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Harter Panzer, weiches Herz Bissendorfer findet Schildkröte in Wersche

Von Stefanie Preuin | 18.07.2014, 16:13 Uhr

Etwas schüchtern lugt sie aus ihrem Panzer, so richtig geheuer ist ihr die Aufregung nicht. Kurz darauf gleitet sie auch schon wieder in das provisorische Wasserbassin und versteckt sich unter den Holzbohlen. Lieber eine ruhige Kugel schieben, als vor der Kamera zu posieren ist wohl das Motto der Schildkröte. Vor ein paar Tagen hat Michael Grave sie in Wersche gefunden, nun wird dringend der Besitzer gesucht.

Michael Grave ist zur Schildkröte gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Bei einer gemütlichen Radtour entdeckte er „Kröti“ auf dem Radweg an der Kreuzung Nemdener Straße/In der Bauerschaft. Dass man eine Kröte auf dem Gehweg findet, soll schon einmal vorkommen, doch eine Schildkröte ist ein spezieller Fall. Kurzerhand radelte „Kröti“ mit Michael Grave nach Nemden. Der Tierfreund baute einen Auslauf mit Wasserbecken, bot der Schildkröte allerhand kulinarische Spezialitäten wie Bachflohkrebse, Regenwürmer und allerhand Grünzeug aus dem heimischen Garten an. „Ich war in Sorge, dass sie nicht überlebt“, erzählte Michael Grave.

Der 49-jährige Michael Grave hängte Schilder am Fundort auf, telefonierte mit dem zuständigen Tierheim in Hellern, das zunächst die Aufnahme ablehnte. Durch eine „Vermisste Tiere“-Anzeige bei Ebay meldete sich auch eine Züchterin aus Süddeutschland. Allerdings sind Schildkröten meldepflichtig, bei einigen Arten bedarf es einem Herkunftsnachweis.

„Wir sind ins Trudeln gekommen, so einen Fall hatten wir noch nicht“, berichtet Anja Schmidt vom Fundbüro Bissendorf, an die sich Grave gewendet hatte. Aber auch die rührige Mitarbeiterin konnte zunächst bei den Tierheimen keinen Platz für „Kröti“ erkämpfen. Die Pflege sei zu aufwendig.

In den letzten Tagen hat sich Grave viel Wissen über Schildkröten angeeignet. Er vermutet, dass es sich bei „Kröti“ um eine Gelbwangen-Schildkröte handelt. Sie misst gute 15 Zentimeter und ist eher schüchtern.

Mittlerweile sind die Tierheime zwar bereit, das „Fundstück“ aufzunehmen. Die Wasserschildkröte hat sich aber für ein feuchtes Zuhause in der Nähe züngelnder Kollegen entschieden. Karsten Wöllner von der Schlangenfarm in Schledehausen stellt seinen Teich zur Verfügung, dort hat sie Gesellschaft von weiteren „Abgabetieren“ und eine artgerechte Verköstigung und Pflege.

Wer „Kröti“ schon sehnsüchtig vermisst, meldet sich bei Karsten Wöllner unter 05402/6263.