„Häuslingswesen“ in Diepholz Sonderausstellung im Dümmer-Museum Lembruch

Von Christa Bechtel


Lembruch. Der Kreisheimatbund Diepholz hatte mit seinen Partnervereinen ein zweijähriges breit angelegtes Forschungsprojekt ins Leben gerufen. Dafür konnte er das Kreismuseum Syke gewinnen. Als Ergebnis daraus entstand die Wanderausstellung „Häuslingswesen im heutigen Landkreis Diepholz vom 17. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre“. Derzeit macht sie Station im Dümmer-Museum in Lembruch.

„Die Sonderausstellung ist zweigeteilt, da sich sowohl im Obergeschoss, als auch im Anbau Exponate befinden. In der ersten Etage findet man zudem noch Texte, Forschungsergebnisse und Schlagthemen, die zum Häuslingswesen gehören“, erläuterte Sabine Hacke, Leiterin des Lembrucher Dümmer-Museums, sobald die Ausstellung mit 45 Exemplaren, überwiegend aus dem Südkreis, stand.

Weder Haus noch Ackerland

Der „Häusling“ (Heuerling) war ein Landarbeiter, der weder Haus noch Ackerland besaß. Er bekam beides gegen Abgaben und eine Arbeitsleistung vom Bauern zur Verfügung gestellt. Diese Form des Landarbeiters wurde in den hannoverschen Grafschaften Hoya und Diepholz „Häusling“, plattdeutsch „Hüsling“ genannt. In den Regionen um Osnabrück und Oldenburg war der Begriff „Heuerling“, plattdeutsch „Hürling“, gebräuchlich. So entstand das Häuslingswesen, das es in allen Regionen des heutigen Landkreises Diepholz gab, weil im ausgehenden 16. Jahrhundert im norddeutschen Raum das Kulturland weitestgehend unter den Bauern verteilt war. – Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Häuslingswesen mit dem Einsetzen des Wirtschaftswunders seinem Ende entgegen. Spätestens seit den 1960er Jahren gab es keine Häuslinge mehr.

Gleich im Eingangsbereich des Dümmer-Museums finden Besucher eine alte Ansicht von Lembruch – ein Häuslingshaus von 1631. „Weil es die auch sehr viel bei uns in der Gegend gegeben hat“, betont Sabine Hacke. Weitere Beispiele sind Häuser aus Twistringen, Barnstorf oder Lemförde. Aus den einzelnen Orten werden auch Geschichten von Menschen erzählt. „Die Betroffenen kommen selbst zu Wort, sodass man sich in diese Lebenswelten einfühlen kann“, so die Museumsleiterin.

Flüchtlinge und Vertriebene

Detailliert werden im Obergeschoss des Museums einzelne Themen aufgeworfen. Wie die Entwicklung des Häuslingswesens im heutigen Landkreis Diepholz, das Verhältnis zwischen Bauern und Häuslingen, Zwietracht in der Dorfgemeinschaft, Pflichtarbeit bis Wertschätzung oder die Häuslinge und ihr Nebenerwerb, wo eine Vielfalt von Tätigkeiten vorgestellt wird – auch für die Frauen - mit Tagelohn und Heimgewerbe. Aber auch Flüchtlinge und Vertriebene kamen in Häuslingshäusern unter.

Die Hollandgänger

In den Sommermonaten gingen die Menschen nach Holland, um dort Gras zu mähen oder Torf zu stechen. Daher lautet eine Überschrift „Von Torfgräbern und Grasmähern“. „Die Diepholzer haben, wenn sie im Sommer nach Holland gingen, um Gras zu mähen, die Federn von der Diepholzer Gans mitgenommen und sie dort verkauft. Weil sie da gute Preise erzielten“, geht Sabine Hacke auf die Wanderarbeiter ein, die weiter darstellt: „Die Häuslingshäuser haben immer auch für Armut gestanden; viele sind verschwunden. Doch seit den 1970er Jahren hat es eine Renaissance gegeben, sodass es heute wunderschön restaurierte Häuslingshäuser gibt. Die sind in der Regel nicht so groß wie ein Bauernhaus.“

Osteröffnungszeiten

Bis zum 6. Mai kann diese interessante Ausstellung dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr im Dümmer-Museum besucht werden. Ebenfalls Karfreitag, Ostersamstag, -sonntag und -montag. Zu der Schau gibt es außerdem ein bebildertes Buch von Ralf Weber, das im Dümmer-Museum für 26 Euro erworben werden kann.