Kastrations- und Kennzeichnungspflicht Wie erfolgreich ist die Bohmter Katzen-Verordnung von 2014?

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Streuende Katzen sind in Bohmte weiterhin ein Problem. Symbolfoto: Foto: Julian Stratenschulte/dpaStreuende Katzen sind in Bohmte weiterhin ein Problem. Symbolfoto: Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Bohmte. Am 1. Januar 2018 ist in Melle eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen in Kraft getreten. In Bohmte gibt es sie schon seit Juli 2014. Wie hat sie sich bewährt, und was können andere Kommunen vom Beispiel aus dem Wittlager Land lernen?

Der 1. Januar 2018 ist für den Katzenschutzbund Osnabrück ein Tag der Freude: „Ab dem 01.01. gilt auch auf dem Gebiet der Stadt Melle eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen. Sie folgt damit dem Beispiel (...) der Gemeinde Bohmte“, verkündet Außendienstleiter Michael Muris in einer Pressemitteilung.

Der Rat der Gemeinde Bohmte schon am 12. Dezember 2013 eine entsprechende Verordnung beschlossen. Darin heißt es wörtlich: „Katzenhalter, die ihrer Katze die Möglichkeit gewähren, sich außerhalb der Wohnung ihres Halters frei zu bewegen, haben diese zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Mikrochip oder Tätowierung kennzeichnen zu lassen.“ Gleichzeitig müssen die Katzen registriert werden, allerdings nicht bei der Gemeinde selbst, sondern bei Datenbanken wie Tasso oder Findefix. Wer gegen die Verordnung verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss bis zu 1.500 Euro Strafe zahlen.

Keine Bußgelder, kaum Kontrollen

Ziel der Bohmter Politiker war es, durch die Regelung die Zahl der streunenden Katzen zu begrenzen und einen Beitrag zum Tierschutz zu leisten. Insbesondere gegen Katzenhalter, die sich nicht um ihre Tiere kümmern, wollte die Gemeinde auf Basis der Verordnung eine Handhabe haben.

Tatsächlich vorgegangen ist sie in den letzten dreieinhalb Jahren seit der Einführung am 1. Juli 2014 aber gegen keinen einzigen. „Wir haben noch kein Bußgeld verhängt“, ließ das Ordnungsamt der Gemeinde auf Nachfrage unserer Redaktion wissen. Kontrolliert wird die Einhaltung der Richtlinie demnach nur sporadisch. „Wir fahren raus, wenn es konkrete Hinweise aus der Bevölkerung gibt“, hieß es aus dem Rathaus.

Wenige Eintragungen bei Registerportalen

Ähnlich mau sieht die Bilanz bei den beiden großen Haustierregistern aus. „Die Zahlen der registrierten Katzen in Bohmte hat sich seit Einführung der Verordnung nur unwesentlich verändert“, teilte eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes mit. Der Verein betreibt das Protal findefix.com, das sich auf die Registrierung und Rückvermittlung von entlaufenen Haustieren spezialisiert hat. Ein ähnliches Angebot hat auch der Verein Tasso, in seinem Register sind für die Gemeinde Bohmte 258 Katzen eingetragen. Eine verschwinden geringe Zahl, wenn man, wie der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe, davon ausgeht, dass etwa jeder sechste Deutsche einen Stubentiger zu Hause hat.

Auch für Tierärztin Sabine Göbeler ist diese Zahl überraschend: „Das ist tatsächlich relativ wenig, aber erklären kann ich es mir nicht so richtig.“ In ihrer Praxis berät sie die Besitzer von jungen Katzen gezielt über Kastrierung und Registrierung. Und die meisten Halter, deren Katzen frei herumlaufen, zeigen sich aufgeschlossen für beides. Etwa fünf bis sechs Katzen pro Woche, so schätzt die Veterinärin, werden in ihrer Praxis jede Woche gechippt. „Vielleicht vergessen die Besitzer anschließend, die Formulare auszufüllen und sie auch wirklich beim Register anzumelden“, vermutet sie.

Tierärztin hält Verordnung für „bitternötig“

Grundsätzlich hält Göbeler die Verordnung der Gemeinde Bohmte für „sinnvoll und bitternötig“. Sie arbeitet mit dem Katzenschutzbund zusammen und die Ehrenamtlichen bringen ihr immer wieder verwahrloste Tiere zur Behandlung. Mache sind unterernährt, andere krank oder von Parasiten befallen. „Das Problem, das Katzen ohne Besitzer durch die Ortschaft laufen, besteht weiterhin“, so ihre Einschätzung.

Die teilt auch Brigitte Brinkmeier. Die Bohmterin engagiert sich seit Jahren für Katzen. Sie sagt: „Ich habe allein im letzten Jahr etwa 30 Streuner kastrieren lassen.“ Um die Kosten für den Eingriff, immerhin zwischen 100 und 140 Euro pro Tier, zu decken, ist die Tierschützerin auf Spenden angewiesen. Außerdem arbeitet sie mit dem Tierschutzverein in Melle und dem Katzenschutzbund Osnabrück zusammen. Von der Gemeinde Bohmte erhält sie keinerlei finanzielle Unterstützung. Dabei wäre die nach Brinkmeiers Auffassung dringend nötig: „Ich fange die Probleme auf, die eigentlich die Gemeinde lösen müsste.“

Aktion des Landes Niedersachsen

Es gibt aber doch jemanden, der Brinkmeier und alle anderen Tierschützer unterstützen will. Das Land Niedersachsen hat aktuell ein 200.000 Euro starkes Projekt für die Kastration von Katzen aufgelegt. Bis zum 15. März können „Tierschutzvereine, Tierheime und Betreuer von Katzenfutterstellen frei lebende Hauskatzen, denen kein Besitzer zugeordnet werden kann, kostenlos von einem Tierarzt kastrieren lassen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Landesbeauftragten für den Tierschutz. Brinkmeier will das Angebot auf jeden Fall annehmen: „Ich hoffe nur, dass das Geld nicht zu schnell aufgebraucht ist.“


Das Problem mit den streunenden Katzen

Etwa 200.000 verwilderte Hauskatzen leben in Niedersachsen, so schätzt Michaela Dämmrich, die Landesbeauftragte für den Tierschutz. Die genaue Zahl ist unbekannt, weil Katzen in vielen Kommunen nicht meldepflichtig sind und sich auf ihren Freigängen mitunter unkontrolliert vermehren. Eine weibliche Katze kann bis zu dreimal im Jahr trächtig werden und jeweils vier bis sechs Junge zur Welt bringen. Das bringt mehrere Probleme mit sich: Verwilderte „Katzen sind oftmals abgemagert, leiden unter Wurmbefall, Parasiten und Verletzungen durch Rangkämpfe“, so die Landestierschutzbeauftragte. Außerdem können verwilderte Katzen Krankheiten übertragen. Tierheime sind an der Belastungsgrenze, weil immer mehr herrenlose Katzen abgegeben werden. Die Landestierschutzbeauftragte sieht deshalb auch die Kommunen in der Pflicht, „in deren Aufgabenbereich eigentlich die Betreuung obdachloser Katzen fällt.“

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