Serie „Die Kunden und Ich“ Hunteburger Raumausstatterin über Trends, die auf dem Land nicht ankommen

Meine Nachrichten

Um das Thema Bohmte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Simone Mühl hat ihren Traumberuf gefunden: Raumausstatterin. Foto: Svenja KrachtSimone Mühl hat ihren Traumberuf gefunden: Raumausstatterin. Foto: Svenja Kracht

Bohmte. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 9: eine Raumausstatterin.

Für Simone Mühl kam nie ein anderer Beruf in Frage: Die 38-Jährige steht als Raumausstatterin bei Storck in Hunteburg Kunden zur Seite, die vielleicht nicht das Händchen für die richtige Raumgestaltung haben.

Was macht ein Raumausstatter eigentlich genau?

Gardinen, Dekoration, Sonnenschutz, Bodenbeläge, Polstern – das ist das Handwerk, das wir machen. Das beinhaltet natürlich unheimlich viel Beratung mit den Kunden, entweder bei ihnen Zuhause oder hier im Geschäft. Was wir nicht machen, ist das Gestalten von Schaufenstern, das ist ein komplett anderer Beruf. Viele Schüler, die hier ein Praktikum machen, stellen sich vor, dass wir nur Zimmer dekorieren. Das ist falsch, Raumausstatter ist ein Handwerksberuf.

Was war der außergewöhnlichste Wunsch, den ein Kunde bisher hatte?

Da gibt es immer mal wieder Kundenwünsche, die ungewöhnlich sind. Einmal hatte sich die Kundin gewünscht, dass sie im Sommer eine komplett andere Gardienen-Dekoration hat als im Winter. Wir haben dann mit den Farben variiert. Für den Sommer haben wir grün und gelb genommen, für den Winter dunkelblau und braun. Das waren auch verschiedene Schienensysteme, die sie selbst wechseln musste. Das fand ich schon erstaunlich.

Was macht Ihnen am meisten Spaß?

Die gemeinsame Arbeit mit dem Kunden. Außerdem kann ich oft kreativ sein.

Wann sind Kunden schwierig?

Wenn Kunden am liebsten mit auf der Leiter stehen wollen. Da fehlt mir dann manchmal fast schon die Bewegungsfreiheit. Oder wenn ich beim Kunden Zuhause bin und das Zimmer, in dem ich arbeiten möchte, erst mal vom Chaos befreien muss. Das hätte man dann schon vorbereiten können, weil wir ja nicht überraschend vorbei kommen. Oder wenn Kunden bis ins allerkleinste Detail alles wissen wollen. Sie müssen schon ein bisschen Vertrauen zu uns haben. Aber ich muss sagen, dass unsere Kunden insgesamt sehr entspannt sind.

Wer sind denn Ihre Kunden?

Hauptsächlich Privatkunden. Teilweise auch kleinere Objekte wie Seniorenzentren, Schulen oder kleine Hotels.

Welche Trends gibt es momentan bei der Raumausstattung?

Formen und Farben wechseln sich bei den Trends eigentlich immer ab. Wobei ich sagen muss, dass wir hier auf dem Land nicht sofort jeden Trend spüren. Unsere Kunden kaufen eher etwas, das langfristig halten soll und zeitlos ist. Erdtöne, Grau oder Taupe sind momentan modern und auch bei uns sehr gefragt.

Können Sie es nachvollziehen, wenn manche Menschen „kein Händchen für Deko“ haben?

Absolut. Diese Menschen kommen dann ja häufig zu uns und lassen sich von uns helfen. Ich versuche dann durch Fragen und Zuhören rauszukitzeln, was sich der Kunde vorstellt. Oft ist es ja so, dass die Menschen eine Vorstellung davon haben, wie es aussehen soll, es aber selbst nicht umsetzen können. Eine Kundin von mir sagte zum Beispiel, dass ich ihr Fenster gestalten soll und ließ mir völlig freie Hand, weil sie sagt, dass sie selbst kein Händchen dafür hat. Das ist schon außergewöhnlich, dass ich komplett freie Hand habe.

Dekorieren Sie zuhause ständig um – oder haben Sie da gar keine Lust mehr zu?

Relativ wenig mittlerweile. Als ich in den Beruf gestartet bin, habe ich viel Zeit damit verbracht, weil ich gefühlt jeden Trend mitmachen wollte. Über die Jahre hat sich das geändert und auch ich möchte es etwas ruhiger Zuhause haben. Ich sehe hier im Job relativ viel Farbe, deshalb halte ich es Daheim eher zeitlos. Mein Mann hat eine Rot-Grün-Schwäche, deshalb ist die Herausforderung noch, dass es uns beiden gefällt. (lacht)

Wieso haben Sie diesen Beruf ergriffen?

Für mich kam nie etwas anderes in Frage. Meine Eltern und Großeltern haben diesen Beruf bereits ausgeübt, deshalb bin ich da reingewachsen. Es ist nicht so, dass ich diesen Beruf hätte ergreifen müssen, ich wollte das. Ich habe als Kind schon eine Nähmaschine geschenkt bekommen und war immer bei Oma im Nähzimmer nebenan – das hat mir damals schon viel Spaß gemacht. Und ich würde auch jetzt nichts anderes wählen wollen. Natürlich gibt es Tage, die nicht so schön sind und ich kann auch nicht bei jedem Kunden meine Kreativität komplett ausleben – aber dann gibt es immer wieder Sahnestücke, bei denen ich denke ‚genau deswegen hast Du den Beruf ergriffen‘.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN