Neujahrstreffen 2018 Bohmter Bürger haben viele Gründe für Optimismus

Von Karin Kemper


Herringhausen. Gleich doppelt geschah beim Neujahrstreffen der Gemeinde Bohmte, das am Samstagnachmittag in der Grundschule Herringhausen stattfand, Unerwartetes. Zum einen hatten die Besucher aus Vereinen und Verbänden, Politik und Wirtschaft nicht mehr mit dem Besuch der Sternsinger gerechnet, zum anderen ehrte Bürgermeister Klaus Goedejohann einen Lebensretter.

Und etwas Neues hatte Arnd Sehlmeyer, Ortsbürgermeister in Herringhausen-Stirpe-Oelingen, mitzuteilen. In Richtung Thekla Schäfer meinte er: „Danke, dass du dich für unsere Schule entschieden hast.“ Sie übernimmt nach der kommissarischen jetzt die Leitung der Grundschule Herringhausen. In der Begrüßung fand Susanne Storck, die Bürgerrednerin, besondere Erwähnung. „Dein Whats-App-Smiley „fast fertig“ hat mich ganz schön unter Druck gesetzt – ich hatte noch nicht viel auf dem Papier...“

Wichtige Beschlüsse

Seitenhiebe zur Dauer der Regierungsbildung musste sich der Bundestagsabgeordnete André Berghegger gefallen lassen, der ebenso wie der Landtagsabgeordneten Guido Pott und Clemens Lammerskitten Gast beim Neujahrstreffen war. Sehlmeyer: „Nach vier Monaten wurden in der Gemeinde Bohmte, in der gleichzeitig wie im Bund gewählt worden war, wurden s chon viele wichtige Beschlüsse auf den Weg gebracht...“ Stichworte sind dabei die Ausweisung von Bauland und der Bau der Kinderkrippe am Kindergarten Herringhausen.

Das Wort „toll“

Bürgermeister Klaus Goedejohann nahm eine Sendung von Kabarettist Dieter Nuhr als Ausgangspunkt seiner Rede, in der dieser sagte: „Ich gehe optimistisch ins Jahr 2018, auch wenn ich damit schon als Patient für die Psychiatrie gelte...“ Goedejohann fragte: „Kann man nicht mehr einfach optimistisch sein?“ Die Gemeinde Bohmte habe allen Grund optimistisch zu sein, und dazu gehöre das Wort toll. Der Bürgermeister: „Wir können auf vielen guten Ansätzen aufbauen. Wir wollen die leistungsstarke Wohn- und Arbeitswelt weiterentwickeln.“ Die Maßnahmen des Kindergartenkonzeptes, die in allen Kindergärten in der Gemeinde erhebliche Investitionen erforderten, sollen im Jahr 2018 abgeschlossen werden. Hinzu kämen tolle Tagesmütter, die weitere Betreuungsmöglichkeiten böten.

Viele positive Aspekte

Weiter hieß es: „Wir haben tolle Bildungseinrichtungen, in denen engagiert gearbeitet wird, um den Nachwuchs in das Leben zu begleiten. Tolle Betriebe bringen Spitzenleistungen. Es gilt, Fachkräfte im Wittlager Land auszubilden und zu halten.“ Tolle Vereine böten in allen drei Ortschaften tolle Angeboten. Hilfsorganisationen wie DLRG, DRK oder Feuerwehr seien unschätzbar wertvoll für die Gemeinde und ihre Bürger. In Bohmte habe es eine tolle Reformationswoche gegeben, die im ökumenischen Sinn gefeiert wurde. Eine tolles Engagement zeigten die Sternsinger in der Gemeinde, die mehr als 15.000 Euro für Gleichaltrige in Not sammelten – und der Grundschule Herringhausen einen verspäteten Besuch abstatteten - mit Sammelbüchsen, die bereitwillig gefüttert wurden.

Beherzt eingegriffen

Goedejohann: „Und wir haben tolle Menschen, die Mitmenschenachten und helfen, wenn es nötig ist.“ Er ließ es nicht bei der Aussage, sondern hatte ein Beispiel parat. Friedel Wassmann hatte sich in einer Bäckerei in Bohmte beim Kuchenessen so sehr verschluckt, dass er keine Luft mehr bekam und zu ersticken drohte. Uwe Kettner, der gerade beim Briefkasten gewesen war, sah das und griff beherzt ein. Er hatte die nötige Kraft für den lebensrettenden Heimlich-Handgriff.

Wittlager Identität

Weiter machten Goedejohann deutlich, dass die Wittlager Identität etwas sei, das die drei Gemeinde Gott sei Dank hätten: „Das trägt uns an vielen Stellen und macht uns stark.“ Die Reihe fand eine Fortsetzung. Tolle Abgeordnete, ein toller Landkreis mit der dazugehörigen Verwaltung gehörten ebenso zur Aufzählung wie tolle Mitglieder in Rat, Ortsräten und Verwaltung sowie tolle Partnerschaften zum französischen Bolbec und zur Stadt Gützkow in Mecklenburg-Vorpommern. Es gelte: „Geschlossenheit nach Innen und Außen ist ein Schlüssel zum Erfolg.“

Das Eisen schmieden

Gleichzeitig müssten die tollen vorhandenen Strukturen gesichert erden. Die Nachfrage nach Bauland sei groß. Dort gebe es ebenso Entwicklungspotenzial wie bei Gewerbegebieten. Goedejohann: „Das gilt besonders für den Hafen Leckermühle. Das Eisen ist heiß. Es gilt, es zu schmieden.“ Das Hafenprojekt habe einen ähnlichen Rang für Bohmte wie vor mehr als 100 Jahren der Bau des Bahnhofs und der Eisenbahnstrecke. Klar sei aber auch, dass Veränderungen Einschnitte bedeuteten.

Goedejohann forderte: „Lassen Sie uns mit viel Optimismus nach vorn blicken.“ Er selbst habe den Blick noch weiter nach vorn gerichtet. Dazu gehört der Entschluss 2019 nicht erneut für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. „Ich habe einen tollen Job, den ich bis 2019 mit voller Kraft ausüben werde.“

Anfrage im September

Bürgerrednerin Susanne Storck, Vorsitzende des Kirchenvorstands der St.-Johannis-Gemeinde, war im September vom Ortsbürgermeister gefragt worden, ob sie zu dieser Aufgabe bereit sei. Storck: „Meine erste Frage war: Was soll ich da sagen? Aber gereizt hat mich das Ganze schon.“ Und so stand Susanne Storck am Samstag am Rednerpult. Sie erinnerte an den Besuch aus Südafrika während der Reformationswoche. Zwei Dinge hätten sie bei den Predigten des Reverends besonders beeindruckt – der Anfang und das Ende. Die Erläuterung folgte. Zu Beginn wurden alle aufgefordert, sich an den Nachbarn zu wenden und zu fragen: „Warum bist du da, und wer bist du?“ Die Probe folgte in Herringhausen: „Das klappt, nur nicht so schüchtern.“

Und noch etwas hatten die Partner aus Südafrika mitgebracht – ein Wort, das nicht einfach so in eine andere Sprache übertragbar ist (wie im deutschen Fingerspitzengefühl, Waldeinsamkeit oder Freizeitstress). In Südafrika gibt es das Wort „Ubuntu“, das ein Lebensgefühl beinhaltet. Es basiere auf wechselseitigem Respekt: „Ich bin Mitmensch, ich komme allein nicht durch’s Leben. Ich brauche andere Menschen – Vereine, Institutionen, Läden...“

Selbst versuchen

Storck: „Das wechselseitige Aufeinanderangewiesensein finde ich spannend und bedenkenswert.“ Ein Mensch mit „Ubuntu“ sei offen für andere und bereit zum Teilen, habe keine Angst vor den Fähigkeiten anderer. Das habe Desmond Tutu so beschrieben. Die Bürgerrednerin: „So geht Ubuntu – und so lässt es sich übersetzen. Versuchen Sie es doch einmal.“ Und auch den Schluss der Predigt des Reverends verriet Susanne Storck: „Sie kennen jetzt den Namen des Nachbarn. Geben Sie ihm die Hand und sagen: „Ich wünsche dir ein gesundes und gesegnetes Jahr 2018.“

Grüße aus Gützkow

Neujahrsgrüße der Bohmter Partnerstadt Gützkow überbrachte deren Bürgermeisterin Jutta Dinse. Sie hielt zunächst Rückschau auf das vergangene Jahr, das von Wetterkapriolen geprägt gewesen sei. „Bei uns steht jetzt mehr Wasser auf den Feldern. Es haben sich Seen gebildet. Flachwurzelnde Bäume fallen einfach um.“ Auch sie war wenig angetan von der Länge der Regierungsbildung mit 111 Tagen geschäftsführender Regierung. Dinse: „Was wäre, wenn wir in der Kommunalpolitik so arbeiten würden? Was würde alles auf der Strecke bleiben?“ Sie schloss: „Es gibt auch bei uns viele Aufgaben, die wir nur gemeinsam lösen können. Ehrenamt ist dabei das wichtigste Amt. Vielen Dank an alle.“

Die Woche hat gutgetan

Letzter Redner war der Arenshorster Pastor Andreas Pöhlmann. Er versprach: „Ich mache es kurz. Ich will nicht die Worte der Vorredner wiederholen.“ Er hielt Wort und erinnerte an die Reformationswoche, die in Bohmte gefeiert worden war. Der Arenshorster Pastor: „Das hat uns allen gutgetan – auch ökumenisch.“ Es sei deutlich geworden, dass „wir uns als Christen nicht verstecken sollten“. Er forderte die Zuhörer auf: „Seien Sie fröhlich in ihrer Überzeugung – unabhängig von der Konfession“.