Bürgermeister im Interview Klaus Goedejohann: Shared Space hat Bohmte nach vorne gebracht

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Bürgermeister Klaus Goedejohann tritt 2019 nicht mehr als Bürgermeisterkandidat für die Gemeinde Bohmte an. Foto: Svenja KrachtBürgermeister Klaus Goedejohann tritt 2019 nicht mehr als Bürgermeisterkandidat für die Gemeinde Bohmte an. Foto: Svenja Kracht

Bohmte. Im Januar hatte Bürgermeister Klaus Goedejohann bekannt gegeben, dass er im Jahr 2019 nicht mehr als Kandidat zur Wahl antreten wird. Was will der 51-Jährige bis dahin noch bewegen? Und wie geht es danach für ihn beruflich weiter? Im Interview mit der Redaktion hat der Politiker darüber gesprochen.

Herr Goedejohann, warum haben Sie entschieden, 2019 nicht mehr als Bürgermeisterkandidat anzutreten?

Das war eine lange, persönliche Abwägung. Ich habe nächstes Jahr 28 Jahre lang in einer kommunalen Führungsposition gearbeitet – zunächst im Emsland, dann hier in Bohmte. Bei der Wahl 2019 bin ich 52 Jahre alt und irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man sich fragt, ob es noch was anderes spannendes gibt. Diese Entscheidung kann man mit 52 noch treffen – wenn ich aber nächstes Jahr noch mal gewählt worden wäre, wären das sieben weitere Jahre im Amt gewesen. Und mit 59 macht man dann definitiv nichts anderes mehr. Deshalb war für mich der Punkt zu sagen, jetzt oder nie. 17 Jahre Bürgermeister sind eine lange Zeit und ich habe hoffentlich auch viel Positives bewegen können.

Warum haben Sie die Öffentlichkeit bereits im Januar darüber informiert?

Mir war es wichtig, die politischen Akteure zu informieren, damit sich alle darauf einstellen können. Und auch für mich ist es von Vorteil, mich offen um neue Aufgaben zu kümmern.

Wie geht es danach für Sie beruflich weiter?

Das werde ich natürlich sehr oft gefragt. Die meisten Leute können sich tatsächlich nicht vorstellen, dass ich aktuell noch nicht weiß, was ich dann beruflich machen werde. Wenn es klar wäre, hätte ich auch kein Problem damit, das zu sagen.

Wen haben Sie sich als Nachfolger ausgesucht?

Es ist nicht meine Aufgabe, meinen Nachfolger auszusuchen. Ich habe natürlich ein paar Leute im Kopf, denen ich das uneingeschränkt zutraue – ohne jetzt Namen zu nennen. Ich fände es allgemein gut, wenn Politik wieder mehr ins Gespräch käme. Wenn ich an meine Wahlkämpfe denke, ging das teilweise schon in eine persönlich verletzende Richtung. Das politische Miteinander hat sich in den letzten Jahren verbessert. Ich fände es ein tolles Signal nach Außen, wenn so auch der nächste Wahlkampf werden würde.

Welchen Tipp könnten sie Ihrem möglichen Nachfolger schon jetzt geben?

Zuhören können, gelassen bleiben – vielleicht manchmal sogar noch gelassener als ich es sein konnte. Vor allem auch bei Entscheidungen, die man selbst vielleicht anders getroffen hätte, als es dann der Zuständige getan hat. Ein weiterer Tipp wäre, die Menschen auch weiterhin transparent mitzunehmen und einzubinden, aktive Bürgerbeteiligung also.

Was mögen Sie an Ihrem jetzigen Job?

Da muss ich vielleicht etwas weiter ausholen: Als ich nach dem Abitur die Ausbildung beim Land Niedersachsen gemacht habe, war für mich klar, dass ich gerne in die Kommunalverwaltung gehen möchte, weil man dort unglaublich viel gestalten und bewegen kann. Wenn ich beispielsweise in sanierte oder neuerrichtete Räume gehe, die ich mit auf den Weg gebracht habe, finde ich das toll. Der direkte Kontakt mit den Menschen war mir immer wichtig. Diese Arbeit hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und deshalb habe ich den Job auch so lange gemacht – 17 Jahre als Bürgermeister sind ja auch keine Selbstverständlichkeit.

Welche Projekte möchten Sie in Ihrer verbleibenden Amtszeit noch fertigstellen/anschieben?

Wir investieren in unsere fünf Kindergärten rund fünf Millionen Euro – ich freue mich, dass wir die baulichen Maßnahmen dort bis Ende des Jahres abschließen werden und wir dort dann sehr gut aufgestellt sein werden. Das Thema Breitband ist mir außerdem sehr wichtig. Da gibt es mit dem Landkreis die Vereinbarung, dass es dort 2018 und 2019 eine wesentliche Verbesserung geben soll. Leider wird es keine flächendeckende 100-Prozent-Lösung geben, weil das im ländlichen Raum sehr schwierig ist, aber wir gehen einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Das Thema Digitalisierung in Schulen und Verwaltung steht aktuell auch auf unserer Agenda. Außerdem beschäftigen uns naturwissenschaftliche Räume in der Oberschule und wie wir das technische Profil der Oberschule in den Vordergrund gestellt bekommen. Dorfentwicklung ist ein großes Stichwort. Dieses Jahr steht die Sanierung der Gemeinschaftshalle Stirpe-Oelingen und die Infrastruktur auf dem Gelände des Ponymarktes an. Wir hoffen, dass die Förderbescheide bald kommen, sodass wir in die Umsetzung kommen. Über das Projekt Bewegungsband freue ich mich persönlich sehr. Im Mai wird das Preisgericht tagen und ich bin mir sicher, dass wir spannende Ideen auf dem Tisch haben werden, die wir dann auch öffentlich ausstellen. Ich hoffe, dass wir ab 2019 schrittweise mit der Umsetzung beginnen. Das Thema Hafen ist wichtig: Auch da wollen wir dieses Jahr bei der Entwicklung des Bestandshafens ganz wichtige Schritte gehen, sodass wir in diesem Jahr vielleicht schon Veränderungen vor Ort sehen. Es sind also noch viele Themen zu bewegen – ich bin mir sicher, dass die nicht alle bis Oktober 2019 fertig sein werden, aber wir können jetzt entscheidende Schritte gehen.

Was werden Sie nicht mehr schaffen?

In der Dorfentwicklung sind wir ja bis zum Jahr 2025 und auch das Thema Schulen und Kindergärten ist kein Prozess, der mit der Fertigstellung dieser Projekte beendet ist. Wie wird sich die Kindergartenlandschaft verändern, wenn das Land alles beitragsfrei macht? Bei diesen Themen wird es immer Veränderungen geben, aber ich glaube, die Weichen können wir jetzt stellen.

Was würden Sie sagen, war Ihr größter Erfolg in Ihrer Amtszeit?

Auch wenn das Thema sicher unterschiedliche Reaktionen hervorruft, würde ich da schon „Shared Space“ nennen. Das war, glaube ich, für Bohmte in der bundesweiten Außenwahrnehmung wirklich der Hammer. Natürlich haben wir in der Umsetzung beim Thema Pflasterprobleme viele strittige Diskussionen gehabt. Aber die Grundidee und das Projekt haben den Ort nach vorne gebracht. Ich habe bisher niemanden getroffen, der die alte Ampelsituation wieder haben will. Ansonsten ist der Erfolg in meiner Amtszeit, glaube ich, eine Summe aus vielen Dingen. Dabei ist mir wichtig, deutlich zu machen, dass es nie meine persönlichen Erfolge waren, sondern Erfolge des sehr guten Zusammenspiels mit den Mitarbeitern der Gemeinde Bohmte und dem Zusammenwirken von Politik und Verwaltung. Am Ende kann ich, denke ich, ein positives Fazit ziehen. Sicherlich hätte auch einiges besser laufen können, aber unfehlbar ist niemand – auch der Bürgermeister nicht.

Und was Ihr größter Fehler?

In den vielen Jahren als Bürgermeister habe ich bestimmt einige Fehler gemacht, wie schon gesagt, niemand ist unfehlbar. Der eine größte Fehler kommt mir aber so spontan nicht in Erinnerung. Das mögen andere vielleicht auch besser beurteilen als man selber.

Liegt man mit den Kitas aktuell im Bedarfsplan?

Im Moment passt es, aber ich würde nicht ausschließen, dass man in fünf Jahren wegen der geplanten Beitragsfreiheit noch mal als Gemeinde an das Thema dran muss.

Der barrierefreie Bahnhof soll 2022 kommen – ist das auch nach Ihrer Amtszeit gesichert?

Mich würde es nicht wundern, wenn das erst 2023 fertig gestellt wird, aber ich bin froh, dass wir das Thema auf den Weg gebracht haben und der barrierefreie Bahnhof kommen wird. Der Bahnhof ist einfach ein wichtiges Element für unsere Gemeinde.

Gibt es ansonsten aktuelle Pläne bezüglich des Bahnhofs – Stichwort Gastronomie oder Kiosk?

Wer täglich den Bahnhof nutzt, sieht, dass durchaus Bedarf da ist, aber bisher sind wir uns in Politik und Verwaltung einig darüber, dass auch ein sanierter leer stehender Bahnhof kein schöner Bahnhof ist. Also müssen wir ein tragfähiges Nutzungskonzept haben, wenn wir den Bahnhof sanieren wollen. Es bringt uns nichts, auf den 400 Quadratmetern sechs Mieter zu haben, die zwei Mal im Jahr wechseln. Das Thema Gastronomie schwebt vielen vor, aber man darf nicht vergessen, dass wir im unmittelbaren Umfeld mehrfach Gastronomie haben. Wir sind zwar ständig in Gesprächen, um ein tragfähiges Nutzungskonzept zu entwickeln, aber es gibt da keinen aktuellen Sachstand.

Es gibt immer wieder Sachbeschädigungen an den dort abgestellten Fahrzeugen. Kann die Gemeinde etwas dagegen tun?

Aktuell diskutieren wir, das Bahnhofsumfeld mit Kameras auszustatten. Das ist technisch nicht ganz einfach, weil es ein relativ großer Bereich ist. Auf dem Bildschirm dürfen dann nicht nur dunkle Gestalten zu sehen sein, sondern bei einer möglichen Straftat muss auch zu erkennen sein, wer das auf den Bildern ist. Auch datenschutzrechtlich ist das nicht ganz einfach: Ich darf wirklich nur den öffentlichen Raum einbeziehen, es darf kein Quadratmeter eines privaten Grundstücks zu sehen sein. Und wir könnten die Daten nur 24 Stunden speichern und auswerten, wenn etwas vorgefallen ist. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass Kameras im Bahnhofsbereich eine Lösung sein könnten, die zur Verbesserung führt.

Wie ist der aktuelle Stand beim Bohmter Containerhafen?

Wir bereiten jetzt das Planfeststellungsverfahren vor, um eine Liegefläche zum Kanal entstehen zu lassen. Die dafür erforderlichen Planungsleistungen müssen europaweit ausgeschrieben werden. Interessante Gespräche führen wir derzeit mit dem Port of Twente, der in den Niederlanden die Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen bedient, so wie wir größtenteils Hamburg bedienen wollen. Die Schiffe werden dort zweilagig, wie wir es auch planen, abgefertigt. Mit großem Erfolg.

Zum Bestandshafen diskutieren wir aktuell eine Neuaufstellung des Bebauungsplans. Dort gibt es Überlegungen mit künftigen Betreibern, wie die Gestaltung des Bestandshafens als Agrar- und Schüttguthafen aussehen muss. Auch dafür haben wir einen Förderantrag beim Land Niedersachsen gestellt. Wir hoffen, dass wir bei einer Bewilligung auch dieses Jahr mit dem Bau anfangen können, sodass spätestens nächstes Jahr der neue Bestandshafen seinen Betrieb aufnehmen wird.


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