Fall geht wohl vor Gericht Umgekippter Bus in Bohmte: Fahrer akzeptiert Strafbefehl nicht

Meine Nachrichten

Um das Thema Bohmte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Bohmte. Der Unglücksfahrer des Busunfalls vom 23. August bei Bohmte hat einen Strafbefehl über 1350 Euro erhalten – und akzeptiert diesen nicht. Damit geht der Fall wohl vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft hatte am 11. Januar beim Amtsgericht einen Strafbefehlsantrag an das Amtsgericht Osnabrück wegen fahrlässiger Körperverletzung geschickt. Sie beantragte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 15 Euro (1350 Euro). Damit wäre der Busfahrer nicht vorbestraft gewesen. Erst bei einer Verurteilung zu mehr als 90 Tagessätzen gilt eine Person als vorbestraft.

Amtsgericht erließ Strafbefehl

Das Amtsgericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und erließ den Strafbefehl. Dagegen aber „ist ein Einspruch eingegangen, damit ist der Strafbefehl nicht rechtskräftig“, sagt Gerichtssprecher Ansgar Buß auf Nachfrage.

Gutachten: Bus in Ordnung

Der mit Erntehelfern voll besetzte Bus war am 23. August 2017 am Kreisel der B65/B51 auf die Mittelinsel gefahren und auf die Seite gekippt. Eine Frau wurde lebensgefährlich verletzt, insgesamt gab es Dutzende Opfer, darunter Schwerverletzte. Zeugen zufolge sollen die Bremsen des Busses versagt haben. Allerdings schloss ein Gutachten einen technischen Defekt aus. Der Staatsanwaltschaft zufolge war der Busfahrer zu schnell in den Kreisel gefahren und hat die Kontrolle über sein Gefährt verloren. Damit habe er den Unfall fahrlässig verursacht.

Fall bald vor Gericht

Dutzende Feldarbeiter im Bus wurden zum Teil schwer verletzt, eine Frau lebensgefährlich. Archivfoto: Hubert Dutschek

Ein Richter am Amtsgericht muss nun über den Einspruch entscheiden. Lässt er ihn zu, kommt es zum Hauptverfahren.


Was ist ein Strafbefehl?

Bei einem hinreichenden Tatverdacht kann die Staatsanwaltschaft einen schriftlichen Strafbefehl beantragen. Er stellt eine rechtskräftige Verurteilung ohne gerichtliche Hauptverhandlung dar und soll Gerichte und Staatsanwaltschaften entlasten. Er kann aber auch von Vorteil für den Beschuldigten sein, der damit einen teuren Gerichtsprozess umgehen kann.

Einen Strafbefehlsantrag stellt die Staatsanwaltschaft beim zuständigen Strafrichter des Amtsgerichts, wenn der Tatverdacht so dringend ist, dass eine Hauptverhandlung ihrer Ansicht nach nicht erforderlich ist. Oftmals beinhaltet ein Strafbefehl eine Geldstrafe, aber auch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr kann die Staatsanwaltschaft festsetzen, sofern die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Der Strafrichter kann den Strafbefehl erlassen. Hält er den Tatverdacht für nicht ausreichend, kann er ihn per Beschluss ablehnen. Die Staatsanwaltschaft kann dagegen Beschwerde einlegen.

Hat der Richter Bedenken über den Inhalt des Strafbefehls, kann er eine Hauptverhandlung anordnen.

Wenn der Beschuldigte den Strafbefehl erhält, kann er innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen. Bei Zweifeln an der Zulässigkeit des Einspruchs kommt es zur Hauptverhandlung. Dann entscheidet der Strafrichter über den Fall per Gerichtsurteil. yjs

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN