Hörspiel in der Schule mit dem NDR Bohmter Radiowerkstatt produziert „Ausflug ins Grauen“

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Bohmte. „Ausflug ins Grauen! Kein Hörspiel für Weicheier. Von der Radiowerkstatt der Oberschule Bohmte“, so lautet die Ansage für das, was die Sechstklässler an einem Schulvormittag zusammen mit zwei Profis vom NDR erarbeitet haben.

Zwei Klassenräume wurden zum Radiostudio. In einem erfolgten Aufnahmen, im anderen der Schnitt. Im Mittelpunkt: die 14 Mädchen und Jungen der Radiowerkstatt der Oberschule Bohmte. Jantje Fischhold aus der NDR-Kinderredaktion sorgte erst einmal dafür, dass die angehenden Hörspielmacher eine ganze Menge über das Sprechen, über Geräusche und wie sie entstehen erfuhren und was mit „atmo“ gemeint ist – nämlich Atmosphäre. Konkret bedeutet das, dass die Zuhörer anhand von Geräuschen merken, wo die Szene gerade spielt.

Gehörte Atmosphäre

Antworten auf die Frage: „Was ist Schulklassenatmosphäre?“ (jedenfalls wenn alle ziemlich leise sind) kamen schnell: Vogelgesang (daran ist zu merken, dass sich die Schule nicht in der Großstadt befindet), scharren mit den Füßen, öffnen und schließen von Federmappen, Papiergeraschel. Die Vorschläge konterte Jantje Fischhold: „Seid ihr immer so leise?“ Die Folge: Gelächter. Sie ergänzte: „Man muss vorher wissen, ob eine ruhige oder eine wilde Klasse dargestellt werden soll.“ Dafür gibt es ein Script.

Das störende Müllauto

Eine weitere Frage bekam eine eindeutige Antwort und führte zu einem Standortwechsel. „Was tun wir, wenn es so klingen soll, als wären wir draußen?“ Die Schüler gingen nach draußen. Ein großer Teil des Hörspiels spielte schließlich im Freien. Dabei tauchten dann gleich Probleme auf: So ruhig wie im Studio (deshalb werden unter anderem dort viele Aufnahmen gemacht) ist es vor dem Schulgebäude nun einmal nicht. Und ein Müllwagen, der auf der Schulstraße unterwegs war und Ausdauer zeigte, gehört nun einmal nicht in ein Hörspiel, in dem eine Schulklasse ein Zeltlager in Scarymountain verbringt – ohne Handyempfang. Dabei ist der Name Nachricht – wie der Blick ins Englischbuch verrät. Scary heißt nämlich unheimlich.

Aha-Effekt

Die Radioprofis rückten mit überschaubarem Equipment an. Aha-Effekte inklusive. Wer wusste schließlich vorher, dass es Mikrofone gibt, die gleichzeitig die Tonaufnahme übernehmen? Bevor aber die drei Sprecherinnen mit der An- und Absage den Rahmen des Hörspiels gestalteten, war eine Art Aufwärmtraining angesagt. Fischhold versicherte: „Das haben wir uns nicht für Schulkinder ausgedacht.“ Auch für Schauspieler gehört der sichere Stand vor dem Miko dazu. Erreicht wird er durch Hochspringen. Die Haltung bei der Landung passt. Der Gast vom NDR verriet: „Wenn man darauf achtet, spricht man sofort besser.“

Sprechübungen als Vorbereitung

Ebenfalls wichtig für sauberes Sprechen: die Zunge. Als Training sollten alle mit der Zunge sorgfältig alle Zähne abfühlen. Die Ziel: Die Zunge kribbelt und merkt sich, dass sie etwas ordentlich machen soll. Aha. Sprechübungen mit eingeklemmter Zunge „Am Wochenende soll das Wetter wieder schöner werden“ folgten. Fischhold: „Das klingt ziemlich blöd, muss aber zu verstehen sein.“ Der nächste Schritt: „Versucht so zu sprechen wie die Wetterfee im Fernsehen.“ Die Abschlussübung startete beim höchsten Ton, sank ab, um wieder die Höhe zu erklimmen. Und dann hieß es endlich: „Ihr seid nun bestens vorbereitet für unsere Aufnahmen.“

Ihr macht das supergut

Dann war es soweit: Die 14 Protagonisten drehten ihre Namensschilder um, wurden zu den Darstellern des Hörspiels. Ob die entführten, die Rettungsexpedition, das Monster oder weitere Schülerrollen – schnell ging der Daumen der NDR-Expertin nach oben. „Ihr macht das supergut.“ Der Aufforderung: „Bitte nicht reden, wenn andere sprechen, sonst lässt sich das nicht schneiden“ folgten die Bohmter Oberschüler bereitwillig.

Gearbeitet wurde mit zwei Mikros, damit der Tontechniker und Producer Wulf Schnaase parallel bereits schneiden konnte. Mareike Siegmann, Konrektorin der Schule und Leiterin der Radiowerkstatt, sagte: „Aufnahmen klappen bei uns, mit dem Schneiden sind fast immer Probleme verbunden, weil das Programm abstürzt.“ Wie es der Profi macht, konnten die Akteure der Radiowerkstatt in kleinen Gruppen beobachten.

Das eigene Produkt hören

Jantje Fischhold kündigte an: „Um 13 Uhr sind wir hoffentlich durch, und die Akteure der Radiowerkstatt können sich das fertige Produkt anhören.“ Alle anderen müssen noch etwas länger warten: In einigen Tagen kann das Hörspiel „Ausflug ins Grauen“ dann im Internet auf ndr.de/hoerspielinderschule abgerufen werden.


Beworben und ausgelost

Wie aber ist es zu dem Besuch des NDR-Teams in der Oberschule Bohmte gekommen? Konrektorin Mareike Siegmann, die den Wahlpflichtkurs Radiowerkstatt leitet, blickt zurück: „Ich habe zufällig im vergangenen Sommer gehört, wie der NDR Schulen aufrief, sich zu bewerben. Das Angebot: Einmal hautnah erleben, wie die Profis Radio machen.“

Letztlich war alles ganz einfach. Sie füllte online ein Bewerbungsformular aus – und die Bohmter Oberschule wurde ausgewählt. Genauer gesagt ausgelost – unter notarieller Aufsicht.

Übrigens: Das Projekt „Hörspiel in der Schule“ läuft seit dem Jahr 2013. Seitdem sind beim NDR rund 1100 Bewerbungen eingegangen, wurden 200 Klassen ausgelost. Zu dieser Zahl gehört jetzt auch die Radiowerkstatt der Oberschule Bohmte.

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