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„Von Tuten und Blasen eine große Ahnung“ 80 Blechbläser spielen beim Kreisposaunenfest vor der St.-Urban-Kirche in Holte

Von Bärbel Recker-Preuin | 18.09.2011, 13:36 Uhr

Nicht alles, was zu einem Posaunenchor gehört, ist Posaune. Tuben, Trompeten und Hörner gehören ebenso dazu. Wenn rund 80 Bläser aus diesen Instrumenten ihre Töne herausholen, ergibt sich ein gewaltiges, vierstimmiges Klangspiel.

Wie in Holte, als sich zum Kreisposaunenfest des Kirchenkreises derart viel Blech um die alte St.-Urban-Kirche versammelte. Gastgeber war der Posaunenchor Holte, der auf hundert musikalische Jahre zurückblickt.

Die Bläser in Holte sind nicht nur notensicher und spielfreudig, sondern offensichtlich auch mutig. Denn trotz dunkler Regenwolken hielten sie an ihrem Vorhaben fest und ließen das Treffen der 14 Posaunenchöre im Kirchenkreis Georgsmarienhütte draußen vor der Kirche stattfinden. „Fällt ein Tropfen von dem Regen“, so heißt es in einem neuen Kirchenlied. Nach diesem Motto und voller Zuversicht auf den kurzen Draht zum Himmel stimmte Kirchenkreismusiker Stefan Bruhn seine versammelte Bläsergemeinde mit „grandiosem Blech“ ein: „Splendor of Brass“ lautete das erste Stück. Das weitere Programm bot einen Querschnitt von der traditionellen bis zur modernen Posaunenchormusik, darüber hinaus reizvolle optische Eindrücke inmitten des historischen Kirchdorfes.

Mit barocker Musik begann der Gemeinschaftschor den Abend. Die feierliche Madrigal und geistliche Bach-Choräle waren zu hören, bevor Stefan Bruhn seine Bläser musikalisch in das 20. Jahrhundert dirigierte. Posaunenchöre stehen zwar zu ihrem Ursprung in Renaissance und Barock, außerdem zum geistlichen Auftrag der Verkündigung in evangelischen Kirchen. Sie gehen aber mit der Zeit und nehmen modernes Liedgut auf, dabei wird zuweilen geswingt und gerockt. Zum Beispiel bei neu arrangierten Gospels. „Swing low, sweet chariot“ und „Joshua fit the battle of Jericho“ waren zu hören.

Der Jubiläumschor Holte war mit Soloauftritten unter der Leitung von Arnd Hellmann vertreten. Die Bläser spielten das festliche „Halleluja“ aus dem Messias von Händel und als Beweis der gelungenen Neuausrichtung „Hello Dolly“. Am Ende des Abends scholl „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ in die Holter Berge. Sterne waren am verhangenen Himmel nicht zu sehen, aber aufgrund der Nähe zum Himmel war es nur bei vereinzelten Regentropfen geblieben.

Wenn ein Posaunenchor Geburtstag feiert, dazu weitere 13 Chöre Ständchen bringen, ist das auch ein Anlass, mit Worten zu gratulieren. Das machten Superintendentin Doris Schmidtke, Bürgermeister Guido Halfter, Ortsvorsteherin Doris Beinker und Pastorin Dr. Wiebke Köhler.

„Ihr seid die Töne der Welt“, sagte Doris Schmidtke in Abwandlung eines Bibeltextes. Christen seien keine geschlossene Gemeinschaft, sie gehen hinaus in die Welt, sind weithin hörbar, in Gottesdiensten und bei gesellschaftlichen Anlässen, auch bei Regen und Gegenwind, so die Superintendentin. So auch der große gemeinsame Chor der Bläser, der mit seiner Musik das Tal erfüllte. Das Kreisposaunenfest sei eine fulminante Verkündung, meinte Bürgermeister Halfter, der sich freute, dass Bläser aus dem gesamten Kirchenkreis in Holte musizierten. Doris Beinker wünschte allen Bläsern immer genügend Luft, und Wiebke Köhler fasste das Konzert in einem Satz zusammen: „Diese Leute haben von Tuten und Blasen eine große Ahnung.“