Zum Tag des Tattoos Bohmter Tätowiererin hat Kunden aus ganz Deutschland

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Laura Oliviera (links) leitet in Bohmte erfolgreich „Das Tintenfass“. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Anika Högemann, die einst die Ausbildung bei ihr antrat, tätowiert sie Kunden aus ganz Deutschland: Foto: André PartmannLaura Oliviera (links) leitet in Bohmte erfolgreich „Das Tintenfass“. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Anika Högemann, die einst die Ausbildung bei ihr antrat, tätowiert sie Kunden aus ganz Deutschland: Foto: André Partmann

Bohmte. Wenn es um Tätowierungen geht, scheiden sich die Geister, weiß Laura Oliviera. Die Tätowiererin hat sich vor zwei Jahren mit einem Studio in Bohmte selbstständig gemacht. Ein Wagnis, das mit viel Skepsis verbunden war – und sich doch bezahlt gemacht hat.

Ein Blick auf den Kalender bestätigt, was Laura Oliviera ohnehin schon ahnte. Bis Juni könnte es mit dem Stechen schwierig werden. Die Kundin am Telefon muss sie vertrösten. Kein Einzelfall. Wer heute einen Termin in Olivieras Tattoostudio ergattern möchte, braucht vor allem eines: reichlich Geduld. „Ohne Warteliste geht es nicht mehr“, sagt sie.

Erfolgsgeschichte

Das „Tintenfass“ in Bohmte – es hat sich zu einer kleinen Erfolgsgeschichte entwickelt. Für Tattoofans aus der Region ist das kleine Studio an der Bremer Straße längst kein Geheimtipp mehr. Über 6000 Facebook-Nutzer haben die Seite des „Tintenfasses“ mit einem „Gefällt mir“ markiert. Für die Kunstwerke mit der Nadel, die dort in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden, gibt es Lob. So häufig, dass mittlerweile sogar Kunden aus ganz Deutschland nach Bohmte anreisen. „Es gibt einige Verrückte, die mehrere Stunden Fahrt auf sich nehmen und den Weg zu uns finden“, erklärt die Tätowiererin. „Neulich war jemand aus dem Allgäu da.“ Das sei schon ein ganz besonderes Gefühl, aber auch ein wenig bizarr, gibt sie zu.

Schwieriges Pflaster

Dass die ganze Geschichte mit ihrem Studio überhaupt eine derartige Dimension annimmt, hätte sie vor zwei Jahren selbst nicht für möglich gehalten. Denn bereits die Eröffnung des Studios wurde in Bohmte kritisch beäugt: „Es gab viele Bekannte und Freunde, die mich vor diesem Projekt gewarnt hatten“, sagte die Inhaberin. Tattoos im Ländlichen seien ein schwieriges Pflaster und der Kundenkreis nicht der Größte, gaben sie zu bedenken. Oliviera selbst ist auch auf Ablehnung gestoßen, ihr Körper ist fast vollständig tätowiert: „Mittlerweile kennen mich die Leute im Ort, aber gerade zu meine Anfangszeit fiel es schwer, Kontakte zu knüpfen.“ Viele können mit dem Thema einfach nichts anfangen“, sagt die Tätowiererin.

Eröffnung 2016

Sie hat den Schritt in die Selbstständigkeit dennoch gewagt – nicht nur, weil es ihr Wunsch war, auch weil sie nach der Geburt ihres Kindes langsam wieder anfangen wollte, zu arbeiten. Ende 2015 hat sie innerhalb von drei Monaten eine alte Bäckerei zu einem Tattoostudio umgekrempelt. Im Januar 2016 wurde das neue Geschäft eröffnet, das Ladenschild des Vorgängers hängt noch. „Wir haben uns daran gewöhnt“, erzählt Inhaberin mit einem Grinsen.

Eigener Körper als Versuchsobjekt

Woran sie sich ebenfalls schnell gewöhnen musste, war die Arbeitszeit: Aus dem Plan, beruflich langsam wieder Fuß fassen zu wollen, wurde nichts. „Ich habe schnell gemerkt, dass es besser läuft als erwartet“, gibt Oliviera zu. In Anika Högemann fand sie eine Auszubildende mit künstlerischem Talent, die auch den Umgang mit der Nadel längst perfekt beherrscht. Oliviera hingegen hat sich das Tätowieren noch selbst beigebracht, eine staatliche Ausbildung für den Beruf gibt es nicht. „Von meinen Anfängen rate ich ab“, lacht sie. Ihr eigener Körper war das Versuchsobjekt, auf Messen und in anderen Studios hat sie sich weitergebildet. Daraus entstanden sind Kontakte zu einigen namhaften Tätowierern aus der Szene, mit deren Hilfe sie sich stetig weiterentwickelt.

Aufgabenteilung

Die anfallenden Aufträge im Studio teilt sich Oliviera mit ihrer Angestellte: „Der Mädchenkram bleibt bei mir hängen, Anika sticht den Rest“, sagt die Inhaberin. Beide haben mittlerweile ihren festen Kundenstamm. „Es gibt fast niemanden, der nicht ein zweites Mal zu uns kommt“, sagt Högemann. „Tätowieren ist tatsächlich eine kleine Sucht.“ Deshalb könne sich das Studio auch im ländlichen Raum gut halten.

Ehrlicher Umgang

In Bohmte gibt es noch ein weiteres Tattoostudio, auch in Bad Essen ist eines. Wie es möglich ist, dass alle drei seit Jahren im Geschäft sind und miteinander konkurrieren? „Wir haben unterschiedliche Präferenzen“, nennt Oliviera den Grund. Man würde sich die Kunden nicht gegenseitig wegnehmen. „Ein guter Tätowierer ist ehrlich und teilt dem Kunden mit, wenn er etwas nicht kann.“ Verantwortungsbewusstsein spiele grundsätzlich eine große Rolle: „Wir tätowieren keine Betrunkenen und auch von Partnerschafstattoos raten wir ab.“


Tag des Tattoos

Am 21. März wird weltweit der Tag des Tattoos gefeiert. Erstmals ins Leben gerufen wurde er 2015. Am Tag des Tattoos sind alle Menschen aufgerufen, einmal bewusst ihre Körperkunst zur Schau zu stellten. Die Tattooszene auf der ganzen Welt eint an diesem Tag der Gedanken an Gleichheit, Freiheit und Völkerverständigung. Die Frage nach der Akzeptanz von Tattoos in der Gesellschaft, nach den Beweggründen, sich tätowieren zu lassen und die möglichen Risiken werden ebenfalls thematisiert.

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