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Landwirtschaftliche Versuchsstation Astrup Süßlupinen liefern Eiweiß und Dünger

Von Harald Preuin, Harald Preuin | 26.06.2016, 11:42 Uhr

Eiweißlieferant für Mensch und Tier. Die Süßlupine fristet in der modernen Landwirtschaft eher ein Schattendasein. Das soll sich ändern. „Die Erweiterung der Fruchtfolgen in Deutschland und Europa um weitere Pflanzen, insbesondere um Leguminosen (Hülsenfrüchte), ist ein wichtiger Baustein für eine nachhaltigere Landwirtschaft“, schreibt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Sie blüht wunderschön, in blau, gelb und weiß, doch als Blume gilt die Lupine wenig. In der Versuchsstation der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Bissendorf-Astrup sammelt man seit Jahren Erfahrungen mit der eiweißhaltigen Frucht. Auch in diesem Jahr wird auf den Versuchsflächen die Weiße Lupinen blühen. Mitte März wurden die Samenkörner gedrillt, Ende August dürften die Früchte erntereif sein, meint Ulf Wamhof (44), Leiter der Versuchsstation. Geerntet wird mit einem kleinen Mähdrescher, das Erntegut wird gemahlen in Schweinefutter untergerührt.

Von einem Wildschutzzaun umgeben

Die Aussaat der Weißen Lupine erfolgt im Auftrag des Bundessortenamtes (Hannover), das einen Antrag auf Zulassung einer neuen Sorte von einem Züchter erhalten hat. Im letzten Jahr testete die Dienststelle des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft die neue Sorte auf eigenen Flächen, nun steht sie in der sogenannten Wertprüfung auf einigen Parzellen der Versuchsstation. Sie sind von einem Wildschutzzaun umgeben, weil die Süßlupine auch gern von großen und kleinen Wildtieren gefressen werden, die sie als Leckerbissen betrachten, seit die Bitterstoffe rausgezüchtet worden sind.

Nicht ohne staatliche Prüfung

Die weiße Lupine machte den Züchtern lange keine Freude. 1. hatte sie einen hohen Anteil von Bitterstoffen, 2. war sie – anders als die Blaue Lupine – anfällig für Pilzerkrankungen. Viele Jahre war sie vom Markt verschwunden. Nun versucht es die Branche mit neuen Sorten, von denen sie sich Erfolg versprechen. Doch ohne staatliche Prüfung geht das nicht.

Eine Symbiose mit Bakterien

Süßlupinen steigen wie andere Leguminosen (Hülsenfrüchte wie Ackerbohne und Futtererbse) im Kurs, u. a. weil sie mit ihrem Eiweißgehalt beinahe mit Soja mithalten und damit dem Futter von Nutzvieh beigemischt werden können. Inzwischen gibt es auch zahlreiche Lebensmittel, die anstelle von Soja Lupineneiweiße enthalten. Doch damit nicht genug: Während der Vegetationszeit gehen die Wurzelknöllchen der Pflanze eine Symbiose mit Bakterien (Rhizobien) ein. Diese binden Stickstoff aus der Luft, den sie den Leguminosen zur Bildung von Eiweiß oder nachfolgenden Feldfrüchten (Fruchtfolge) als Pflanzennährstoff zur Verfügung stellen. Damit könne Naturdünger und teurer Mineraldünger eingespart werden, erklärt Ulf Wamhof.

Ohne Dünger und fungizide Pflanzenschutzmittel

Mit seinem Kollegen Christian Ballmann (31) nimmt Wamhof regelmäßig das Wachstum der Süßlupinen unter die Lupe, die gänzlich ohne Dünger und fungiziden Pflanzenschutzmittel gedeihen. Die einzelnen Versuchsparzellen sind 15 Quadratmeter (1,70 x 9 Meter) groß. Insgesamt laufen in Astrup Versuche und Untersuchungen auf 10 Hektar mit Mais (Körner/Silo), alle Getreidesorten (Sommer/Winter), Raps und eben Leguminosen, neben Weißen auch Blaue Lupinen, Ackerbohnen und Futtererbsen. In Sortenversuchen unter ökologischen Anbaubedingungen stehen neben Wintergetreide und Leguminosen auch Gelbe Lupinen besonders unter Beobachtung auf Pilzbefall. Die Versuchsstation hat Außenflächen in Melle und in Wallenhorst (Gut Waldhof: Versuchsbetrieb der Hochschule Osnabrück).

Mit satellitengestütztem Lenksystem

Gute Erfahrung hat die Versuchsstation inzwischen mit einem satellitengestützten Lenksystem gewonnen, das seit 2015 auf den Schleppern eingesetzt wird. Das Navi neben dem Lenkrad findet die Fahrgassen der letzten Jahre mit Hilfe von Mobilfunk-Referenzdaten auf zwei Zentimeter Genauigkeit wieder. Ulf Wamhof: „So vermeiden wir weitere Verdichtungen des Bodens“. Eigentlich könnten moderne Schlepper völlig ohne Fahrer ihre Arbeit tun, aber da spielen die Berufsgenossenschaften und Versicherungen noch nicht mit. Wamhof ist sich sicher, dass sich die Steuertechnik per GPS weiter ausbreiten wird. Für den Landwirt bietet sie eine höhere Effektivität und damit Wirtschaftlichkeit. Es gebe weniger Überlappungen beim Düngen, Säen und Pflanzenschutz, was wiederum weniger Arbeit und Treibstoffersparnis bedeutet.