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Präsident ruft Republik aus Kein Schützenkönig in Schledehausen

Von Stefanie Preuin | 15.07.2014, 18:24 Uhr

Gewöhnlich ist ein Schützenfest eine wohllaunige Angelegenheit mit fröhlichem Horrido und vor allem neuen Majestäten, die sich vom grün-weißen Volk feiern lassen. Nicht so in Schledehausen. Wer sich dem Schießstand näherte, traf auf nervöse Anspannung pur. Kurzum: Der Rumpf fiel nicht. Zu später Stunde rief Schützenpräsident Egon Mandrella im 124. Jahr des Schützenvereins Schledehausen die Republik aus.

Zuerst das Gute vom Schützenfest: Auf der positiven Seite stehen die Kinder. Ohne Probleme und gut gelaunt bestieg König Mathis Grützner gemeinsam mit Königin Insa Klenen den Thron, außerdem gehören die Adjutanten Jonas Laumann und Vincent Arndt sowie die Ehrendamen Meret Klenen und Anna Marszalkowski dazu. „Der Rumpf war etwas widerspenstig, aber er fiel. Wir haben viele ausbaufähige Kinderschützen dabeigehabt“, verkündete Schützenpräsident Egon Mandrella bei der Proklamation. Zudem gab es ein buntes Kinderprogramm im Kurgarten.

Zunächst erlebten auch die Erwachsenen die schönen Seiten des Festes: einen ökumenischen Gottesdienst und einen schwungvollen Schützenumzug. Während der Feierstunde, die eigentlich die Proklamation des neuen Thrones hätte werden sollen, blickte Egon Mandrella auf ein gutes Jahr zurück. Er ehrte Werner Berger für 50 Jahre, Günther Dierker für 60 Jahre und die Zwillinge Fritz und Walther Schürmann für 80 Jahre Mitgliedschaft im Schützenverein Schledehausen. Danach schlug Mandrella kritische Töne an. „Es muss bei uns um das Miteinander gehen, Egoismus darf nicht in den Vordergrund rücken“, forderte Präsident Mandrella. Er wünsche sich, dass das Fest als Volksschützenfest erhalten bliebe, und hoffe auf die Unterstützung der Schützen und der Bevölkerung, so Mandrella zu späterer Stunde.

Zwischen den Zeilen wurde das deutlich, was draußen viele dachten und etliche aussprachen: Am bisherigen Festort und im Saal von „Hünerbein’s Posthotel“ fühlen sich die Schützen nicht mehr willkommen. „Unser Ziel ist ein Schützenfest im Kurgarten“, bestätigte Mandrella.

Da diese Probleme sogar tiefer sitzen, als die Suche nach einem neuen Regenten – in Schledehausen dürfen übrigens nur Männer auf den Adler zielen –, war es für viele Besucher nicht verwunderlich, dass um 22 Uhr der Rumpf noch nicht gefallen war und Schledehausen erstmals ohne Schützenkönig da- steht. Das Bitten des Schützenvorstandes war erfolglos geblieben, der Kinderthron musste sich allein dem grün-weißen Volk beim Umzug im Luftkurort präsentieren.

„Ich werde den Kopf nicht in den Sand stecken“, berichtete Egon Mandrella. Auch von einem Rücktritt in der derzeitigen Lage sehe er ab. Es bleibt für ihn und seinen Vorstand die Aufgabe, in schwieriger und unruhiger Zeit das 125-jährige Jubiläum vorzubereiten. „Im Jubiläumsjahr wird es wieder einen König geben“, da war sich Schützenpräsident Egon Mandrella am späten Abend sicher.