Onlinehandel und Ortsentwicklung Rezepte für den Einzelhandel in der Gemeinde Bohmte

Von Christa Bechtel


Bohmte. „Wir haben viele Fragen beantwortet, jedoch auch wieder viele aufgeworfen“, fasste Markus Kleinkauertz, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Bohmte, nach gut zwei Stunden mit Gesprächen und Diskussionen im Landgasthaus Gieseke-Asshorn zusammen. Eingeladen hatten die Christdemokraten zu einem Themenabend zur Zukunft des Einzelhandels sowie die weitere Entwicklung der Gemeinde.

„An diesem Thema lässt sich erahnen, dass die positive Entwicklung unseres Einzelhandels, auch unseres Gewerbes in der Gemeinde Bohmte ganz eng mit der positiven Entwicklung unserer Ortszentren zusammenhängt“, erklärte Markus Kleinkauertz. Doch neben Licht gebe es auch Schatten, wie Geschäftsleerstände. Und: „Wir haben in den vergangenen zehn bis 15 Jahren durchaus auch einen Strukturwandel erlebt, der weitergeht: Große Geschäfte sind neu entstanden, haben ausgebaut oder bauen stetig weiter aus.“ Und manches inhabergeführte Geschäft sei nach Jahrzehnten plötzlich nicht mehr da, listete der CDU-Vorsitzende auf.

Die Werbegemeinschaften

Mit Christine Bullermann, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Hunteburg, und Hubertus Brörmann, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Bohmte, spürte Kleinkauertz der Frage nach: „Die Bevölkerungsentwicklung geht langfristig Richtung ‚Wir werden weniger, älter, bunter‘. Wie schlägt sich das auf das Konsumverhalten nieder, wie reagiert der Einzelhandel?“ „Wir müssen uns im Ortszentrum als Ladengeschäfte um die Jüngeren kümmern. Das sind nach wie vor die, die zukünftig wichtig sind“, sagte Bullermann. Die wollten gut beraten werden. „Sie sind vor Ort hoch interessiert, dort weiter einzukaufen. Sie unterstützen den Ort, haben eine größere Bindung dazu, haben mittlerweile aber genauso eine große Bindung zum Internet“, so Bullermann.

Verschiedene Kulturen

„Die Wellen schlagen ähnlich“, meinte Brörmann für Bohmte. Er hielt es für wichtig, ausreichend Parkplätze vor Ort anzubieten oder Service wie Hauslieferungen. „In diesem Bereich ist eine ganze Menge möglich, um den Kunden abzuholen. Bunter – wir haben inzwischen viele Single-Haushalte, aber auch verschiedene Kulturen“, so der Bohmter. Beide wiesen darauf hin, dass das Internet das ‚A‘ und ‚O‘ sei; viele würden sich vor einem Kauf dort informieren. „Wichtig für uns, dieser Sache Rechnung zu tragen. Dafür sollten Einzelhändler die entsprechenden Medien vorhalten“, wünschte sich Bullermann.

Einkauf mit Eventcharakter

Zum Stichwort „Erlebniseinkauf mit Eventcharakter“ meinte die Hunteburgerin: „Wir sind da nicht hinterwäldnerisch. Die Leute sollten mal mit offenen Augen gucken, wie viele Events wir in den Betrieben schon bieten. Alle Geschäfte, die wir haben, geben sich Mühe, in ihren Möglichkeiten Events zu bieten. Damit die Kundschaft sich wohlfühlt, etwas zu gucken hat, viel findet.“ Punkten könne der Einzelhandel auf dem Land mit Freundlichkeit, Service.

Für eine intensive Diskussion sorgte das Thema Ladenöffnungszeiten und verkaufsoffene Sonntage. Hier erhofft man sich, dass Geschäfte an vier Sonntagen zukünftig problemloser öffnen können. Zumal Landtagsabgeordneter Clemens Lammerskitten signalisierte: „Da sind wir gesetzlich am Ball.“

Attraktive Ortskerne schaffen

Zur Frage „Kann die Kommune positive Rahmenbedingungen für Handel und Gewerbe schaffen und den Standort massiv stärken?“ sagte Bohmtes Erste Gemeinderätin Tanja Strotmann: „Auf jeden Fall. Sie muss auch positive Rahmenbedingungen schaffen, weil wir alle in einem Boot sitzen.“ Eine der wichtigsten Aufgabe sei es, „attraktive Ortskerne zu schaffen, um die Leute in den Ort zu bekommen.“ Hier zählte sie die Schaffung von Baugebieten, den ÖPNV auf, „sodass Leben in den Ort kommt.“ Dazu gehöre auch ein aktives Flächenmanagement oder dafür zu sorgen, dass Einzelhändler gerne im Ort blieben, damit es erst gar keine Leerstände gebe,

Bundesweiter Wettbewerb

„Kundenservice, Freundlichkeit – das sind die entscheidenden Punkte, die Fach-Einzelhandelsgeschäfte ausmachen“, betonte Bernd Öhlmann, Geschäftsführer WiSta Stadt Diepholz, der den Anwesenden erzählte, wie er als Wirtschaftsförderer in das Thema „Einzelhandel“ hineingestolpert sei. 2009 sei er gestartet mit der Prämisse: „Die Wirtschaft kriege ich in den Griff.“ Wie, listete er ausführlich auf. „Ich proklamiere nicht den Onlinehandel an sich, sondern wie bewege ich mich digital, um im Prinzip stationär meine Innenstadt zu stützen“, kam Öhlmann auf die Beteiligung am bundesweiten Wettbewerb „Diepholz by Ebay“, für den man 2016 den Zuschlag bekam.

Zusätzlicher Vertriebskanal

Seitdem habe die Wirtschaftsförderung zwei Stellen. „Es war für uns ein Weg, damit unsere Händler gemeinsam in das Thema ‚digital‘ einsteigen. Einige machen sehr gute Umsätze“, ging Öhlmann auf diesen zusätzlichen Vertriebskanal ein. Aus der Mitte der Versammlung kam dann die Frage: „Und wie bekommt man Kunden in die Innenstadt?“ „Das ist der nächste Step, an dem wir jetzt dran sind“, antwortete der Wirtschaftsförderer, der jedoch nichts Näheres verraten wollte.