Mit „Saiten und Pfeifen“ Seltener Hörgenuss beim ersten Arenshorster Konzert 2018

Von Christa Bechtel

Virtuosen am Werk: Semjon Kalinowsky (Viola) und Fredrik Albertsson (Orgel) spielten beim ersten Arenshorster Konzert des Jahres 2018. Foto: Christa BechtelVirtuosen am Werk: Semjon Kalinowsky (Viola) und Fredrik Albertsson (Orgel) spielten beim ersten Arenshorster Konzert des Jahres 2018. Foto: Christa Bechtel

Arenshorst. Eine nur selten zu hörende Besetzung, nämlich Viola und Orgel, konnten die Besucher beim ersten Arenshorster Konzert im neuen Jahr in der Kirche St. Johannis genießen.

Auf Einladung des Kulturrings Bohmte gastierten dort Semjon Kalinowsky (Viola) aus Lübeck, sowie Fredrik Albertsson (Orgel), der extra aus Schweden angereist war. „…mit Saiten und Pfeifen!“ lautete auch der Titel der Veranstaltung.

Wachsende Besucherzahlen, kreative Besetzung

„Wir freuen uns, dass wir in den letzten Jahren einen stetig wachsenden Besuch der Konzerte haben“, sagte Dieter Spanger als Vertreter des Kulturrings angesichts der gut gefüllten Kirche. Aber „ich stehe hier eigentlich heute verkehrt, denn an dieser Stelle steht seit Jahren schon unser Konzertmeister Hartwig Ventker“, so Spanger. Ventker sei auf Dienstreise in Oldenburg. Denn „er sucht sehr viel musikalische Ereignisse, stellt zusammen, macht Besetzungen. Und wir haben uns oft schon gefragt, wenn er Gruppen hier mit verschiedenen Musikinstrumenten vorstellte: Passt das überhaupt zusammen? Aber es hat immer gepasst“, betonte der Kulturring-Vertreter. Anschließend hieß Pastor Andreas Pöhlmann als Hausherr die Konzertbesucher mit der Jahreslosung willkommen.

Erster Teil: Barockmusik

„Gerade diese Instrumentenkombination ist eine absolute Rarität“, unterstrich auch Semjon Kalinowsky, der kurz das Programm vorstellte. Den ersten Teil widmete das Duo der Barockmusik. Mit großer Präzision und Expressivität eröffneten Semjon Kalinowsky und Fredrik Albertsson ihn mit Telemanns „Concerto für Viola und B.C.“. Der Hamburger Komponist hat etwa 3.600 Werke kreiert, aber nur ein einziges für Viola. Das Concerto besteht aus vier Sätzen, die aber nicht in der klassischen Folge „schnell-langsam-schnell“ aneinandergereiht werden, sondern in der Folge „langsam-schnell-langsam-schnell“.

Dieter Spanger (rechts) vom Kulturring Bohmte und Pastor Andreas Pöhlmann hießen die Besucher willkommen. Foto: Christa Bechtel

Bereits nach den ersten beiden Sätzen konnte man feststellen, wie der weiche, dunkle Klang der Viola, die auch Bratsche genannt wird – Kalinowsky spielt ein von Johann Baptist Schweitzer im Jahre 1817 gefertigtes Instrument – mit der Orgel harmoniert. Vollendet auch das Zusammenspiel der beiden Interpreten, die mit großer Spielfreude den Finalsatz „Presto“ erklingen ließen.

Von Eccles über Bach bis Bendas

Von Henry Eccles, einem eher unbekannten britischen Komponisten, folgte die Sonate g-moll, die er ursprünglich für Viola da Gamba und Cembalo schrieb. Für Kalinowsky und Albertsson kein Problem, sie arrangierten die Stücke einfach neu. Virtuos brachte der Schwede dann das voluminöse Werk „Fuga G-Dur“ für Orgel solo, BWV 577, von Johann Sebastian Bach zu Gehör. Und das Publikum fragte sich, ob er dabei wohl ein paar mehr als nur seine eigenen zehn Finger einsetzte.

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Zum musikalischen Leckerbissen wurde der reich verzierte Satz „Adagio“ aus der Sonate g-Moll für Violine solo, BWV 1001, der auf- und absteigende Läufe, Triller und Doppelschläge beinhaltet, wie nur Bach sie schreiben konnte. Mit Jan Bendas „Grave“ für Viola und Orgel entließen die Musiker das Auditorium in die Pause.

Musik neu beleben

In die Zeit der Romantik entführte das Duo die Konzertbesucher zu Beginn des zweiten Teils. Meisterlich erklang erst von Joseph-Gabriel Rheinberger ein Präludium aus op. 146 als Bearbeitung für Viola und Orgel. Dem schloss sich eine Romanze des norwegischen Komponisten Johann Severin Svendsen an, wobei Bratschist und Organist ihren ganzen Klangzauber entfalteten. Da gerade am Vortag der Holocaust-Gedenktag war, hatten die beiden das „Festpräludium zum jüdischen Neujahrsfest“ des deutsch-jüdischen Komponisten Louis Lewandowski mit ins Programm genommen, das Albertsson interpretierte.

„Wir versuchen ständig durch unsere Konzerte, unsere CD-Aufnahmen, Notenausgaben diese Musik wieder zu beleben“, hatte zuvor Semjon Kalinowsky erklärt. Zurück in der Epoche des Barocks erklang die kurzweilige „Sarabande op. 8“ des Wieners Joseph Sulzer. Der seltene Hörgenuss sollte mit Vivaldis „Concerto C-Dur“ für Viola und Orgel in drei Sätzen enden. Doch dann brandete der Applaus auf und das Publikum verlangte nach einer Zugabe, sodass das Duo diesem Wunsch gerne nachkam.

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