Ein Artikel der Redaktion

Unterschriftenliste überreicht Mehr als 1000 Bissendorfer für Erhalt der Förderklassen

Von Bärbel Recker-Preuin | 24.06.2013, 17:28 Uhr

Eltern, Rat und Verwaltung in Bissendorf wehren sich gegen die Schließung der Sprachförderklassen. Eine Liste mit mehr als 1000 Unterschriften ist jetzt niedersächsischen Landtagsabgeordneten überreicht worden.

Der Sprechball ging an Lukas, der zurzeit im Sprachheilzentrum Werscherberg wohnt. Der Erstklässler erzählte seinen Mitschülern der Förderklasse in der Grundschule Bissendorf von seinen Erlebnissen am Wochenende. Das Wort „Kette“ ging ihm nicht gut von den Lippen. Macht nichts, seine Lehrerin und die Mitschüler halfen. In dieser Klasse wird die Inklusion an jedem normalen Tag praktiziert. Wenn allerdings der Beschluss der Landesregierung wie geplant umgesetzt wird, könnte diese inklusive Normalität in Bissendorf bald zu Ende gehen. Dagegen wehren sich die Eltern, Rat und Verwaltung. Sie trugen ihre Bedenken den Landtagsabgeordneten Gerda Hövel, Clemens Lammerskitten (beide CDU) und Claus-Peter Poppe (SPD) vor.

„Wir Eltern vom Sprachheilzentrum Werscherberg sind dagegen, das Erfolgmodell zu verändern“, sagte Frank Buck-Siefker, Elternvertreter des Awo-Sprachheilzentrums. Silke Pohl und Angela Firmer, Elternvertreterinnen der Grundschule, ergänzten: „Wir Eltern sind für die Inklusion.“ Beide Forderungen stehen in Bissendorf im Einklang.

Perfekte Ergänzung

In diesem Fall geht es um 30 bis 40 sprachgestörte Kinder, die auf Zeit stationär im Sprachheilzentrum Werscherberg therapiert werden und die Grundschule Bissendorf besuchen. Hier erhalten sie in kleinen Förderklassen mit maximal 14 Schülern ihre Extra-Unterstützung beim Lernen. Eine perfekte Ergänzung zur stationären Sprachheiltherapie, versichern Kornelia Hunsche-Frach und Johannes Faust vom Sprachheilzentrum und Grundschulrektorin Heike Oberkötter. Die Kinder sind bereits mehrfach ambulant vorbehandelt worden, die stationäre Therapie auf dem Werscherberg ist für viele Eltern der letzte Ausweg, um ihren Kindern trotz Sprachhandicaps die gleichen Bildungschancen zu sichern, außerdem wird mit dem Unterricht bereits ein Ziel erreicht, nämlich die Integration in einer Regelschule. Die Kooperation zwischen Grundschule und Sprachheilzentrum greift, und zwar bei allen Kindern, wie die Erfolgsquote belegt. „Trauen Sie sich, Ausnahmen von der Regel zuzulassen“, appellierte Psychologe Johannes Faust an die Landtagspolitiker.

Gerda Hövel, Claus-Peter Poppe und Clemens Lammerskitten machten sich ein persönliches Bild, sie besuchten den Unterricht in den Förderklassen und sprachen mit Lehrern, Eltern und Mitgliedern des Schulausschusses. Vorausgegangen war ein deutliches Votum der Bissendorfer für den Erhalt der Förderklassen, verbunden mit einer Einladung und einer Eingabe von Gerda Hövel vor dem Landtag.

Die Landespolitiker stehen hinter den Förderklassen, wie sie versicherten. Schließlich geht es um das Wohl der sprachgestörten Kinder, und: „Auch die nicht sprachgestörten Kinder werden betroffen sein“, sagte Volker Buch, CDU-Ratsmitglied. In diesem Falle, den alle Bissendorfer verhindern wollen, werden alle Kinder mit oder ohne Sprachhandicaps in normal großen Grundschulklassen unterrichtet. Ihre Unterstützung signalisierten Gerda Hövel und Clemens Lammerskitten. Sie wollen die Förderklassen trotz Inklusions-Beschlusses der rot-grünen Landesregierung retten. Auch müsse die freie Schulwahlentscheidung der Eltern im Vordergrund stehen. Eine Entscheidung werde besonders in Fällen eines differenzierten Fördersystems nicht überstürzt getroffen, versicherte Claus-Peter Poppe, allerdings klammerte er „Veränderungen und Innovationen“ nicht aus.

Auf alle Fälle wollen die Bissendorfer für ihr Erfolgsmodell der Kooperation zwischen Regelschule und Sprachheilfördereinrichtung kämpfen. Die Elternvertreter erhielten großen Rückhalt. Mehr als tausend Menschen haben sich für den Erhalt der Förderklassen ausgesprochen. Die Unterschriftenlisten wurden den Landtagspolitikern überreicht.