21 Veranstaltungen in Wittlage Umwelt- und Brandschutz bremsen das Brauchtum Osterfeuer

Meine Nachrichten

Um das Thema Bohmte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

So wie im letzten Jahr soll das Hitzhauser Osterfeuer auch 2018 wieder viele Gäste anlocken. Foto: Karl-Heinz StosiekSo wie im letzten Jahr soll das Hitzhauser Osterfeuer auch 2018 wieder viele Gäste anlocken. Foto: Karl-Heinz Stosiek

Altkreis Wittlage. Am Sonntag werden sie wieder überall im Wittlager Land angezündet: die Osterfeuer. Doch es werden immer weniger. Ein Grund sind die strengen Regeln der Gemeinden, die vor allem dem Umwelt- und Brandschutz dienen sollen.

Vier Meter hoch, acht Meter breit und fünf Meter tief – auf 120 bis 160 Kubikmeter Volumen schätzt Marco Schröder den Haufen aus Gehölzschnitt, Laub und getrockneten Tannenbäumen, den die Hitzhauser in den letzten Wochen und Monaten an der Leckerstraße zusammengetragen haben. „In diesem Jahr ist es schon gewaltig viel“, sagt der Ortsbrandmeister. Gemeinsam mit seinen Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr wird er das Pflanzenmaterial am Sonntag entzünden. Das Osterfeuer ist nach seinen Angaben eines der größten im Wittlager Land.

In der Gemeinde Ostercappeln ist es, gemeinsam mit dem auf der Museumsinsel in Venne, auch das Einzige. Dabei hatten bis vor wenigen Jahren auch die Ortschaften Schwagstorf und Ostercappeln noch ihre eigenen Osterfeuer. Warum heute nicht mehr? „Das hat einerseits organisatorische Gründe“, sagt Karl-Heinz Stosiek. Als Zeltverleiher ist er an vielen Veranstaltungen im Wittlager Land beteiligt. Er hat aber noch eine weitere Erklärung: „Die meisten kleinere Vereine können die hohen Auflagen nicht mehr erfüllen.“

Verordnung in Ostercappeln seit 2016

Damit meint Stosiek die Verordnung zum Abbrennen von Brauchtumsfeuern, die die Gemeinde Ostercappeln vor einigen Jahren beschlossen hat. Demnach müssen Osterfeuer spätestens drei Wochen im Voraus beim Ordnungsamt angemeldet werden. Es dürfen nur pflanzliche Rückstände wie Gehölzschnitt und Stroh verbrannt werden, das Material muss vor dem Anstecken komplett umgeschichtet werden und das Feuer darf nicht zu groß sein. Außerdem und muss es vom Anstecken bis zum Erlöschen der Glut von einem volljährigen Verantwortlichen beaufsichtigt, Sicherheitsabstände zu umliegenden Gebäuden eingehalten, und Löschmöglichkeiten bereitgehalten werden. Private Osterfeuer in Ostercappeln sind überhaupt nicht erlaubt.

„Es soll so sein, dass sich Nachbarschafts- oder Ortsgemeinschaften und Vereine zum Osterfeuer treffen. Das ist Brauchtum, und nicht, wenn jemand privat seine Gartenabfälle verbrennt“, erklärt Heike Klatka vom Ordnungsamt der Gemeinde Ostercappeln. Sie weiß auch um den Grund für die strenge Regelung. Die Pflanzenabfallverordnung des Landes Niedersachsen verbietet es seit Januar 2015 grundsätzlich, Gartenabfälle einfach zu verbrennen. Osterfeuer sind zwar als sogenannte „Brauchtumsfeuer“ davon ausgenommen. Trotzdem hat die Gemeinde die neue Rechtslage zum Anlass genommen, Regeln für die Osterfeuer zu erlassen.

Grund für Begrenzung: Umwelt- und Brandschutz

Klatka bestätigt, dass damit die Anzahl „eingedämmt“ werden soll. Als Grund führt sie vor allem die Luftverschmutzung an, die durch die Osterfeuer entsteht. „In unserer Gemeinde leben viele Asthmatiker und Allergiker“, erklärt sie. Insbesondere, wenn der Rauch der Feuer wetterbedingt nicht abziehen könne, „geht es diesen Leuten nicht gut. Das muss nicht sein“. Außerdem gibt das Ordnungsamt die Daten der angemeldeten Osterfeuer an die zuständigen Ortsfeuerwehren und den Gemeindebrandmeister weiter. So könne verhindert werden, dass die Einsatzkräfte zu einem vermeintlich unkontrollierten Brand ausrücken, wenn es sich nur um ein Osterfeuer handelt.

Die Gemeinden Bad Essen und Bohmte erklärten auf Anfrage unserer Redaktion, dass auch auf ihrem Gebiet Osterfeuer „anzeigepflichtig“ seien. Die Ordnungsämter beraten Veranstalter dazu, wie sie ihre Feuer umweltschonend und sicher gestalten können. Allerdings führt das zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen: Während in Bohmte, wie in Ostercappeln auch, nur zwei Osterfeuer angemeldet wurden, gibt es in Bad Essen nach Angaben der Vereine ganze 16 Osterfeuer.

Gemeinsam feiern, statt allein

Karl-Heinz Stosiek fände es einerseits „schade, wenn die Osterfeuer von der Politik verboten würden. Es handelt sich schließlich um ein Brauchtum.“ Andererseits sieht er ein, dass die Gemeinde Ostercappeln die Anzahl begrenzen muss, allein schon „damit nicht jeder Hans und Franz machen kann, was er will.“ Außerdem brauche „nicht jeder Bauernhof braucht sein eigenes Feuer.“ Stosiek findet es viel besser, wenn die Ortschaften bei einem gemeinsamen Osterfeuer zusammenkommen – so wie in Hitzhausen. Dort werden in den nächsten Tagen noch Getränkestände und Imbissbuden aufgebaut. Stosiek selbst installiert ein Zelt, in dem sich die Besucher vor Kälte und Regen schützen können. Je nach Wetterlage werden 200 bis 300 von ihnen zu der Veranstaltung erwartet, bestätigt Marco Schröder. Die Ostercappelner und Schwagstorfer sind beim Hitzhauser Osterfeuer übrigens willkommene Gäste.

Alle Termine der Osterfeuer im Wittlager Land finden Sie in tabellarischer Form auch hier.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN