Gut für Gaumen und Natur Forscher impfen Bäume in Hunteburg mit Trüffelsporen

Von Carolin Hlawatsch


Hunteburg. Er wächst versteckt im Boden, oftmals verdeckt von einer Laubschicht und wird zudem von kaum jemanden in unseren Gefilden vermutet: Die Rede ist vom Trüffel. Tatsächlich gibt es diesen, als Delikatesse beliebten Pilz auch bei uns. Trüffel-Freunde aus ganz Deutschland, zusammengeschlossen zur „Forschungsgruppe Hypogäen (unterirdisch wachsende Pilze)“, trafen sich bei Gruppenmitglied Itze Riemeyer in Hunteburg, um Ansiedlungsversuche von Trüffeln zu besprechen und durchzuführen.

„Diese natürliche Mischung in flüssiger Form oder als Pulver kann als Impfstoff genutzt werden. Er wird an oder in die Nähe der Wurzelspitzen bestimmter Bäume injiziert, damit dort Trüffel wachsen“, erklärte Kursleiter Dieter Honstraß, der unter Pilzexperten auch als „Trüffelpapst“ bekannt ist. Neugierig lauschte die achtköpfige Gruppe, die gerade von einer Exkursion zur Trüffelplantage in den Stemweder Bergen zurückgekehrt war. Einige Trüffelexemplare konnten sie aber auch vor Ort in Itze Riemeyers Garten begutachten.

Kalkhaltig und gut entwässert

„Trüffel können da wachsen, wo die Böden kalkhaltig und gut entwässert sind“, weiß Riemeyer. Begeistert spricht er von der Option für Gartenbesitzer, Landwirte oder Waldbauern mit der Kultivierung von Trüffeln nicht nur eine wertvolle Delikatesse zu erhalten, sondern auch der Natur gutes zu tun. Die Pilze würden den Wald stärken, hätten die Funktion von Nahrungslieferanten für den Baum und würden somit indirekt die Holzproduktion ankurbeln. „Trüffel kommen ausschließlich in Lebensgemeinschaften mit Bäumen vor“, so Trüffelpapst Honstraß. „Der Pilz nimmt Nährstoffe aus dem Erdreich auf, an die der Baum alleine nicht herankommt. Einen Teil davon behält er für sich, den anderen Teil gibt er an den Baum ab. Im Gegenzug bekommt der Trüffel wertvolle Zuckerverbindungen, die er zum Wachsen braucht.“ Verbunden seien Pilz und Baum über die Feinwurzeln der Bäume. Der Trüffel selbst sei übrigens der Fruchtkörper des an den Baumwurzeln wachsenden Pilzes.

Forschungsgruppe Hypogäen

Beimpfen könne man sowohl ältere Bäume, als auch Neupflanzungen, wie im Fall der Trüffelplantagen. Die Forschungsgruppe Hypogäen arbeitet mit Frühlings- und Burgundertrüffeln da diese Arten auch natürlicher Weise in Deutschland vorkommen und an hiesige Verhältnisse gut angepasst sind. „Für Frühlingstrüffel eignet sich die Kiefer, für Burgunder am besten Haselnuss, Rotbuche oder Eiche“, lernten die Trüffelfreunde. Wildvorkommen der Burgundertrüffel stehen in Deutschland unter Naturschutz und dürfen deswegen laut Bundesartenschutzverordnung nicht entnommen werden. Im Osnabrücker Land gäbe es neben dem Burgundertrüffel noch gut 100 weitere wildwachsende echte Trüffelarten, doch längst nicht alle seien genießbar.

Eine besondere Aufgabe

Beim Experten-Treffen in Hunteburg waren auch vier „Super-Nasen“ dabei. Mops-Mischling Tussi, Appenzeller Sennenhund-Münsterländer-Mix Jule und Kollegen haben eine besondere Aufgabe: „Vier Monate bis zwei Jahre dauert es, um einen Hund für die Trüffelsuche auszubilden“, wissen Hundeschulleiter Itze Riemeyer und Trüffelhundetrainer Thomas Wittich aus Belm. Mit der Trüffelsuche bieten sie ihren Vierbeinern eine sinnvolle Beschäftigung, die sich für jede Hunderasse eigne. Ohne Hund oder dem traditionell eingesetzten Trüffelschwein ist es eher schwer Trüffel zu finden.

Ohne tierische Hilfe

Die Forschungsgruppe lacht und zeigt auf Andrea Männle: „Andrea ist da eine Ausnahme“. Die junge Frau aus Duderstadt baut zusammen mit Partner Ulrich Polle eine Trüffelplantage im Landkreis Göttingen auf und ist tatsächlich in der Lage, die gut getarnten, dunklen Erdknollen ohne tierische Hilfe zu finden. „Dafür muss man ein Gespür und sich länger mit dem Thema beschäftigt haben um typische Standorte erkennen“, sagt sie. Informationen zu Trüffelschulungen und Trüffelhunde-Ausbildung rund um Osnabrück gibt es auf Thomas Wittichs Internetseite www.trueffeljule.de..