Entfernung befürchtet Kampf um Baum-Trieb an Hunteburger Allee


Hunteburg. An der Reininger Straße in Hunteburg, einem der sechs Finger, die die Hunteburger Alleen bilden, wächst ein neuer Trieb aus einem Baumstubben. Innerhalb weniger Wochen ist er ein ganzes Stück gewachsen. Doch die Zukunft des Lindenbäumchens ist ungewiss, der Stubben soll nach zwei Jahren abgefräst werden. Der Trieb ist neuer Zündstoff für die Diskussion um den Erhalt der Alleen.

Der Trieb, der bereits eine stattliche Höhe erreicht hat, ist einer von vielen, die aus diesem Baumstumpf gewachsen sind. Eduard Müller, Initiator der „Freunde der Hunteburger Alleen“, hat mit einem Bekannten alle bis auf den einen gekappt und diesen an einem Stock befestigt.

Laut der Richtlinie „Passiver Schutz an Bäumen“ aus dem Jahr 2009 muss die Bepflanzung an Landesstraßen mindestens 4,50 Meter Abstand zur Fahrbahn haben. Die Bäume der Alleen aber wachsen direkt daneben – auch an der Reininger Straße. Deshalb stellt der Stubben eine Gefahr für Verkehrsteilnehmer dar. Fährt ein Autofahrer darüber, könne die Versicherung die Behörde haftbar machen. Durch das Aufstellen der Bake sei diese auf der sicheren Seite.

„Seit zwei Jahren steht auf dem Baumstubben eine Warnbake. Und jetzt, wo wir den Trieb hochgebunden haben, soll der Stumpf abgefräst werden“, sagt Müller. In seiner Stimme schwingt Wut mit. Müller kämpft für den Erhalt der Alleen – und gegen die Landesregierung. Seit drei Jahren gehe das nun schon so, sagt er und hört sich zermürbt an. Aufhören könne er dennoch nicht.

Für den Hunteburger sind die Alleen ein Teil der Kultur, ein notwendiger Bestandteil, damit „ein Dorf dieser Größe attraktiv bleibt und überleben“ kann. Da in der Vergangenheit keine Bäume neu gepflanzt wurden, wo kranke oder kaputte abgeholzt werden mussten, befürchtet er, dass auch der neue Trieb wegkommt. „Der Trieb ist für den Baumstumpf wie Muttermilch für ein Baby“, sagt er. So schnell, wie er wachse, würde in zwei Jahren an derselben Stelle wieder ein großer Baum stehen. Und das kostenlos. Lediglich sieben Bäume seien in den vergangenen Jahren an der Reininger Straße eingepflanzt worden, um die entstandenen Lücken zu füllen. „Abgetrotzt“ hätten sie das dem Landesamt, wie Müller sagt.

„Mir geht es um die Nachhaltigkeit“, betont Müller und verweist auf ein Schreiben von der Landesregierung. Dort steht, dass vorhandene Baumreihen an Landstraßen meistens nicht den nach den Richtlinien geforderten Mindestabstand hätten. „Sie unterliegen dem Bestandsschutz, solange die Strecke keine Unfallhäufungen aufweist und nicht um- oder ausgebaut wird“, heißt es weiter. Doch diese Aussage werde Müllers Meinung nach mit Füßen getreten. „Die Politik sagt, dass man es darf, und die Behörde macht das Gegenteil“, empört er sich.

Wie ein Beamter der Bohmter Polizei sagt, käme es an den als Hunteberger Alleen bekannten Straßen nicht häufiger zu Unfällen als anderswo. „Von einer Häufigkeit ist mir nichts geläufig. Ich kann auch nicht sagen, dass es dort vermehrt zu Baumunfällen kommt“, sagt der Beamte.

Doch bei den Behörden geht die Sicherheit vor. „Der alte Stubben muss aus Sicherheitsgründen abgefräst werden“, sagt Cord Lüesse, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. „Es hat gravierende Folgen, wenn ein Pkw gegen den Baum fährt“, sagt er und weist auf den Spagat zwischen dem wünschenswerten Erhalt der Baumstrukturen und den Sicherheitsanforderungen für den Straßenverkehr hin.

„Wir haben nichts gegen den jungen Trieb“, erklärt Lüesse. Ob er zu einem großen Baum heranwachsen darf, könne er aber noch nicht sagen. Zusammen mit der Verkehrsbehörde und der Polizei müsse entschieden werden, ob der Trieb entfernt werden muss. „Wenn es irgendwie möglich ist, kann er da erst mal weiterwachsen. Wir sind daran interessiert, solche alten Strukturen zu erhalten.“ Wie Lüesse sagt, solle versucht werden, den Baumstumpf rauszusägen, ohne den Trieb zu gefährden.

Warum es zwei Jahre gedauert hat, bis die Arbeit an dem Stubben aufgenommen wurde, wisse er nicht. „Normalerweise werden sie relativ zeitnah gefräst.“ Einen Ersatz für entfernte Bäume an derselben Stelle zu pflanzen sei nicht immer möglich. „Die bisher dort stehenden Bäume haben aus heutiger Sicht einen unzureichenden Abstand zur Straße.“


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