Tuba-Trio „21meter60“ Eine musikalische Bildungsreise in Arenshorst

Von Christa Bechtel

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Das Tuba-Trio „21meter60“ – Fabian Neckermann (v.l.), Steffen Schmid und Constantin Hartwig bot in der Arenshorster Kirche ein Konzert der Spitzenklasse. Foto: Christa BechtelDas Tuba-Trio „21meter60“ – Fabian Neckermann (v.l.), Steffen Schmid und Constantin Hartwig bot in der Arenshorster Kirche ein Konzert der Spitzenklasse. Foto: Christa Bechtel

Arenshorst. Ein Konzert der Spitzenklasse bot das Tuba-Trio „21meter60“ – Constantin Hartwig, Fabian Neckermann, Steffen Schmid – in der Kirche St. Johannis zu Arenshorst. Auf Einladung des Kulturrings Bohmte gastierte das Ensemble dort im Rahmen der Arenshorster Konzertreihe und eines Bundesauswahlkonzerts des Deutschen Musikrats mit seinem Programm „Around the world“.

„Around the world“ sowohl musikgeschichtlich als auch geografisch. Und: Der etwas ungewöhnlich klingende Name beziffert die Summe der Längen der Luftsäulen, die die drei Musiker zum Schwingen bringen: 21meter60 – drei Basstuben in F. Fulminant eröffneten sie den Konzertabend mit dem bekannten „Libertango“ von Astor Piazzolla.

Die unbekannten Facetten

Erst nach diesem „Opener“ hieß Hartwig Ventker im Namen des Bohmter Kulturrings und der Kirchengemeinde Arenshorst die zahlreichen Besucher willkommen. Anschließend erklärte Constantin Hartwig, der für eine launig-informative Moderation sorgte, mit Blick auf die Reise rund um die Welt: „Wir wollen Ihnen die Tuba von den unbekannten Facetten zeigen.“ In der Blaskapelle oder im Posaunenchor habe das Instrument eher eine nebensächliche, hintergründige Rolle. „Mit diesen Vorurteilen wollen wir aufräumen und zeigen, dass die Tuba auch ein Solo- und Melodieinstrument sein kann, sie befreien von Klischees“, so Hartwig.

Von verhalten bis lebhaft

Da es nahezu kein Repertoire für diese ungewöhnliche Besetzung gibt, ist das Trio immer wieder gefordert, selbst schöpferisch tätig zu werden. So haben die drei Tubisten mit eigenen Arrangements für zahlreiche Stücke gesorgt. Mit dem warmen Klang der Instrumente, voller Obertöne und von großer Vielseitigkeit entführte „21meter60“ das Publikum nun nach Italien zu Claudio Monteverdi und seiner „Canzonette“. Von verhalten bis lebhaft, vom Piano bis zum Crescendo ansteigend bot das Trio nicht nur hier virtuos viele neue Klangfarben, sondern auch im sich anschließenden großen Bach-Block, dem sie Brian Lynns Choral und Allegro aus „Bachy Things“ gegenüber stellten. Hartwig: „Wir klauen Stücke aus verschiedenen Epochen, damit wir auch diese schöne Musik spielen können.“

Im Verlauf des Abends stellten sich die Musiker ebenfalls solistisch vor. Erst Steffen Schmid, „der Senior des Ensembles“, wie Constantin Hartwig scherzend meinte, mit Telemanns „Flötenfantasie Nr. 2, a-moll“. Später dann Fabian Neckermann, der Geburtstag hatte, gerade mal 23 Lenze zählt und Deutschlands jüngster Tubist ist, der seit Februar eine Festanstellung in einem Berliner Orchester hat. Er beeindruckte mit dem „Monolog Nr. 9“ des Schweden Erland von Koch. Constantin Hartwig glänzte dagegen mit Paul McCartneys „Blackbird“.

Ungewöhnliche Effekte

Anrührend ist der „Song for Japan“ des Belgiers Steven Verhelst, der nach der Katastrophe von Fukushima für eine Benefiz-CD komponiert wurde. „Wir haben uns sofort in das Stück verliebt“, kündigte der Moderator „You-Tuba“ des Österreichers Nico Samitz an. Das Highlight im Programm und das einzige Originalstück, das für das Ensemble als Auftragskomposition geschrieben wurde. Darin finden sich Klangfarben und ungewöhnliche Effekte wieder. Zuweilen klingt es wie mongolischer Obertongesang, wenn die drei Musiker beim Spielen in die Tuba hinein singen, oder wie ein Didgeridoo, wenn das große Kesselmundstück auf eine bestimmte Art angeblasen wird. Für ein breites Schmunzeln sorgte „Eine kleine Nachtmusik“ von Mozart, das sie mit Nasenflöten interpretierten.

Begeistertes Auditorium

„21meter60“ agierte mit einem erstaunlichen, aber nie übertriebenen Schalldruck. Das setzt ein wohldosiertes Verständnis für den jeweiligen Konzertraum voraus. Subtile Nuancen auf dem eher unbeweglichen Instrument, gepaart mit blindem Verständnis untereinander – das hat einfach Klasse! Das spürte auch das restlos begeisterte Auditorium, das nach dem „Gershwin Medley for three“ mit euphorischem Klatschen und Stampfen zwei Zugaben forderte: Eine wundervoll intonierte Hommage an die Blasmusik mit dem Titel: „Von Freund zu Freund“ sowie das ergreifend dargebotene Irish Traditional „Danny Boy“.

Daher bedankte sich Hartwig Ventker ausdrücklich für die sehr lehrreiche „musikalische Bildungsreise“ durch verschiedene Kontinente und diverse Musikepochen.


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