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Paten sollen Schülern den Weg in den Job ebnen Ausbildungsbrücke in Bissendorf – Ehrenamtliche gesucht

Von Sandra Dorn | 07.09.2011, 15:14 Uhr

Ehrenamtliche Paten sollen Schüler bis zum Jobstart und darüber hinaus begleiten, bei Berufswahl und Bewerbungsschreiben helfen – und ihnen auch mal in den Hintern treten. Denn nicht bei jedem Jugendlichen sind die Eltern fachlich in der Lage, den Weg in den Job zu ebnen. Diakonie sowie Haupt- und Realschule Bissendorf (HRS) sind deshalb eine Kooperation eingegangen und suchen jetzt Freiwillige.

„Unsere Zielgruppe sind Menschen mit einer gewissen Berufserfahrung, die bereit sind, sich intensiv auf die Schüler einzulassen“, sagen Manfred Müller, Koordinator der Initiative „Ausbildungsbrücke“ für Niedersachsen, und Rolf Schwager, Koordinator für die Gemeinde Bissendorf. „Die Paten sollen in einer Eins-zu-eins-Betreuung die individuellen Stärken und Schwächen der Schüler herausfinden und ihnen helfen, sie zu beseitigen.“

HRS und Diakonie haben jetzt einen Kooperationsvertrag für diese Initiative namens „Ausbildungsbrücke“ unterzeichnet. Nun suchen sie ehrenamtliche Helfer.

Auf die Schüler an der HRS kommt im Laufe des achten Schuljahres stets eine Kompetenzfeststellung zu, Förder- und Schullaufbahnpläne werden erarbeitet und die Berufswünsche besprochen. „Da merkt man schon, welche Eltern dem Kind selbst helfen können und welche dabei eher Probleme haben“, schildert Schulleitern Gisela Kascha ihre Erfahrungen. „Das fängt schon bei der Frage an: Wie finden wir eine passende Praktikumsstelle?“ Und genau hierbei sollen die Paten helfen.

„Wir wollen die Eltern dabei aber keinesfalls in ihren erzieherischen Kompetenzen beschränken“, betonen Müller und Kascha. „Es geht darum, eine neutrale dritte Person zu finden, die die Eltern unterstützt“, sagt Rolf Schwager, der in Bissendorf Ansprechpartner für diejenigen ist, die gern eine Patenschaft übernehmen möchten – das können Rentner sein, aber auch Menschen, die mitten im Beruf stehen, sind äußerst erwünscht.

Vor einem Jahr ist die Initiative bereits an der Hauptschule Dissen gestartet, ihren Anfang nahm sie 2008 in Berlin-Steglitz. Inzwischen gibt es laut Diakonie bundesweit 290 Paten.

Im Idealfall beginne die Patenschaft ein bis zwei Jahre vor dem Schulabschluss und gehe auch dann weiter, wenn schon ein Ausbildungsplatz gefunden ist, erklären die Koordinatoren. „Nach der Schule gibt es leider meist einen Bruch in der Betreuung“, sagt Kascha und erzählt von einem Schüler, der vor einigen Jahren abzudriften drohte: Scheidung der Eltern, drei Geschwister, Überforderung der Mutter.

Eine Lehrerin habe sich regelmäßig nach der Schule mit ihm zusammengesetzt und ihm nicht nur bei den Hausaufgaben, sondern auch bei dem Schritt ins Berufsleben geholfen. Gemeinsam fanden sie einen Ausbildungsplatz –und dann brach der Kontakt zur Lehrerin nach dem Schulabschluss automatisch ab.

„Der junge Mann wäre während der Probezeit fast geflogen“, so Kascha. Ihre Kollegin schaltete sich nochmals ein und konnte dies verhindern. „Dieses Kind brauchte einfach nur Halt“, sagt Kascha. Vielleicht könnten Paten auch diesen künftig bieten, hofft sie. Klar ist: „Man geht eine moralische Verpflichtung ein – über mindestens ein Jahr“, sagt Schwager.

Wie viele Bissendorfer Schüler von der Initiative profitieren werden, hängt von der Zahl der Paten ab. Wer sich die Aufgabe zutraut, kann sich bei Rolf Schwager aus Natbergen melden, Telefon 0541/937777, E-Mail: schwager@patenmodell.de