts, bereits die Generalprobe an, ehe am Abend der Höhepunkte der Projektwoche mit der Zirkusvorstellung seinen Abschluss fand. Was nicht unerwähnt bleiben darf: Parallel zum Training in der Manege, fand der Unterricht für die Grundschüler weiter regulär statt.

Foto: NOZ MEDIEN

Körperbeherrschung

Zurück zu den Jongleuren. Diese traten nämlich als erste Gruppe des Tages vor den Augen der Zuschauer in der Manege auf. Durch den dichten Nebel ging es entlang der Publikumsreihen, ehe die Plätze eingenommen wurden. Tennisbällen und Ringe flogen durch die Luft, jeder einzelne der kleinen Artisten hatte seinen ganz persönlichen Auftritt. Nicht weniger geboten wurden den Zuschauern mit dem Auftritt der Boden- und Ring Trapez-Akrobaten. Letztere zeigen in bis zu drei Metern Höhe erstklassige Köperbeherrschung, während erste ihnen es am Boden gleichtaten. Und was bei einem guten Zirkus natürlich auch nicht fehlen darf: der Auftritt der Clowns und der Seiltänzer.

Dass der zweistündige Auftritt der Herringhäuser Grundschüler so reibungslos verlaufen sollte, war auch ihrem Lerneifer zu verdanken. „Die Mitarbeiter des Mitmachzirkus waren verblüfft, wie lern- und aufnahmefähig die Schüler waren“, erklärte Schulleiterin Schäfer. Nach dem Auftritt ging es für den Zirkus Blubber auch schon weiter auf Reisen. So schnell wie das Zelt stand, war es auch schon wieder abgebaut. Was am Ende für die Grundschüler, ihre Eltern, Verwandten und Bekannt bleibt, ist die Erinnerung einen außergewöhnlichen Zirkusabend. Und wer wollte, konnte diese auch mit einem Foto festhalten, das der Zirkus während des Auftritts von den kleinen Artisten geschossen hat.