Vortrag zum Glücklichsein Nachfrage beim Betriebshilfsdienst Wittlage steigt

Von Karin Kemper

Neu im Vorstand des Betriebshilfsdienstes Wittlage ist Nele Kolkmeier (Dritte von links). Mit auf dem Bild Referentin Wiebke Wohler (Zweite von links). Vorsitzender ist Hermann Wesseler (Dritter von rechts). Foto: Karin KemperNeu im Vorstand des Betriebshilfsdienstes Wittlage ist Nele Kolkmeier (Dritte von links). Mit auf dem Bild Referentin Wiebke Wohler (Zweite von links). Vorsitzender ist Hermann Wesseler (Dritter von rechts). Foto: Karin Kemper

Bohmte. „Die trotz des fortschreitenden Strukturwandels steigende Zahl von Mitgliedern zeigt, wie ernst Landwirte das Thema Krankheit auf den Höfen nehmen“, sagte Hermann Wesseler, Vorsitzender des Betriebshilfsdienstes Wittlage, der für den gesamten Osnabrücker Raum zuständig ist.

Zahlen gehörten ebenfalls zur Mitgliederversammlung im Gasthaus Bunselmeyer in Bohmte. Demnach gehörten dem Betriebshilfsdienst Wittlage Ende 2017 bei 13 Zugängen und 8 Abgängen 259 Mitglieder an. Wesseler: „Die Kündigungen werden immer hinterfragt. Es handelt sich in der Regel um Betriebsaufgaben.“ Der Vorsitzende verwies darauf, dass leider auch Betriebshelfer krank werden könnten und das dazu geführt habe, dass nicht alle Einsätze reibungslos gelaufen seien.

Knapp 13.000 Stunden

Tätig sind derzeit zehn Betriebshelfer. Zu Buche stehen für das Jahr 2017 rund 10.800 Stunden im sozialen Bereich, und die Summe der Urlaubsvertretungen nähert sich der 3000er-Marke. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr nochmals eine deutliche Steigerung. Wesseler mahnte die Mitglieder: „Betriebshelfer sind da, um den Betrieb am Laufen zu halten. Sie sollen keine Arbeit erledigen, die seit Generationen nicht gemacht wurde...“ Er fügte hinzu, dass der Betriebshilfsdienst nur laufe, wenn Arbeit da sei und die Mitarbeiter entlohnt werden könnten. Dazu passte die Aufforderung: „Wenn Ihnen die Arbeit gut gefallen hat, machen Sie bitte Werbung.“

Überstunden und Resturlaub

Geschäftsführerin Ute Mandrella, die die Einsätze der Betriebshelfer steuert, berichtete von einem Gewinn von gut 15.000 Euro, der bei Einnahmen von rund 388.000 Euro zu Buche steht. Der Überschuss stehe aber den Betriebshelfern zu. Nach Abzug von Überstunden und Resturlaub „reicht es gerade aus“.

Da Albert Schulte to Brinke, der bislang dem Vorstand des Betriebshilfsdienstes angehört hatte, zum Präsidenten des Niedersächsischen Bauernverbandes gewählt worden ist, wurde eine Nachwahl erforderlich. Vorgeschlagen und einstimmig gewählt wurde Nele Kolkmeier, die von einem Milchbetrieb in Osnabrück-Atter kommt. Wesseler: „Wir achten darauf, dass möglichst viele Betriebsarten im Vorstand vertreten sind.“

Hilfe über Kreisgrenzen hinweg

Die Bedeutung der Betriebshilfsdienste und die Notwendigkeit, über Kreisgrenzen zusammenzuarbeiten, zeigt sich in Bohmte daran, dass die Geschäftsführer der Betriebshilfsdienste Herford und Minden-Lübbekce zu Gast waren. Und Kontakt mit den Bersenbrückern, so Wesseler, gebe es ebenfalls.

Den zweiten Teil der Versammlung bildete der Vortrag von Wiebke Wohler zum Thema „Was macht Landwirtsfamilien glücklich?“ Die Agraringenieurin ist sozioökonomische Beraterin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, und damit erstreckt sich ihr Aufgabengebiet von der Begleitung finanzgefährdeter Betriebe über Hofübergabeprozesse und Generationskonflikte bis hin zu Fragen der Absicherung landwirtschaftlicher Betriebsleiterfamilien durch Sozialversicherungen, Versicherungen, Verträge und Verfügungen.

Identitätsfrage

Zu Beginn des Vortrags betonte Wohler: „Wir stellen uns heute die Sinnfrage anders als vor Generationen.“ Die überlieferten Werte der Landwirtschaft gerieten ins Wanken und bedeuteten Gefahr für die Identität des Einzelnen. Das Tun der Landwirte werde von der Gesellschaft in Frage gestellt. Und egal, an welcher Stelle das Identitätsgebäude wackele, habe das Auswirkungen auf andere Bereiche. Die Referentin: „Glücklich macht, wenn ich weiß, dass ich veränderungsfähig bin, keine Angst vor neuen Situationen habe.“ Ebenso wichtig sei die Absicherung im Hinblick auf Hofübergabe, Risikolebensversicherung, Wohnrecht oder Ehevertrag. Was wichtig sei, müsse angepackt werden. Sei beispielsweise die Hofübertragung geregelt, könne sich innere Ruhe einstellen. Es tue gut, selbstbestimmt zu entscheiden.

Schweigen ist Blech

Zum Glück gehöre weiter ein Umfeld, in dem gelte: „Reden ist Gold, Schweigen ist Blech.“ Werde miteinander in der Familie geredet, lasse sich ziemlich viel erreichen. Wohler: „Für Gespräche sollten feste Termine gemacht werden, Wichtiges lasse sich nicht einfach so am Mittagstisch besprechen.“ Jeder müsse seine eigenen Bedürfnisse kennen, um glücklicher zu werden. Dazu gehöre „auch etwas zu haben, das den Kopf freimacht“ – von einem Hobby bis zum Saunabesuch. Die Referentin bezeichnete es als eine nicht zu unterschätzende Maßnahme auf dem Weg zum Glücklichsein regelmäßig das, was am Tag gut war, auf einen Zettel zu schreiben.

Vorsitzender Wesseler brachte es auf den Punkt: „Ich bin schon mal glücklich, dass Sie heute hier waren und uns zum Nachdenken angeregt haben.“