Leseproben mit Bürgermeistern Ein idealer Ort in Bohmte zum Schmökern

Von Cornelia Müller

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Bohmte. Eigentlich ist der Bohmter Kotten – immerhin Sitz der Gemeindebücherei – ein idealer Ort zum Schmökern: kuschelig und gemütlich. Gegen das strahlende Frühlingswetter hatte er am Sonntag zwar einen schweren Stand, trotzdem fanden auch die fünften „Bohmter Leseproben“ des Kulturrings dort wieder ein sehr interessiertes Publikum.

Diesmal durfte es sich auf einen Blick in die Bücherschränke der drei Bürgermeister der Altkreisgemeinden freuen. Rainer Ellermann, Klaus Goedejohann und Timo Natemeyer hatten nicht nur ganz unterschiedliche Autoren für ihre Leseproben ausgewählt, sondern sogar unterschiedliche Medien.

Auch Tablet und E-Book

Neben dem guten alten Papierband kamen auch Tablet und E-Book zum Einsatz. Als solches ist das Buch „Damals in Broxten“ von Friedrich und Hans-Jürgen Neumann erschienen. Es erzählt vom Leben in der Venner Bauerschaft Broxten in den 1920er- und 1930er-Jahren. Als eine „Zusammenstellung des Alltäglichen“ beschreibt Hans-Jürgen Neumann selbst sein Buch. Er hat darin die Erinnerungen seines Vaters Friedrich, der 1925 in Broxten geboren wurde, aufgeschrieben – als „wahre Geschichte aus erster Hand“.

Ohne elektrisches Licht

Da geht es zum Beispiel um Nachbarschaftshilfe, um das erste Radio, das damals noch Hörfunkempfänger hieß, und um Kinderstreiche, die heute noch schmunzeln lassen. „‘Damals in Broxten‘ ist ein Buch, das sich zu lesen lohnt. Für meine Generation, weil da auch eigene Erinnerungen wach werden, und für die Jüngeren, weil es wichtig ist zu wissen, wie es in einer Zeit ohne elektrisches Licht und Internet war“, so Ellermann.

Mit heiteren Facetten

Ebenfalls autobiografisch geprägt und mit vielen heiteren Facetten ist das Buch „Manchmal ist es federleicht“ von Christine Westermann, aus dem Klaus Goedejohann einige Abschnitte vorlas. Das Buch handelt von kleinen und großen Abschieden. Die Idee dazu sei entstanden, als das Ende der Kultsendung „Zimmer frei“ näher rückte, die Christine Westermann zusammen mit Götz Alsmann 20 Jahre lang moderiert hatte. „Was macht Abschiede leicht oder schwer – das Timing? Ist es leicht, wenn die Zeit reif ist?“, fragt sich die Autorin und erzählt unter anderem von der Flucht ihrer Familie aus Erfurt in den Westen, vom Abschied von der Jugend und von alten Denkmustern. Die Zuhörer konnten sich selbst davon überzeugen: „Das liest sich sehr leicht und flüssig, ist humorvoll, aber auch nachdenklich“, so Goedejohann.

Eine klare Empfehlung

Die dritte Leseprobe stammte aus Wladimir Kaminers „Goodbye, Moskau“. Wer den Autor kennt, der durch seine „Russendisko“ bekannt wurde, weiß, dass seine Betrachtungen zwar viel über Russland verraten, andererseits aber auch nie ganz ernst zu nehmen sind – ob es nun um den abhörsicheren Kühlschrank der Schwiegermutter oder über angewandten Pazifismus beim „Schlafen gegen den Krieg“ ging. Die Zuhörer amüsieren sich köstlich über Kaminers trockenen Humor. „Steckenbleiben und beim Lesen den Mut verlieren, wie in anderen Büchern – das gibt es bei diesem Buch nicht“, gab Timo Natemeyer eine klare Empfehlung für „Goodbye, Moskau“. Das einzige, was zum Glück der Zuhörer noch fehlte, war der russische Akzent, mit dem der in Moskau geborene Kaminer seine eigenen Hörbücher einliest. „Die Sprachfärbung gehört eigentlich dazu, das müssen wir uns jetzt einfach vorstellen“, riet Natemeyer.

Kurzweilige Veranstaltung

Abgerundet wurde die sehr kurzweilige Veranstaltung, deren Erlös der Gemeindebücherei zugute kommt, durch Musik von den Puhdys („Alt wie ein Baum“) und Hermann van Veen („Weg da!“), vorgetragen von Hartwig Ventker.


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