Vom Leben mit Parkinson Jürgen Mette stellte in Lemförde seinen Roman vor

Von Christa Bechtel


Lemförde. „Ich kann wieder glauben, dass ich trotz Parkinson die beste Zeit meines Lebens noch vor mir habe“, sagt Jürgen Mette. Mutig blickt er in die Zukunft, obwohl er seit 2009 mit der Diagnose „Morbus Parkinson“ lebt. In der Kapelle des Diakonissen-Mutterhauses „Altvandsburg“ in Lemförde stellte der evangelische Theologe, ehemalige Geschäftsführer der Stiftung Marburger Medien und Buchautor seinen soeben neu erschienenen Roman „Espenlaub“ vor.

Humorvoll eröffnete der Schriftsteller auch den Abend mit der Aussage: „Ich brauche als Parkinson-Kranker schon lange keine elektrische Zahnbürste mehr.“ Und: „Der Unterschied von Parkinson und Demenz besteht darin: Lieber das Bier verkleckern, als dauernd zu vergessen, wo der Kasten steht.“ Spätestens hier war klar, dass es kein bedrückender, sondern ein fröhlicher Abend werden würde. Denn Jürgen Mette geht mit seiner Krankheit ganz cool um und betont: „Ich habe beschlossen, dem ‚Herrn Parkinson‘ in meinem Leben nicht so viel Raum einzuräumen, dass ich nichts mehr zu lachen habe.“

In die Spiegel-Bestsellerliste

„Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, lautete der Titel seines ersten Buches, das er in sechs Monaten nachts schrieb, das im Januar 2013 bei Gerth-Medien erschien und nach wenigen Monaten den Sprung in die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Aber: „Die gute Nachricht lautet: ich kann wieder Mikado spielen. Weil alles im Leben auf die Relation ankommt, mit der man sich beschäftigt.“ Seine Enkeltochter Leni aus Heidelberg habe ihn mit einem überdimensionalen Spiel überrascht und gesagt: „Opi komm, wir spielen Mikado.“ Doch es gebe noch einiges mehr, was er nicht mehr könne, wie Klavier und Gitarre spielen. „Aber dass ich nach Jahren der Diagnose noch so sprechen kann, wie ich spreche, ist außergewöhnlich.“ Er könne immer noch predigen, unterwegs sein, Bücher schreiben, freute sich der Theologe sichtbar, der eindringlich schilderte, wie Parkinson auch verlaufen kann.

In Schwermut verfallen

Nach der Diagnose sei er in Schwermut verfallen. Jedoch die Lieder von Paul Gerhardt hätten ihm geholfen. Mette: „Ich habe förmlich in dieser Musik gebadet.“ Im Buch Hiob habe er seinen Glauben wiedergefunden. „Man braucht Proviant für Tage, die einem nicht gefallen“, meint der 66-Jährige, der viele Jahre Freizeiten in Südtirol begleitet hat. Von daher ist sein Roman „Espenlaub“, eine Geschichte von Liebe, Sehnsucht, Vertrauen, Zweifel und Hoffnung, sehr authentisch. Der Autor nimmt den Leser mit in sein ereignisreiches Leben, aber auch durch die Höhen und Tiefen einer Krankheit, die sein Dasein mehr und mehr prägt. Skurrile und niederschmetternde Erlebnisse haben darin ebenso Platz, wie Mut machende Erfahrungen und tiefe Einsichten darüber, was im Leben trägt und wirklich zählt.