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Kandidatencheck zur Bürgermeisterwahl Viel Konsens und eine Kontroverse in Bohmte

Von Rainer Westendorf | 09.05.2019, 18:59 Uhr

Am Sonntag, 26. Mai, wird in der Gemeinde Bohmte ein neuer hauptamtlicher Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin gewählt. Wer wird Nachfolger von Klaus Goedejohann? Tanja Strotmann und Thomas Rehme, die sich um das Amt bewerben, stellten sich im katholischen Gemeindehaus St. Johann den Fragen des Publikums sowie der Kolpingsfamilien Bohmte und Hunteburg.

Der Kandidatencheck der Kolpingsfamilien hat schon Tradition. Sie haben bereits in der Vergangenheit bei verschiedenen Wahlen die Kandidaten im direkten Vergleich zur Rede gestellt. Am 26. Mai finden auch die Europa- und die Landratswahlen statt. In Bohmte kommt als dritte Abstimmung die Bürgermeisterwahl hinzu.

Welche Vorstellungen und Pläne haben die beiden Kandidaten? "Was sind ihre Topthemen?", fragte Stefan Klöcker, Vorsitzender der Hunteburger Kolpingsfamilie. Er übernahm mit seinem Bohmter Kollegen Alexander Nagel die Moderation des Abends. Um die Veranstaltung zu strukturieren, wurden Themenblöcke gebildet: Wirtschaft und Verkehr, demografischer Wandel sowie Dorfentwicklung und das Bewegungsband.

Wer sind die beiden Kandidaten? Tanja Strotmann ist seit Anfang 2016 Erste Gemeinderätin in Bohmte. Zuvor war sie 20 Jahre beim Landkreis Vechta in verschiedenen Funktionen tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Rehden bei Diepholz. Im Fall eines Wahlsiegs will sie allerdings den Wohnort nach Bohmte verlagern, wie sie am Mittwochabend auf der Veranstaltung mitteilte.

Thomas Rehme stammt aus Bohmte. Er ist Rechtsanwalt und seit vielen Jahren in der Kommunalpolitik engagiert. Er ist unter anderem Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion sowie Ortsbürgermeister in Bohmte. Er hatte bereits bei der vergangenen Bürgermeisterwahl kandidiert – und knapp gegen Klaus Goedejohann verloren.

Nachfrage nach Bauland

Die weitere gute wirtschaftliche Entwicklung der Kommune ist beiden Kandidaten wichtig. Dabei könne die Gemeinde Hilfestellung geben, waren sich Rehme und Strotmann einig. Auch mit der Stelle eines Wirtschaftsförderers im Rathaus. Das Zusammenwirken mit dem Landkreis und Einrichtungen wie die Oleg sei ebenfalls notwendig. "Man kann mit vielen kleinen Bausteinen helfen", sagte Rehme. Gewerbe und Industrie brauchen natürlich Grundstücke. Ebenso wie die Landwirtschaft. Und die Nachfrage nach Wohnbaugrundstücken ist ungebrochen. Das Flächenmanagement müsse also mit Augenmaß betrieben werden. "Wir dürfen die Region nicht überbelasten", so Rehme.

Viele Firmen suchen Fachkräfte und in einige Branchen sind Auszubildende heute nur sehr schwer zu bekommen. Hier könne die Kommune Unterstützung geben. Tanja Strotmann verwies auf die während des Bohmter Marktes 2018 erstmals organisierte Azubibörse, die in diesem Jahr eine Neuauflage erfahren soll. Um junge Menschen in der Gemeinde zu halten und Familien anzuziehen, braucht es attraktive Arbeitsplätze, eine gute Infrastruktur - von der Kinderbetreuung über Schulen und Sportstätten - sowie Wohnraum, sprich Bauplätze. Punkte, an denen Verwaltung und Kommunalpolitik arbeiten.

Thema seit Jahrzehnten in der Gemeinde ist die Verkehrsbelastung. "Wie kann diese Belastung reduziert werden?", fragte Alexander Nagel die Kandidaten. "Wir haben ein Lkw-Problem in Bohmte", stellte Strotmann fest. Das sei ihr schon bei ihrem ersten Besuch in der Ortschaft aufgefallen. Eine optimale Lösung gebe es allerdings nicht. Sonst wäre diese nämlich in der Vergangenheit bereits gefunden worden. Gebraucht werde eine Idee, die alle mittragen könnten; und zwar auch die Nachbarkommunen. Daher sei der Ratsbeschluss, eine mögliche Verlegung der B 65 auch über Bohmter Gebiet zu führen, strikt abzulehnen, ein Fehler, merkte die Kandidatin an.

Verkehrbelastung durch Lkw

Von möglichen Umgehungsstraßen seien immer irgendwo Anwohner betroffen und es gebe Widerstand. Das zeige die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte. Thomas Rehme setzt deshalb eher auf kleinere Lösungen. Derzeit wird untersucht, ob es möglich ist, den Lkw-Verkehr von der Wehrendorfer Straße nach links Richtung B 51 zu lenken und so diesen von der Bremer Straße fernzuhalten das wäre immerhin ein erster erfolgreicher Schritt.

"Bislang gab es viel Konsens", stellte Stefan Klöcker fest. Doch nun komme das Bewegungsband. Dieser Bereich des Programms der Dorfentwicklung ist der einzig wirklich kontroverse Punkt. Das „Bewegungsband“ verbindet als behindertengerechter Weg einen geplanten Mehrgenerationenspielplatz und das Schulgelände mit dem Bohmter Sportzentrum, so das Konzept der Planer. Die Bohmter SPD hatte überraschend beantragt, das Bewegungsband-Projekt zu stoppen und stattdessen Projekte einzeln umzusetzen und für diese Einzelprojekte Förderanträge zu stellen. Man müsse auch auf die Stimmen aus der Bevölkerung hören, sagte Rehme. Die Kosten sei zu hoch und der Mehrgenerationenplatz nicht erforderlich. Dass Schulhof, Freibad und Sportplatz angepackt werden müssten, sei unstrittig.

Tanja Strotmann wies darauf hin, dass gerade das Gesamtkonzept Bewegungsband mit all seinen Bestandteilen entscheidend sei,um überhaupt eine Förderung innerhalb des Dorfentwicklungsprogramms zu erhalten. "Das Bewegungsband ist der Punktegeber".